Chorknaben und Bäckerknechte: homosexuelle Kleriker im mittelalterlichen Basel

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Männerschwarmskript, 2004 - Base (Switzerland) - 144 pages
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Äußerst infames und schändliches Fehlverhalten - Aus der langen Geschichte des Missbrauchs durch Priester Wegen des Theologen Heinrich von Rheinfelden wird 1416 eine Untersuchung durchgeführt, weil er sich gerne den jungen Knechten und Gesellen in der Backstube nähert, sie betastet, ihnen "den Schwanz herauszieht" oder sie unter Vorwänden dazu zu überredet, die Nacht mit ihm zu verbringen. Gegen Kaplan Johannes Stocker wird Ende des 15. Jahrhunderts ermittelt, weil er den Chorknaben Johannes Müller brutal vergewaltigt hat. Diese beiden dokumentierten Fälle homosexuellen Missbrauchs durch Kleriker im mittelalterlichen Basel werden in diesem Band erstmals allgemein zugänglich gemacht: eine Entdeckung für HistorikerInnen, ein Lehrstück für alle, die Interesse an Kultur- und Sexualgeschichte haben. Die Klagen über das "äußerst infame und überaus schändliche Fehlverhalten der Priester" setzen schon in der Mitte des 11. Jahrhunderts ein. Petrus Damiani, der asketische Abt und Reformkardinal, behauptete 1049 in dem sogenannten "Liber Gomorrhianus", dass sich "der Krebs der sodomitischen Unreinheit" "in unseren Gegenden" so stark verbreitet habe, dass sofortige Gegenmaßnahmen eingeleitet werden müssten. Und auch knapp 1000 Jahre später ist die Kirche mit dem Problem konfrontiert: Neun Jahre lang leitete Kardinal Hans Hermann Groër (1919-2003) die Erzdiözese Wien (1986 -1995), bevor wegen sexuellen Missbrauchs seiner Ämter enthoben wurde. In den USA bezifferten sich die Schadensersatzforderungen von Opfer klerikaler Missbrauchstäter allein für das Erzbistum Boston auf etwa 100 Millionen Dollar. Am Beispiel der beiden dokumentierten Fälle arbeitet der Historiker Bernd-Ulrich Hergemöller in seinem einleitenden Essay Muster und Besonderheiten derartiger Fälle heraus. Neben der kirchengeschichtlichen Bedeutung eröffnet das Buch Erkenntnisse über das Sittenleben der römisch-katholischen Kirche, über homosexuelle "Alltagswirklichkeit" im 15. Jahrhundert und auch darüber, wie hochstehende Kleriker und die Knaben aus dem "niederen Volk" miteinander kommuniziert haben. Auf den Essay folgen die Abschriften der teils in mittellateinischer und teils frühneuhochdeutsch-oberdeutscher Sprache erhaltenen Dokumente aus Schweizer Archiven und ihre Übersetzung ins Deutsche sowie ein Personenregister. Die Quellen: Heinrich von Rheinfelden (1416) Vor dem Rat der Stadt Basel sagen sechs ehemalige oder aktive männliche Laien-Knechte und Gesellen des dortigen Dominikanerklosters aus, dass sie von dem dortigen Ordensregens Dr. Heinrich von Rheinfelden jahrelang unsittlich berührt und zu sexuellen Handlungen überredet und genötigt worden seien. Johannes Stocker (1475) Johannes Stocker, Vikar am Münster zu Basel, wird vom geistlichen Gericht des Bischofs von Basel wegen Vergewaltigung des Chorknaben Johannes Müller zu ewigem Exil verurteilt. Bernd-Ulrich Hergemöller, geboren 1950, ist Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Hamburg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Fragen der städtischen Sozialgeschichte unter besonderer Berücksichtigung von "Randgruppen". Im MännerschwarmSkript Verlag erschienen "Sodom und Gomorrha. Zur Alltagswirklichkeit und Verfolgung Homosexueller im Mittelalter" und "Mann für Mann. Biographisches Lexikon zur Geschichte von Freundesliebe und mann-männlicher Sexualität im deutschen Sprachraum" (vergriffen, lieferbar als Suhrkamp-Taschenbuch 3266).

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Einleitung
7
Heinrich von Rheinfelden 1416
27
Johannes Stocker 1475
103
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