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buches" eine zweifache ; es folte theils bei Vorlesungen bee nugt werden, theils zum Handgebrauche dienen. Allein feit der Verf. fich entschloß, für den erstern Zweck ein „Lehrs buch". (1827. N. A. 1830) auszuarbeiten, warð óas Hands buch ausschließlich für den zweiten Bedarf bestimmt, wos für es sich auch zunåchst eignet. „Es foll (S. X) das Streben der sich literårisch vorbereitenden Jugend, ein ans schauliches Bild von dem, in Thatsachen der Vergangen: heit und der Gegenwart beurkundeten, Bedingungen des durch Wissenschaft und Kunst geoffenbahrten geistigen Lebens der Menschheit zu gewinnen, gefördert, und beharrlicher Ars beitseifer, fich auf dem ungeheuern Gebiete der Literatur zus recht zu finden, geweckt und unterstüßt werden." Sehr wahr bemerkt der Verf., der Begriff eines, das fortgesepte eigene Studium anregenden und erleichternden Handbuches schließe die Nothwendigkeit einer angemessenen Auswahl des Stoffes ein, und ermäßige die strengern Forderungen an Vollständigkeit.

Ob nun gleich mit dem Verfasser eines solchen, die gea sammte Literatur der Menschheit umschließenden, Werkes theils, über die Grundsåke der Auswahl, theits über die eins zelnen über die genannten Schriften ausgesprochenen Ur. theile, theils über leicht verzeihliche Lücken, so wie über einszelne Fehler abgerechnet werden könnte; so würde doch dies nicht nur in den „, Sahrbüchern" keinesweges an seiner Stelle seyn, sondern auch oft nur auf der Verschiedenheit der Unsichten in Hinsicht des Gehaltes und Werthes der einzelnen literårischen Erscheinungen beruhen.

Keinesweges tadelt Ref., was der Verf. (S. XIV), beinahe selbst fich zum Vorwürfe macht, daß die eigentliche

artistische Gultur nicht gleich måßig mit der Lites ratur von ihm behandelt worden sey; Ref. weiß, aus eiges ner Erfahrung, daß es fast dem einzelnen Gelehrten (nach seinen individuellen Studien und geistigen Richtungen) unmöglich ist, mit gleicher Kraft über das Gebiet der eigents lichen Literatur und der artistischen Cultur zu gebieten. Viels mehr wünscht Ref., daß ein dem legtern Fache völlig ges wachsener Gelehrte dasselbe besonders und selbstständig bears beite, dabei aber den von Wachler gezogenen geistreichen Umriß zum Grunde lege, und viele fruchtbare Andeutungen deffelben gebrauche. Für das vorliegende Hauptwerk felbst aber hat Mef. den einzigen Wunsch, daß der Verf., entweder bei einer zu erwartenden vierten Auflage des Handbuches, oder auch als ein von demselben verschiess denes selbstständiges Ganzes, die, in dem vierten Theile enthaltene, Geschichte der Literatur der drei les ten Jahrhunderte noch vollständiger und umschließender als hier, und volig gleichmäßig mit der Literatur des Alterthums und des Mittelalters bearbeiten, und dieser Bearbeitung wenigstens zwei starke Bånde widmen moge: Denn in unserm Zeitalter giebt es viele Hunderte, welche mehr Interesse an der neuern Literatur und an ihrer geistreichen Würdigung finden, als an der Literatur der Vorzeit. Wer könnte aber dem Bedürfnisse dieser genügender abhela fen, als der Mann, den angebohrne Weihe dafür und ins neter Drang zu dem großartigen Unternehmen führte, das er gegenwärtig in seiner neuesten und vollendetsten Gestalt dem Publicum übergiebt!

Ueber Volksschulwesen und Volksveredelung,

als gegenseitige Bedingungen der Begründung eines bera sern bürgerlichen Zustandes. Ein Bruchstück aus der in: nern Politik. Familienvåtern, Staatsbeamten, Lehrern in Kirchen und Schulen, zunächst den teutschen Volks: Vertretern gewidmet, von G. 2. Gruner. Wiesbaden, Ritter, 1833, VIII und 176 S. 'gr. 8. (in farbigem Umschlage).

In diesen Blåttern ward bereits mehrmals ausgespro: chen, daß nirgends das conftitutionelle Leben tief in die Mitte des Volkes eindringen und Tegensreiche Früchte tras gen könne, wo nicht gleichzeitig das Schulz und Era ziehungswesen verjüngt, im Geiste des Zeitalters forta gebildet, und in sich selbst zu Einem organischen und selbsta ftändigen Ganzen erhoben wird. Das heranwachsende Ge: schlecht muß besser und zweckmäßiger erzogen und gebildet werden, als das gegenwärtige, wenn es im Ganzen besser : werden soll; denn selbst der hochgebildetste und vorurtheilsa freieste Mann unserer Tage wird, wenn er an seine Schul: geit zurückdenkt, es sich nicht verbergen können, daß sie weit zwedmåßiger geleitet und gewendet werden konnte, und daß ihm beim Eintritte ins Bürgerthum und in die wirkliche Welt noch viel nachzulernen, zu berichtigen und zu verbesa sern übrig blieb.

Schon der Titel der anzuzeigenden Schrift in wela chem Volksveredelung und Volksschulwesen mit einander innig verbunden werden - verbürgt es, daß ihr Verf. von der ausgesprochenen Ueberzeugung des Ref. ausging, und daß sein Wert darauf berechnet ward, die große Aufgabe jener Verbindung zu lösen. Diese Aufgabe aber sich vorzus.

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halten, und ihre Lösung zu versuchen, war der Verf. volls bürtig berechtigt; denn ein Mann, wie der Oberschulrath Gruner, der eine långere Reihe von Jahren hindurch an der Spiße des Nassauischen Schullehrerseminariums zu Ids stein stand, hatte gewiß den innern und äußern Beruf, über den beantragten Gegenstand vollständig fich auszusprechen. Dies hat er denn in der vorliegenden Schrift gethan, und zwar in der, aus seinen frühern Schriften bekannten, Weise: mit Sachkenntniß und practischem Blicke, mit Klarheit und Bestimmtheit der Begriffe, mit tiefer Gemüthlichkeit, deren Ion besonders die Leser anspricht, und mit" der hohen Wärme des Kosmopoliten, dem es Ernst damit ist, daß es besser werde mit den Menschen. Er knüpft aber dieses Besseriverden nicht etwa an revolutionaire Maasregeln; die Veredelung der Menschheit sou nicht im Sturmschritte er: folgen, und gleichsam aus den Gråbern alles Bestehenden hervorgehen; vielmehr soll sie auf dem ruhigen und besonne: nen Wege allmähliger Reformen, und durch die Zurů ds führung der Erziehung und des Unterrichts auf die Natur bewirkt werden.

So schließt sich die vorliegende Schrift mit Erfolg an die besten ihrer Vorgånger an, welche, seit der weitern Vera breitung des constitutionellen Lebens über das mittlere und nördliche Teutschland, für die zeitgemåße Verjüngung und Fortbildung des Schul- und Erziehungswesens geschrieben wurden. Sie wird daher, durch die Reinheit ihrer Gesin: nungen und durch die Wärme ihrer Darstellung, Anklang und Theilnahme nicht blos bei Predigern und Schulmåna nern, sondern auch bei teutschen Volksvertretern finden, welchen Ref. sie besonders zur Beachtung empfiehlt.

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Zwar beschränkt sich der Berf. auf das Volksschulwesen, und zieht die eben so dringend nöthige Neugestaltung der Gelehrtenschulen, so wie die, nach des Ref. Ueberzeugung, unentbehrliche Begründung von Realschulen oder polytechs, nischen Anstalten für die Kinder des höhern Bürgerstandes, nicht in den unmittelbaren Bereich seiner Mittheilungen und Borschläge; allein aus dem ganzen edlen und milden Geiste, der in dieser Schrift vorwaltet, erhellt von selbst, daß dem Verf., bei seiner Arbeit, die Veredelung des gesammten Schul- und Erziehungswesens, an Haupt und Gliedern, (um in der Sprache des ausgehenden Mittelalters zu reden) vorschwebte.

Ref. fürchtet nicht, daß die vielen einsichtsvollen und kråftigen Stimmen der Männer, welche den Standen der constitutionellen Staaten Deutschlands die Reform des Schul- und Erziehungswesens ans Herz gelegt haben, ohne Erfolg verhallen sollten; vielmehr befürchtet er, daß bei den beabsichtigten Reformen nicht immer gleich måßig vers: fahren, sondern bisweilen nur nach halben Maasregeln, ohne Rücksicht auf den organischen Zusammenhang des Ganzen, gehandelt werden dürfte. Doch kann vielen Mißgriffen in dieser Hinsicht vorgebaut werden, wenn ein geistvoller Ries ferent über diese hochwichtige Angelegenheit fich vorher, völlig vertraut mit den verschiedenen deshalb aufgestellten Unsicha ten ausgezeichneter Schriftsteller macht, und, mit Umsicht und örtlicher Kenntniß, aus ihren Vorschlagen dasjenige zu Einem Ganzen zusammenstellt, was eben dem einen oder dem andern Lande Noth thut. Daß Ref. für diesen Zweck, und mit nächster Rúfficht auf das Volksschulwesen, besonders die vorliegende Schrift empfiehlt, darf er, nach

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