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das Stift St. Blasien gesteigert einen kräftigen Ana theil. Unter dem Radman Konrad uilin von Nie der můhl, Dachsberger Einnung, vereinigten sich die Waldleute 1525 mit den aufgestandenen, durch Johann Múller von Bulgenbach angeführten, Unterthanen det Herrschaft Lupfen und Bandorf, zogen mit einer Kad none ins Hegau, wo sie sich, durch Wegnahme von Ra: dolfszell, den Rücken zu decken suchten. Wein Iruchseß Georg von Waldburg und Graf Wilhelm von Fürstenberg trieb den Bauernschwarm mit großem Vers luste, bis über Nůhlingen verfolgend; zurück. - Kaum hatte sich jedoch letzterer Anführer gegen die im Allgaue sich emporten Haufen gewendet; so rotteten die vom Unterwald sich wieder zusammen, und überfielen, bei 600 Mann stark, das Stift St. Blasien, wo sie alles mit Raub und Verwüstung erfüllten, mit den heiligsten Dingen greulichen Unfug trieben, alles Vieh, die nicht mit den hin: berufenen Shrigen verzehrten Vorråthe, alle Glocken, bis auf zwei, hinwegschleppten, und, was man noch zur Stunde zu bedauern ist, in der Bibliothek und dein Archive, was an Urkunden sich vorfand, in dem Wahne,' als feyen es Zinsregisteľ, mit großer Wuth zernichteten. ,,Hundert Zungen,“ ruft Crusius aus, „vermöchten die von den Bauern verübten Greucl nicht zu beschreiben."

Die Strafe folgte diesen auf dem Fuße nach. Zwischen der Schwarzach und Wiesen griff Philipp von Degernau die Aufrührer an, ståubte sie aus ein: ander, und nöthigte sie, vor dem östreichischen Commissair Christoph Fuchs von Fuchsberg, auf einer Wiese bei Gurtweil die Waffen auszuliefern. Durch eine Ers

klärung vom 13. Sept. 1525 *) wurden die Bundesbriefe als kraftlos abgethan, dem Stifte St. Blasien eine Schads Loshaltung von 8600 Fl. zuerkannt, auf jedes Haus eine Kriegssteuer von 6, Fl. gelegt, und jede Zusammenrottung, felbst die Kirchweihen, verboteri. Bald darauf ward der Radman Konrad uilin ertappt, und, obwohl der Abt Johann 3 von St. Blasien sich für ihn verwendete, weil er dem Raube im Stifte zu wehren getrachtet hatte, boch, auf gehaltenes Standrecht, bei Waldshut hart an der Straße an einer Eiche aufgeknüpft. Seine Freunde und Berwandte råchten diesen Tod dadurch, daß fie im Jahre 1526 das öde Kloster durch Pulver und Feuer vollends zerstörten.

Die, im Jahre 1527 durch König Friedrich zu fisheim ertheilte, Erneuerung der Landesordnungen des Kids nigs Marimilian, durch welche, nach der Behauptung der Waldleute, ihnen indeß viele, nach der alten Ordnung zugekommene, Freiheiten entzogen worden seyn sollen, stellte denselben das durch die Fuchsische Erklårung Entzogene wieder zurůd, so wie ihnen durch den Gnadenbrief vom 6. Oct. 1530 die freie Jagd von allem, was das Erdreich bricht und den Baum steigt (also mit Ausnahme des Hochgewildes), fo wie die Fischerei außer den Båchen alb, Murg und Ibach verliehen ward. Dieser Restitution ungeachtet, verschwand jedoch der Geist, welcher früher ihre Verfassung durchdrungen und belebt hatte, nach und nach daraus, ie mehr der an Intensitåt gewinnende Begriff der Souverais netåt, und ein zu dessen Gunsten sich ausbildendes Staats:

*) Bei Gerbert Hist. nig. Sil. T. III. N. 308. nach ihrem ganzen

Inhalte das St. Blafische liber Originum N. 446-453 ents baltend, über diesen Bauernaufruhr eine umftändliche Erzählung.

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recht, in der folgenden Zeit dergleichen besondere freie Pros vinzverfassungen untergrub und zerfallen machte. Die Ding: gerichte verwandelten sich in Niedergerichte des Stifts St. Blasien, und wenn auch noch spåter bei der Waldvogtei Einnungsmeister richtend saßen; so war dies doch nicht mehr das Judicinm parium, und so verloren auch die übrigen Borrechte von ihrer Wirksamkeit, bis sich, in Folge des erschütternden Ganges der neuesten Weltbegebenheiten, das Uebrige dieser merkwürdigen Localverfassung ganz auflófete. Inzwischen brachte diese Zeit auch wieder einigen Ersak da: durch, daß dem Unterwalde mit dem ganzen Großherzogs thume Baden die Wohlthat einer freisinnigen landståndischen Berfassung zu Theil warb, welche, unter dem Schuße einer milden Regierung, ein festes und immer mehr wachsendes Gedeihen erhalten wird.

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Neu e ft e Literatur der Geschichte und

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Fortsetzung der Quellensammlung zu dem öf

fentlichen Rechte des teutschen Bundes. Enthaltend die neuesten Beschlüsse der Bundesversammlung. Herausgegeben von Johann Ludwig Klůber. Erlan: gen, Palm und Enke, 1833. VIII und 108 S. gr. 8. (in farbigem Umschlage.)

Die Publicisten Deutschlands wissen, was sie den bei: den Urkundensammlungen des Verfs., seinen 31 Heften der Acten des Wiener Congreffes, feiner (im August 1830 in der dritten Auflage erschienenen) Quellens fammlung, und seinem Systeme unter dem Titel: öffent: liches Recht des teutschen Bundes" verdanken. Ihnen zunächst, doch zugleich auch allen, welche als Ges schäftsmänner und Mitglieder ståndischer Versammlungen, ein hohes Interesse an den Beschlüssen 'der teutschen Buns desversammlung nehmen, und die wichtigsten dieser Beschlüsse in einem måßigen Bande zusammengedruckt zu sehen wản: schen, wird die vorliegende Fortsetzung der Quels lensammlung" sehr erwünscht seyn.

Bei einem Werke, das blos Urkunden enthalt, kann keine Beurtheilung, sondern nur eine Inhaltsangabe ftatt finden. Mit Ausnahme der ersten 5 Urkunden, datiren die übrigen von 6 — 36 aus , den Jahren 1830 – 1832. Uns ter den fünf erstern sind die wichtigsten: der Plenarbeschluß der Bundesversammlung vom 7. Juli 1817 wegen der Aufnahme des Landgrafen von Hessen-Homburg und seis nes Hauses in den teutschen Bund, und das Conferenzprotocoll der Bevollmachtigten von Destreich, Großbritannien, Preußen und Rußland auf dem Lachener Congresse vom 7. Nov. 1818, betreffend die Aufrechthaltung der Bes stimmungen der Bundesacte über die Rechte und Verhålts nisse der vormals reichsståndischen, jetzt standes herrlich untergeordneten Familien in den teutschen Bundesstaaten, und ihr Verlangen, Euriatst immen in dem Plenum der Bundesversammlung zu erhalten.

Unter den übrigen, wovon mehrere auf die Brauns schweigische Angelegenheit fich beziehen, nennt Ref. besonders folgende: Beschluß der B. V. vom 21. Oct. 1831, be treffend Sicherheitsvorkehrungen wider die, in mehrern Bundesstaaten eingetretenen oder zu besorgenden, Unruhen und aufrührerischen Auftritte; Beschluß der B. V. vom 27. Oct. 1831, betreffend die Einrichtung gemeinschaftlicher Adressen oder Vorstellungen von Ungehörigen teutscher Bundesstaaten bei der B. V., in Beziehung auf offentliche An: gelegenheiten des teutschen Bundes; öffentliches Protocoll und Beschluß der B. B. vom 28. Juni 1832, bes treffend Maasregeln zur Aufrech thaltung der Ordnung und Ruhe in den Bundesstaaten. (Beis gefügt fino die Erklårungen der Regierungen Sachsens ,

ayerns, Würtembergs ac. bei der Publication dieses Be: schlusses.) Beschluß der B. V. vom 5. Juli 1832, ents haltend Maasregeln zur Aufrechthaltung der geseklichen Dro: nung und Ruhe im teutschen Bunde; Beschluß der B. B. vom 9. Aug. 1832, betreffend die Protestationen, Peti

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