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neter der Universität Leipzig beinahe ein Vierteljahr hindurch als Mitglied der ersten Kammer in Dresden wirksam war, und dessen constitutionellen Sinn und Freimuth Reiner in Zweifel zieht, einen gedrängten Bericht über diejenigen landståndischen Verhandlungen dem Publicum vorlegt, an wel: chen er selbst wesentlichen Antheil nahm; so muß eine solche Mittheilung das Interesse des In: und des Auslandes gleichmäßig in Anspruch nehmen. Namentlich umschließt die vorliegende Schrift alle von dem Verf. felbst gehaltene Reden und gemachte Anträge, so wie viele ihm eigenthümliche Zufäße zu den verhandelten und theilweise zur Entscheidung gebrachten Gegenstånden. Werdings enthält die Schrift zus nächst nur Verhandlungen der ersten Kammer, in welcher der Verf. Sitz und Stimme vatte; doch sind beiläufig, des Zusammenhanges wegen, auch dahin einschlagende Berhandlungen der zweiten Kammer erwähnt. Der Verf. er: klårt in der Vorrede (S. X), daß er keine seiner in der ersten Kammer gehaltenen Reden vorher niedergeschrieben und nachher eingelernt, sondern daß er sie erst gehalten und dann niedergeschrieben habe, fo weit sie ihm das Gedächt: niß wiedergab. Eben so spricht er sich (S. XI ff.) über die Gründe aus, die ihn beroogen, nicht den ganzen Landtag auszuhalten, so wie über seine Ansicht des Dadels, der ihn in Hinsicht seiner landståndischen Wirksamkeit bei seinen Gegnern treffen könnte.

Ref. beschränkt sich auf die Angabe des Inhalts dies fer Schrift, woraus unsere Leser über die Wichtigkeit der meisten, hier zur Sprache gebrachten, Gegenstande felbt entscheiden können. Außer der Einleitung und dem Schlusse sind es folgende 13 Gegenstande, welche behandelt werden: 1) Verhandlung über den Drud der Landtagsschriften. 2) Verhandlung über das Außenbleiben der Standesherren. 3) Verhandlung über die Ausschließung der Frauen von der Zuhörerschaft in den Kammern. 4) Verhardlungen über eine Dankadresse. 5) Verhandlung über die Landtagsordnung. 6) Verhandlung über ein zu gebendes Preßgesek. 7) Verhandlung über den Gebrauch der tobten Schrift und der lebendigen Rede bei den Landtagsverhandlungen. 8) Ver handlung über die Jagdfrohnen. 9) Verhandlung über das Staatsdienergesetz im Allgemeinen, und 10) im Besondern. 11) Verhandlung über die Emancipation der Juden. 12) Verhandlung über die Abschaffung der Todesstrafe. 13) Ver: handlung über eine Reform der Stifter Meißen und Wurzen.

Wenn gleich nicht alle diese Gegenstånde für das gros bere, und namentlich für das auswärtige Publicum ein gleiches Interesse haben; so werden doch N. 6. 9. 10. 12 und 13 eine hohe Theilnahme erregen. In der Vorbemerkung zu N. 13 erinnert der Verf., daß dieser Auffak nicht von ihm selbst verfaßt, sondern ihm von einem ehrenwer: then Mitgliede der ersten Kammer mitgetheilt ward.

Doch erklärt sich Krug in derselben Borbemerkung für die Mes form der Stifter Meißen und Wurzen, nach derselben Anas logie, „wie auch die Universitåt Leipzig sich mancherlei Re: formen habe gefallen lassen müssen (S. 178)." Nie aber habe diese Universitåt für „irreformabel“ fich gehalten. „Sie hat vielmehr,“ sagt der Verf. S. 179, „theils selbst. Reformen in Antrag gebracht; theils solche, die ihr von außen angetragen wurden, angenommen, wenn nur dadurch das wissenschaftliche Studium, das ihrer Pflege anvertraut ist, nicht gefährdet ward. Sie hat sogar das Jahrhunderte

lang ohne Widerspruch ausgeübte Recht, thre eigenthům. lichen Fonds zu verwalten, aufgegeben, weil man sagte, daß durch eine bessere Verwaltung diese Fonds sich bedeu. tend- vermehren würden; wiewohl von einer solchen Vero mehrung bis jekt nichts zu spüren gewesen. Daher fehlt es der Universitåt noch immer an vielen Hülfsmitteln, welche der heutige Standpunct der wissenschaftlichen Cultur unbes dingt fordert. Die hochverehrten Stände werden eben dars um bei Berathung des Budgets zum Etat des Cultuss ministeriums ein Bedeutendes, zuschießen müssen, wenn der einzigen Landesuniversitåt, die doch wohl nicht zur Schande des Vaterlandes hinter ihren teutschen Schwestern zurüds bleiben darf, wesentlich aufgeholfen, wenn sie nicht blos åußerlich, sondern auch innerlich reformirt werden soll." Ref. theilt die Wünsche und Hoffnungen seines Collegen!

Unverkennbar ist die Verhandlung über das Staatsdienergefet unter den hier mitgetheilten Vers handlungen die wichtigste. Ref. kann nicht in das Eins zeme eingehen; allein er erlaubt sich, einige Hauptpuncte aus dem, im nördlichen Deutschlande zu wenig bekannten, Nassauischen Staatsdienergesete vom 6. Dec. 1811 mit. zutheilen, in welchem folgende Bestimmungen sich finden: ,,Jeder Staatsdiener kann zu allen Zeiten in den Ruhe. stand verlegt werden. Ein solcher Staatsdiener behålt seis nen Amtstitel, sodann vom sechsten bis zum 35sten Dienst. jahre einschließlich, die Hälfte seines ganzen Dienstgehaltes als Pension. Für jedes weitere Dienstiahr wird ein Dreie Bigtheil des Gehalts zugesekt, so jedoch, daß die hiernach berechnete Pension niemals den ganzen Betrag des Dienste gehalts übersteigen kann. Ein jeder Staatsdiener ist be Fahrb, 6r Jahrg. VUI.

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rechtigt, seine Versekung in den Ruhestand mit Pension zu begehren, wenn er entweder das 35ste Dienstjahr zurücks gelegt, oder ein 70jähriges Alter erreicht hat.“. Dabei bes hielt sich der Herzog vor, in besondern Fållen, nach Gut: befinden, zum Vortheile des einen oder des andern Staats: dieners, Uusnahmen von der hier bestimmten gesetzlichen Regel zu machen.

Aus dem Schlusse der Rrugschen Schrift entlehnt Ref. noch folgende Ergebnisse, welche der Verf. zieht.' Er sagt, daß man nicht verkennen werde, es habe in der fåchfischen Ståndeversammlung während der drei ersten Monate ihrer Wirksamkeit ein guter Geist geherrscht, ein Geist der Mäßigung, der Kuhe, der Ordnung, der Befon: nenheit; die Stånde håtten mit vielem Eifer an den Sikungen Theil genommen, wofür als Beweis spreche, daß es nie an der zu einer gültigen Beschlußfassung nöthigen Stimmenzaht fehlte; so lange Reden, wie in andern Ram: mern, waren in den fåchsischen Kammern, wo man die Reden nicht ablesen darf, nicht gehalten worden; eine fy: stematische Opposition sey nie hervorgetreten, oder habe doch keine Unterstügung gefunden; und namentlich sen von den Stånden kein Antrag an die Regierung gegen die Bundesbeschlüsse vom 28. Juni 1832 gebracht worden, weil sie bei der, mit der Publication dieser Beschlüsse verbuns denen, Erklärung der Regierung fich beruhigten. Moge dieser gute Geist fortdauernd in beiden Kammern walten, und am Schlusse des Landtages der Kreis dieser Ergebnisse bedeutend sich erweitern!

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Handbuch der Geschichte der Literatur, von Dr.

Ludw. Wachler. Dritte Umarbeitung. Leipzig, Barth, 1833. 8. Erster Theil. Einleitung und Ges schichte der alten Literatur. XV u. 416 S. 3 we is ter Theil, 463 S. Dritter Theil, 514 S. Vierter Theil, 491 S.

Während dem Verf. des vorliegenden Werkes der Ruhm verbleibt, durch dasselbe sehr bedeutend für den vervolkomms neten Anbau der Literárgeschichte in unserm Zeitalter gewirkt, und das Studium derselben kräftig gefördert zu haben; theilt Ref. mit ihm die Freude, daß bereits von diesem Hauptwerke seines Lebens die dritte umarbeis tung dem Publicum vorliegt. Fürwahr, es giebt in Deutsch land noch Anerkennung des literårischen Verdienstes !

Das vorliegende Werk ift, an sich betrachtet, bereits die dritte Art der Bearbeitung der Literárgeschichte von dem berühmten Verfasser. Denn im Jahre 1793 erschien sein (nicht beendigter) ,, Versuch einer Geschichte der literås rischen Cultur;" im Jahre 1804 folgte das" volftändige 1,Handbuch" in zwei starken Bånden. Dies ward in Mars burg von dem Verf. bearbeitet, wo er von mehrern wackern Collegen dabei unterstüßt ward. Als aber nach 16 Jahren dieses Werk vergriffen war, gnügte dem Verf. diese Arbeit wenig (S. IX);" er gestaltete sein Werk von neuem um, und gab ihm eine ansehnliche, sehr willkommne, Erweites rung. Von dieser Bearbeitung erscheint nun jekt die dritte Auflage, welche der Verf. mit Recht eine „dritte Umarbeis tung" nennt; denn durchgehends zeigen sich die Spuren seiner bessernden, berichtigenden und ergånzenden Sand. Anfangs war allerdings die Bestimmung des Hands

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