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18) Welche Personen und Stånden ist die Auswanderung nach Amerika abzurathen, und welchen Individuen und Volksklassen ist dieselbe zu empfehlen? Nebst historischen und statistischen Skizzen zur Darstellung des' gegenwärtigen Zustandes Amerika's. (Diefer ausführliche und sehr gründ: liche Aufsatz schließt sich, nach seinem innern Gehalte und practischen Werthe, unmittelbar an N. 13 an.) Die Er: : gebnisse des Verfs. sind: den höhern Stånden aus dem Adel und der Beamtenwelt, höhern Militairpersonen, Rechtsge: lehrten, Verzten, Wundärzten, Apothekern, Predigern und Candidaten, Schullehrern, großen Fabrik - und Manufacturbesigern, teutschen Buchhändlern 2c. ist die Auswanderung abzurathen; allein anzurathen ist sie Bauern, Handa werkern, Kaufleuten, und' allen wegen religiöser und politischer Meinungen Verfolgten.

Ref. schlägt vor, daß der Verf. N. 13 und N. 18 besonders abdrucken lassen, und diese beiden Abhandlun: gen nach den seit 1827 gemachten Erfahrungen fortführen, berichtigen und ergånzen moge.

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Geschichte des Kampfes zwischen dem alten und

dem neuen Verfassungs princip der Staaten der neuesten Zeit. Von Dr. Ludwig Flathe, außerordentl. Prof. der Philosophie (zu Leipzig). Erster Theil. 1789 -- 1791. Leipzig, 1833, S. Ambr. Barth. XIV und 418 S. gr. 8. Zweiter Theil

. 1791 – 1799. 526 S. (5 Ihlr.)

Die geschichtlich - politische Uusführung der Idee, die diesem Werke zum Grunde liegt, gehört zu den wichtigsten und schwierigsten Aufgaben der Zeit. Denn so überreich die

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Französische, englische und teutsche Literatur an Werken ist, welche theils die Geschichte der französischen Revolution nach ber vollständigen Aufzählung ihrer Thatsachen beschrieben, theils in den, mit der Darstellung verbundenen, politischen Ansichten bald die Farbe des einen, bald des andern politi: schen Systems tragen; so hat doch noch Steiner den Gea danken aufgefaßt und durchgeführt, alle die Thatsachen, welche Europa's und Amerika's Gestalt seit 1789 mächtig umgebildet haben, aus dem Gesichtspuncte des Kampfes zwischen dem alten und neuen Vers fassungsprincip aufzufassen und zu behandeln. Denn nothwendig mußte einer solchen Darstellung die bestimmte Politische Ansicht des alten (auf das Feudalsystem gegründe: ten) und des neuen Verfassungsprincips, und ihres gegen: seitigen Verhåltnisses seit dem Eintritte des legtern in die Wirklichkeit des Staatslebens corausgeben, wenn anders durch die darzustellenden Thatfachen die einzelnen Richtungen und Wendungen des zwischen beiden Principien begonnenen, und bis jetzt noch nicht beendigten, Kampfes vergegenwärtigt werden sollten, um aus ihnen nachzuweisen, daß und wes: halb in dem gegenwärtigen europäischen Staatensysteme die: ser Kampf beider Principien des alten und des neuen noch lange nicht beendigt fey, obgleich beide Systeme, nach dem ersten Weltkampfe seit 1792, bereits seit Jahrzehnten neben einander als gleichberechtigt bestehen, und, nach den Ihatsachen der jüngsten Zeit, das constitutionelle System immer weiter sich verbreitet, wenn auch dessen Anfänge in manchen Staaten (so in Italien, Spanien und Portu: gal) entweder bereits wieder verfchwunden, oder gar nicht ins Staatsleben eingedrungen sind.

Wenn nun auch der Perf. des anzuzeigenden Werkes, von welchem die beiden ersten Theile vorliegen, die bis zum

Umsturze der dritten französischen Verfassung am 9. Nov. · 1799 durch Bonaparte reichen, bis jegt mehr eine, zunåchst

aus französischen Quellen mit Umsicht und Fleiß bearbeitete, Geschichte der französischen Revolution, und der in Frank: reich auftauchenden und wechselnden Parteien, so wie des Revolutionskrieges von 1792 – 1799, als eine unmittelbare Geschichte des Kampfes , zwischen dem alten und neuen Verfassungs princip" umschließt; so leuchtet doch überall aus der Gruppirung und Zusammenstellung der Thatsachen der Kampf des alten und neuen Princips, nach seinen vers schiedenen Wechselfållen und Schattirungen in Frankreich, von der beschränkten monarchischen Regentenmacht an in der ersten Verfassung vom 14. Sept. 1791 bis zum vorherrschenden demokratischen Princip in der dritten Verfassung vom Sahre 1795

die bis zum 18. Brumaire 1799 be: stand deutlich hervor, und der Verf. widmete der Dara stellung des Inhalts und politischen Charakters der drei

in diesen Zeitraum fallenden Verfassungen seine bez sondere Aufmerksamkeit.

Bei einem Geschichtsschreiber, welcher eine so große Aufgabe sich fett, fragt man nothwendig nach dem polis tischen Standpuncte, aus welchem er die dargestellten Thatsachen behandelt, weil selbst der gemäßigtste und besona nenste Mann, sobald er die Geschichte der Zeit seit dem Jahre 1789 beschreibt, nicht ganz das politische System zu verläugnen vermag, zu welchem er, nach seiner indivi: duellen Ansicht und Ueberzeugung, sich bekennt, so wenig wie eine Reformationsgeschichte geschrieben werden kann, bhne

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daß man ihren Verfasser aus der Behandlung des Stoffes entweder als Katholiken, oder als Protestanten erkennt. Der Verf. des vorliegenden Werkes giebt den Lesern in dem Vor: worte Aufschluß über fein politisches System. Er bekennt fich zu dem Grundsake der fortschreitenden Reformen im Staatsleben; denn durchgehends enthålt sein Werk die Nach: weisung der Unvollkommenheiten und Mängel des altern Systems; mehrmals spricht er mit Wärme für zeitgemäße Verfassungen sich aus, und gegen die Demokratie erklärt er sich mit dem stårksten Ernste. Er sagt ausdrücklich (S.V), und diese Stelle wird zugleich eine Probe seiner stylistischen Darstellung enthalten: ,,Der Kampf, der in diesen Tagen noch geführt wird, gilt nur einer andern Unordnung der höhern Staatsverhältnisse, als sie in dem Laufe früherer Sahrhunderte sich gestaltet. Das Ordnen aber ist nicht das Bersforen; auf das Zerstören arbeiten aus Mißverstand und aus Frevel nur die Demokraten hin, nicht die Welt. Sie können und werden nicht siegen; denn sie sind wider den Geist, der waltend und gebietend fich zeigt in diesem halben Jahrhunderte, dessen Schöpfungen im Laufe desselben, mits ten in dem großen politischen Kampfe, fich zeigen auf allen Puncten, eiligen Ganges vorwärts treibend die Menschheit auf der Bahn, auf welcher sie zdgernd früher zu wandeln schien, die zu dem Ziele führt, auf welchem bis in die nie dere Hütte herab der rechnende Verstand und die ruhige Bernunft die Herrschaft führen werden über das Gemüth, auf welchem über ein gebildetes Geschlecht, über ein Ges schlecht, das rein menschlich fühlen und empfinden lernte von Jugend auf, weder religiöser noch politischer Fanatismus Gewalt wird zu üben vermogen." (Ref. stimmt mit dem Jahrb. 6r Jahrg. X.

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Verf. über das Ziel überein, zu welchem die politische Er: hebung des jüngern Europa’s führen soll; allein er fürchtet, daß noch manches Jahrhundert vergehen wird, bis in die niedere Hütte herab der rechnende Verstand und die ruhige Vernunft die Herrschaft führen werden." So lange die ver: altete, und tief unter den Forderungen der Zeit stehende, Form unsers Schulwesens bleibt, kann der constitutionelle Sinn nicht bis in die Hütten,“ nicht einmal in die Werk: ståtten der Sandwerker und Fabrikanten dringen.) Sehr gern stimmt übrigens Ref. dem Verf. (S. VII) bei, wenn er erklärt, Geschichte und Erfahrung hätten gegen die Einführung der Demokratie in einen großen Staat Europa's entschieden; auch Ref. ist überzeugt, daß republikanische Staats: formen im europäischen Staatensysteme nur als Ausnahme von der Regel, und gleichsam nur sporadisch gelten können, wie in den Cantonen der Schweiz, auf den jonischen Inseln, und (Cracau eingerechnet), in den fünf freien europåischen Städten; auch Ref. hat in feinen staatswissenschaftlichen Werken gegen das Princip der Volkssouverainetåt sich nachdrucksvoll erklärt. AVein wenn der Verf. (S. VIII) erklärt: ,, die Lehre von der Souverainetåt des Volkes ist ein reiner Ungebanke;“ so muß ihm Ref. widersprechen. Ein ungebanke kann nichts anderes seyn, als was nicht blos der Geschichte, sondern sogar den Denkge: seken der Logik widerspricht. Dies ist aber keinesweges der Fal mit dem Begriffe der „Volksso uverainet åt." Denn abgesehen von dem schillernden - uns von den Frans zosen zugekommenen Worte der „Souverainetåt" über: haupt, zur Bezeichnung der höchsten Macht im Staate, ist es weder gegen die Eogik, noch gegen die Geschichte, daß

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