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ehrfurchtgebietende Erinnerungen der Vorzeit ins Gedacht: niß zurück ruft. Die Verhältnisse zu den meisten überseeiz schen Staaten regeln sich; Hayti kauft die bereits besessene Freiheit um einen Lösepreis, der seine Staatskräfte übersteigt, von der Legitimität ab, und leistet damit dem monarchischen Princip eine feierliche Huldigung. Der große Diplomat des Liberalismus, George Canning, kommt über den Canal, um mit dem großen Rechenkünstler des Monarchismus Rúds sprache über die Politik gegen die neuen Staaten über dem Weltmeere zu halten u. 1. w."

Die zweite Stelle (S. 108), die Ref. der zweiten Lies ferung entlehnt, zeige zugleich, wie der Verf. die neueste Geschichte Amerika's zu behandeln gedenkt. Drei Haupts partieen der Geschichte Amerika's während der neuesten Pes riode werden von uns, in einem zur Geschichte Europa's 'verhältnißmäßigen Blåtterraume, zu beschreiben seyn: erst die vereinigten Staaten, von der Verbrennung der Stadt Washington durch die civilisirten Engländer bis zur Anerkennung des tyrannischen Usurpators Dom Miguel, und bis zum Kampfe zwischen Süd und Nord über die Sklas venfrage und den Tarif durch das freieste Volk der Welt, mit seinen Präsidenten und Staatsmånnern Monroe, Adams und Jadfon; sodann der große sú d amerikanische Freis beitskrieg und die Bürgerzwiste der neuen Republiken Columbia, Mejico, Chili, Peru, Bolivia und Buenos. Uyres, welche das spanische Foch abgeworfen; nebenbei Brasilien mit seiner Revolution; Montevis deo, von ihm, wie von Buenos - Ayres, endlich emancis pirt, und Paraguay, die alte Jesuitencolonie, jekt untereinem militårisch a demo: theokratischen Dictator; unter den

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Månnern dieser großen Begebenheiten, Bolivar, San Martin, Paez, Bermudez, Santander, Sucre, Artigas, Ribadavia, Quiroga, Šturbide, Vitz toria, Guerrero, Pedrazza, Bustamente, Sants anna, Dom Pedro und Francia die hervorstechenda ften Namen."

Die Leser der „Jahrbücher" ermessen aus diesen Stela len, daß die Darstellung des Verfs. den Charakter eines frischen Lebens und einer kräftigen Uuffassung der geschichte lichen Personen und Thatsachen trågt. Ueber die Fortfeßung wird Ref. in der Folge berichten.

Allgemeine Erdbeschreibung für Schulen, ein

Leitfaden für Lchrer und Lernende, von Karl Friedrich Vollrath Hoffmann. Stuttgart, Karl Hoffmann, 1833. VIII und 254 S. gr. 8. (12 gr.)

Für das Jalent des Verfs., die Erdbeschreibung in einem geistreichen, ansprechenden Umriffe darzustellen, spricht der sehr günstige Erfolg der ersten Auflage feines großern Werkes : „Die Erde und ihre Bewohner, ein Lehrs und Lesebuch für Schule und Haus," die 14 Tage nach ihrem Erscheinen vergriffen war, so daß die zweite Auflage der ersten noch in demselben Jahre folgen mußte. Unter so erwünschten Verhältnissen konnte es nicht befremden, daß dem Verf. der Wunsch zukam, er moge aus dem größern . Werke einen Auszug geben, welchen der Schüler als Lehrs buch, der Lehrer als Leitfaden benußen könnte; während das größere Werk, nach seiner Erweiterung in der neuen Aufs lage, dem Lehrer und denen, die sich selbst belehren wollen, ein Handbuch seyn sollte. So entstand das vorliegende

Buch; ein brauchbares Compendium für den Unterricht, dem die physikalische Beschaffenheit und Gestalt des Erdbodens durchgehends zum Grunde liegt.

Ref. muß auf die Mittheilung des - allgemeinsten Aufs risses des Buches sich beschränken. In der ersten Abtheis lung handelt der Verf. von der Erde als Iheil der Welt (das wu, oder die Welt; das Sonnensystem; die Erde); in der zweiten von der Erde als Welt für fich (Land, Wasser, Wertheilung von Land und Wasser, Luft, Naturerzeugnisse, Mineralreichs, Pflanzenreich, Thier: reich, Bewohner). Die dritte Abtheilung enthält die Bes schreibung der einzelnen Erdtheile: Europa (von S. 54 -217), Asien, Afrika, Nordamerika, Südamerika, Australia. Es lag im Plane des Werkes, die außers europäischen Erdtheile kurz, Europa ausführlich zu behan: deln, und zwar der politischen Darstellung der einzelnen europäischen Länder vorausgehend - zuvörderst eine Uebersicht der gesammten Gebirge, Vorgebirge, Halbinseln, Inseln, Gewässer, Stromlången, Seen, Klima, Naturerzeugnisse und Bewohner Europa's, so wie eine Uebersicht über die Große und Bevölkerung der Staaten, und der vorzüglichs sten Städte dieses Erdtheils.

Zu diesem Lehrbuche gehört ein Atlas für Schulen und zum Selbstunterrichte (in Querfolio), bearbeitet von K. Fr. Vour. Hoffmann, von welchem die erste, dem Ref. vorliegende, Lieferung 8 Karten in schönem Stiche ents hålt: die östliche und westliche Halbkugel; Afrika; Asia; Europa; Südamerika ; Australia; Bayern, Würtemberg und Baden. Der billige Preis dieses ersten Hefts ift 1 Thlr. 6 Gr.. Inwieweit ift die Kirche ein Rechtssubject

Bom Domherrn, Ritter, Profeffor D. Günther, Ordinarius der

Juristenfacultåt zu leipzig.

So viel auch über das Verhältniß der Kirche zum Staate gesprochen, geschrieben und gestritten worden ist; so wenig ist es doch bis jegt gelungen, ein sicheres, und von allen Seiten anerkanntes, Ergebniß aus diesen Erörterungen zu gewinnen. Es wird auch künftig nicht gewonnen werden, wenn man sich nicht zuvor erst über gewisse Vorfragen vereinigt, welche vor allen Dingen beantwortet senn müssen, fobald es möglich werden soll, die Stellung der Staates zur Kirche und der Kirche zum Staate richtig aufzufassen und zu beurtheilen. Eine der wichtigsten jener Fragen ist in der Ueberschrift dieses, zu einer kurzen Erörterung ders felben bestimmten, Auflakes ausgesprochen.

Man ist bisher ausgegangen von der Grundansicht, daß die Kirche, ihrer Natur nach, eine Gesellschaft sey, daß sie also nothwendig auch Gesellschaftsrechte haben müsse. Dieser Suß ist so allgemein angenommen, und die bagegen hin und wieder vorgebrachten Bedenken sind so gånzlich uns beachtet geblieben, daß wir fast fürchten, man werde uns der Paradorie beschuldigen, wenn wir seine Richtigkeit, wenigstens seine Augemeingültigkeit, bezweifeln. Indessen geht der Weg zur Wahrheit doch immer nur durch das Ges biet des Zweifels, und gar oft dringt sich uns im Leben Sahrb. 60 Jahrg. IX.

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und in der Wissenschaft die Ueberzeugung auf, daß tausendmal ausgesprochene, und seit Jahrhunderten für wahr gehaltene, Behauptungen wo nicht völlig unrichtig sind, doch einer nåhern Bestimmung und Begrenzung bedürfen, um fernerhin als wahr gelten zu können.

Will man untersuchen, ob die Kirche eine Gesells fchaft fen; so muß man vor allen Dingen feststellen, was unter ,,Gesellschaft," und was unter ,,Kirche" ver: standen werden solle.

Gesellschaft nennt man im gemeinen Leben jede Mehrzahl von Menschen, die gleichzeitig, oft in einer ge: wissen Wechselwirkung, oft selbst ohne eine solche, für einen und denselben Zweck thåtig find, ja bisweilen versteht man unter jenem Ausdrucke überhaupt nur eine Versamm: lung. Sehr verschieden von dieser populairen Bedeutung ist die wissenschaftliche. Gewöhnlich wird Gesellschaft in diesem Sinne definirt, als ein Vertrag, der zu ifchen mehrern Personen zur Erreichung eines gemeinschaftlichen Zwedes eingegangen wor: den ist. Unter 3 wed verstehen wir den Erfolg einer Handlung, insofern die Vorstellung der selben den Bestimmungsgrund zur Handlung felbft aus macht.

Ist obige Bestimmung des Begriffes einer Gesellschaft richtig, wie denn allerdings wohl kaum etwas dagegen einzuwenden seyn möchte; so ist es also keine Gesellschaft wenn von mehrern Personen derselbe Zweck zwar gleichzeitig, aber nicht mit vereinten Kräften, sondern isolirt von jedem Einzelnen mit den reinigen verfolgt wird; etwa wenn meha rere Studirende in einem Hörsaale dem Vortrage des Lehs

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