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keď überspringend. Da erreichte die furchtbare Zerrissenheit des unglücklichen Volkes den schrecklichsten Höhepunct; und eben deswegen beeilte sich endlich die europäische Diplo: matie, den tiefen Grundschaden durch die Wahl eines Ró: nigs über Griechenland zu heilen, dessen hochgebilde: ter Vater wenigstens die gegründetsten Ansprüche auf grie: chische Dankbarkeit hatte."

Verstattete es der Raum; fo würde Ref. noch diejenigen Stellen ausheben, wo der Verf. den Zustand Frankreichs unter Périers Ministerium (dem er doch vielleicht zu abhold ist), und den Zustand Großbritanniens, nach der Verwerfung der Reform bill vom Oberhause, schildert. Beide Darstellun: gen gehören zu den Hauptpartieen des vorliegenden Jahrganges, in welchem auch die Ereignisse Italiens, der Schweiz und der pyrenåischen Halbinsel nach ihrer politischen Bedeutsamkeit gewürdigt werden. Wein statt dieser politischen Stoffe; schließt Ref. seine Anzeige mit derjenigen Stelle, in welcher der Verf. (S.244) über die Leipziger Buch håndlermesse zu Ostern 1831 fich erklärt. „We Zollund Douanentinien und Sperren hatten nicht vermocht, das einzige und legte Bindemittel aller Ståmme und Völkerschafa ten teutscher Zunge: den allgemeinen und großen Buchhanda lerverein in der Leipziger Ostermesse, völlig zu zerreißen. Diese Månner konnten noch allein als Repräsentanten teutscher Nas tionalität betrachtet werden; denn alles, was in teutscher Kerns sprache gedacht und durch die ehrwürdige Buchdruckerkunst vers vielfältigt waro,zum allgemein geistigen Gebrauche; das brachten jene Geburtshelfer teutscher Literatur auf vielen hundert Kanålen durch den Buchhandel nach Leipzig. Dort ward es im allgemeinen Meßverzeichnisse protocolirt, dann verrechnet,

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faldirt oder übertragen, verpadt, oder in Niederlagen aufge stapelt, ausgeliefert, verkauft, oder remittirt, entweder um fum zweitenmale auszuwandern, oder den Maculaturtod zu sterben. - Dieser in Europa einzige Bücherverkehr durch mehr als 800 Buchhändlerfirmen in Deutschland betrieben, theilt seine Aussprühungen in wenigen Monaten allen, die lesen lernten, mit, stempelt die Deutschen zu Weltbibliothekaren, und bleibt der måchtigste Hebel, die schårfste Waffe des unbesiegs baren Zeitgeistes, des furchtbarsten und gehaßtesten Schreckbildes der großen Verfinsterungszunft. Und dieser geia stige Buchstabenhandel hatte sich - trok Cholera und Absolus tismus -- . im Jahre 1831 eher vermehrt, als vermindert. Denn 416 Buchhandlungen boten im diesjährigen Ostermeßcataloge zum Verkaufe aus: 2745 Schriften in teutscher, las teinischer, griechischer, italienischer, französischer, englischer, holandischer, dånischer, ungarischer und mehrern alten Spras chen. Die Buchhåndler waren noch immer die einzigen Zufriedenen auf der Messe. Sie hatten mehr Abfak gehabt, als erwartet werden konnte. Es herrschte půnctliche Ordnung im Ab- und Zurechnungsgeschäfte. Alle åltere Sortimentshandalungen zahlten půnctlich – und von den jüngern erklärte sich doch keine geradezu für zahlungsunfähig. Auch war statt der ehemaligen Schwindeleien überall mehr Ordnung bemerkbar, und fleißige Sortimentshåndler befanden sich mit 700 Bucha handlungen in Abrechnung.“

Der Verf. hat dem Jahre 1831. im Ganzeń wenig zum Lobe nachsagen können; desto willkommener muß dies. ses sein anerkennendes Urtheil des teutschen Buchhandels seyn!

Darstellung der Berfassung und Verwaltung

des Königreiches Sachsen. Aus ftaatsrechtlichem und politischem Gesichtspuncte. Von Friedrich Bülau, außerordentl. Prof. der Phil. an der Univ. Leipzig. Ers fter Theil. Verfassung und Verfassungsrecht. Leipzig, 1833, Góschen. X und 263 S. (1 Thlr. 6 gr.)

Seit das Königreich Sachsen am 4. Sept. 1831 in die Reihe der constitutionellen Staaten Deutschlands eintrat, war die systematische Darstellung dieser Verfassung und des Fachsia fchen Verfassungsrechts ein wissenschaftliches Bedürfniß geworden. Diesem Bedürfnisse entspricht das vorliegende Werk, dessen Verf. bereits wiederhohlte akademische Vorträge über das Grundgesek des Königreiches Sachsen gehalten, und in denselben nicht nur seine wissenschaftliche Vorschule zu diesem Merke gemacht, sondern auch seine Befähigung und Berecha tigung zu dieser Arbeit öffentlich bezeuget hatte. Der Verf. folgt dabei dem Vorgange einiger geachteter Schriftsteller Bayerns und Würtembergs, die gleichfalls das öffentliche Staatsrecht beider Staaten, nachdem denselben eine Ver: fassung ertheilt worden war, systematisch anbaueten. So der Sofe. V. Dresch (1823) und der Prof. Cucumus (1825) das Staatsrecht des constitutionellen Bayerns, und Prof. Mohl (1829 ff.) das Staatsrecht des Königreiches Wůrtemberg. An diese Werke schließt fich das Werk des Verfs. über Sachsen ehrenvoll an, und Ref. wünscht, daß bald åbn: liche Werke über das Verfassungsrecht Hannovers, Badens *), *) Es ist zu bedauern, daß das Werk von Pfifter über die Staates

verfassung Badens, wovon im Jahre 1829 der erste Band erschien, ohne Fortsegung geblieben ist, wenn es gleich nicht eine so strenge systematische Drdnung befolgt, wie die Werke von Dresch, Mohl und Bü!au.

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beider Hessen u. a. erscheinen möchten, weil es fortan keiner Landesuniversitåt teutscher constitutioneller Staaten an Vor: trågen über das inlåndische Verfassungsrecht fehlen darf, wenn anders die Berfassung selbst in alle Theile und Verzweigungen des innern Staatslebens eindringen soll.

Schon der Titel deutet an, daß diesem ersten Theile ein zweiter über die Verwaltung des Königreiches Sachsen folgen wird. Das Erscheinen desselben fegt aber nothwendig die bevorstehende neue Gestaltung der gesammten Staatsverwaltung voraus, fo wie der Verf. selbst diesem ersten Theile, nach dem geschlossenen ersten Landtage des Kids nigreiches nach der neuen Verfassung, noch manche Nachträge und Ergänzungen (8. B. über das Staatsbürgerrecht, über die Staatsdienerpragmatik u. f.w.) folgen lassen wird.

Daß aber der Verf. vor Undern den Beruf hatte, ein folches Werk zu bearbeiten, bewies feine, im vorigen Jahre erschienene, „Encyklopädie der Staatswissenschaf: ten;" denn Ref. ist fest überzeugt, daß nur derjenige Schriftsteller der schwierigen, aber ehrenvollen Aufgabe, ein speciel: les Staatsrecht gründlich und befriedigend darzustellen, ge: nügen wird, der vorher des gesammten Kreises der Staatswissenschaften, und namentlich des philosophischen Staatsrechts und der neuentstandenen Wissenschaft des europäischen und amerikanischen Verfassungsrechts, mit Erfolg sich bemachtigte.

Der Plan des Werkes ist so berechnet, daß der Text in den 88. die eigentliche Dogmatik des fächfischen Berfafa fungsrechts enthält, in den reichhaltigen Noten aber nicht blos literårische Notizen, sondern auch vielfache Erläuterungen, Erklärungen und Rechtfertigungen der im Terte enthaltenen Lehrjäße gegeben werden.

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Der Inhalt des vorliegenden Bandes ist folgender. Die Einleitung behandelt den Begriff und Zweck, so wie die Quellen, Hülfsmittel und Literatur der dargestellten Wissenschaft. Sehr treffend bemerkt der Verf., daß seine Dar: stellung auf ein enges Gebiet beschränkt seyn würde, wenn sie sich blos als ein Staatsrecht des Königreiches Sachsen ankündigen wollte. Nidyt ohne Grund ist daher sein Beisala auf dem Titel: aus staatsrechtlichem und politischem Gesichtspuncte. Denn in jener Hinsicht würde sie wohe den juristischen, nicht aber den politischen Standpunct ins Auge zu fassen haben. Sie würde, wollte sie nur jenem Zwecke entsprechen, Verhåltạisse nicht berühren können, deren: Kenntniß zwar ungemein dazu beiträgt, ein treues, anschaua liches Bild von den politischen Einrichtungen des Staates zu geben, die aber gleichwohl nicht staatsrechtlicher Natur sind. Sie würde es mit Rechten und Pflichten, nicht aber mit Einrichtungen zu thun haben. Und doch ist die Chaa rakterisirung der Institute das Wichtigste für die wissenschafts liche Beurtheilung des Staatslebens;, und der sicherste Una halt für ihre weise und kräftige Handhabung in der Wirklich keit. Es muß mehr als ein Staatsrecht gegeben werden; in unsern Zeiten vorzüglich, wo das politische Element das juristische zu besiegen strebt, die Reform im Kampfe mit den starren Formen des Positiven begriffen ist, und die erwora benen Rechte dem Gemeinwohle unterzuordnen sucht." - Ref. stimmt in dieser Grundansicht dem Verf. völlig bei; denn auch er ist der Ueberzeugung, daß in unserer Zeit der staatsrechtliche und politische Standpunct nicht von einander ges trennt werden dürfe, wenn gleich, schon nach dem wissen: schaftlichen Verhältnisse des Staatsrechts zur Staatskunst,

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