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obgleich 'eben diese aphoristische Form vielen Lesern zusagen wird. Allein Ref. wünschte wohl der teutschen Literatur ein Werk, in welchem der Charakter der offentlichen Meinung, ihr Einfluß und ihre Wirkungen in den verschiedensten Zeitaltern und unter den verschiedensten Völkern, pragmatisch, geistvoll, zugleich aber mit hinreichenden Beweisstellen aus den gediegensten Schriftstellern unterstüßt, dargestellt würde.

Nach einer flüchtigen Andeutung, daß schon in der alten Welt bei dem jüdischen Volke, noch mehr bei Griechen, Römern und Karthagern, eine öffentliche Meinung statt fand, daß sie im Mittelalter mit der Kirchengewalt zusammen hing, daß fie aber erst in der Druckerpresse ihr wirksamstes Organ fand, beleuchtet der Perf. ihre wohlthåtige und nacha theilige Ankündigung in der neuesten Zeit. Er macht auf den Zwitterzustand (S.5) aufmerksam, der nicht selten zwia schen der Wirklichkeit des Lebens und der öffentlichen Meis nung eintritt; er gedenkt der künstlich hervorgebrachten öffentlichen Meinung (S. 8). Er erklärt offen (S. 9), daß eine Regierung ihre Bestimmung verfehlen würde, welche durch eine Meinung sich lenken ließe, die die Prüfung der Gerechtigkeit nicht aushielte. In diesem Falle komme es der Regierung zu, die öffentliche Meinung zu prüfen, zu berichtigen und ihr auch nöthigenfalls einen würdevollen Widerstand entgegen zn setzen. Darin ist Ref. mit dem Berf. einverstanden. Allein Ref. geht weiter, und verlangt, daß jede Regierung, die auf der Höhe ihres Zeitalters steht, der öffentlichen Meinung fich bemachtigen, 6.6. sie zu einem klaren Bewußtseyn unter der Mehrzahl aller gebildeten und edlen Staatsbürgern ausprågen muß. Dann steht sie an der Spike derselben. Ein hochgestellter Staatsmann des südlichen Deutschlands fagte dem Ref. vor wenigen Wochen: „Der Strom des Zeitalters ist nicht aufzuhalten; das wäre vergeblich; aber Sache der Regierungen ist es, ihn zu leis ten und ihn innerhalb feiner Ufer zu erhalten.“ Uno Ref. meint, daß dies der Endpunct aller Aufgaben der Politik für das innere Staatsleben bleibt.

Bayerns Heerzug nach Griechenland, contraa

dictorisch erörtert nach Grundsåpen des Rechts und der Politik. Mit Urkunden. Stutt: gart, 1833, Brodhag. 71S. gr. 8. (in farbigem Umschlage.)

Die Errichtung des neuen Königsthrones in Griechen: land gehört zu den wichtigsten und für die Zukunft folgenreichsten Ereignissen unserer Zeit; namentlich berührte die Begründung der neuen Regentendynastie aus dem teutschen Hause Wittelsbach zugleich unmittelbar die bayrischen, mit: telbar die teutschen Interessen. Besonders aber waren es die 3500 bayrischen Truppen, welche zur Befestigung des neuen Königsthrones nach Griechenland gesendet wurden, über welche in öffentlichen Blåttern für und wider gesprochen ward, so wie über den zwischen Bayern und Griea chenland am 1. Nov. 1832 abgeschlossenen Allianzvertrag.

Die vorliegende kleine, aber mit publicistischer Haltung und in sehr gemäßigter Darstellung geschriebene, Schrift bringt einige Artikel aus der Münchner Zeitung für jenen Heerzug,, und einige, die Münchner Artikel beantwortende, Urtikel aus der Hanauer Zeitung gegen denselben ins grða Bere Publicum, das nun, bei der Zusammenstellung dieser vier Artikel, leichter zu einem bestimmten Urtheile über den besprochenen Gegenstand gelangen kann, dessen Wichtigkeit vielleicht weniger im Augenblicke der Gegenwart, als in der · Zukunft hervortritt.

Was der anonyme Herausgeber eigentlich beabsichtigte, wird aus seiner Erklärung in dem Vorworte erhellen. ,,Bayerns peerzug nach Griechenland," sagt er, „ist zwar kein welthistorisches Ereigniß, doch eine Staatsmerkwürdigkeit, welche zu ernsten Betrachtungen aus den Gesichtspuneten des Rechts und der Politik auffordert. Achtung gebieten ohne Zweifel die edlen Absichten und Gefühle, welche durch ihn der königliche Sånger zu bethåtigen strebte, der dem fühnen Auf: schwunge der Hellenen zu politischer und staatsbürgerlicher Freiheit vorlängst mit Begeisterung entgegen jauchzte, der für ihren Befreiungskampf reiche Gaben spendete, der unter seinen Augen griechische Jünglinge zu fittlicher, gewerblicher, wissenschaftlicher und volksthümlicher Tüchtigkeit her: anbilden låßt, der nun seinen Verdiensten um Hellas die Strone dadurch aufleben will, daß er als Vater dem noch rohen Staate einen geliebten und liebenswürdigen Sohn in zartem Alter als Oberhaupt hingiebt, daß er als König mit demselben in Kriegsbündniß tritt, daß er seinen Thron durch eine Schaar vaterländischer Krieger, einen ansehnlichen Bez (tandtheil des bayerischen Contingents zu dem teutschen BunDesheere, zu befestigen gedenkt." Nach dieser Einleitung fragt der Verf.: ,,Sind Bündniß und Truppensendung vereinbar mit dem Interesse des bayerischen Staates? Ist es das eine und die andere, in der Art, wie sie erfolgten, mit Bayerns Staatsgrundverfassung, mit dem Rechte des teutschen Bundes, mit den Grunds såben des Völkerrechts ? Entgegengeseßte Stimmen erhoben sich über diese Vor- und Hauptfragen."

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Darauf gedenkt der Verf. der von ihm aufgenommenen Urtikel aus der Münchner und Hanauer Zeitung. Eine amtliche Vertheidigung der, von Bayern angenommenen, Maasregeln ward zuerst versucht in der Münchner polit. Zeitung vom 30. Oct. 1832; sie rief eine Gegenrede hervor in der Hanauer Zeitung vom 6. Nov. Darauf folgte eine Widerrede in der Münchner vom 16. Nov.; dann eine Beleuchtung in der Hanauer vom 25. Nov. Nach einiger Ruhe ward der Redewechsel erneuert in der Münchner vom 7. Jan. 1833, und durch eine Erwiederung in der Hanauer vom 27. und 28. Jan., also bis zur Quadruplik. Der Herausgeber fügt hinzu: „Hiermit möchte die Sache zur Spruchreife gebracht seyn.“

Dem Vorworte folgen nun in der vorliegenden Schrift diese Wechselerklärungen irach ihrer Zeitfolge, damit das urs theilsfähige Publicum selbst über das Für und Wider entscheiden könne. Ungehångt sind die Staatsverträge vom 7. Mai und 1. Nov. 1832, und das königliche Decret vom 5. Oct. 1832 wegen der Ernennung einer Regent: fchaft in Griechenland.

Die Hauptfragen, um welche es sich handelt, und welche in den Wechselschriften für und wider besprochen werden, dürften folgende seyn: ob die bayrische Regierung berechtigt war, ohne Zustimmung der Ståndeversammlung, ein auf dem Wege der landesverfassungsmåßigen Militairconscription gebildetes und auf Staatskosten erhaltenes Truppencorps nach Griechenland, zum Dienste dieses Staates, zu fenden? Die Gegenrede bemerkt, daß, nach der bayrischen Verfassung, die Bayern in militärischer Hinsicht zu mehr nicht verpflichtet sind, als zur Vertheidigung ihres Baterlandes mitzuwirken; daß also die Verfassung nicht wolle, daß die Bayern zur Vertheidigung eines fremden Staa: tes mitwirken sollen, zumal des griechischen, vom Bayerlande so fern, dem bayrischen directen Landesinteresse fo fremd, wie irgend einer der civilisirten Welt. Eben so wenig habe der König sich verpflichtet, ein bayrisches, auf dem Wege der verfassungsmäßigen Conscription gebildetes, aus der bayrischen Staats casse ausgerüstetes Iruppencorps nach Griechenland zu senden. Unter verfassungsmåßiger Mitwirkung des bayrischen verantwortlichen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten håtte ein solcher Tractat, so wie der Allianztractat, nicht geschlossen werden kön: nen.“ Weiter erinnert der Opponent, daß der künftige Handelsverkehr zwischen Bayern und Griechenland für das erste nie von Bedeutung seyn werde, und daß Griechenland schwerlich die Schuld der Dankbarkeit an Bayern entrichten dürfte. In Hinsicht aber auf Griechenland sagt (S. 28) der Hanauer Opponent: „Mißlich stehet es um einen Ko: nigsthron, den der darauf Berufene, selbst noch minderjahrig, der Nationalsprache und Religion fremd, unter dem Schuhe mitgebrachter fremder Bajonette erbauen und be: festigen sou, also ohne voles Vertrauen auf den Willen des Bolkes und dessen eigene Waffenmacht.“ Weiter bemerkt der Opponent (S. 41): daß in dem Vertrage vom 7. Mai 1832, welchen Frankreich, England und Rußland unterzeicha neten, diese Mächte nicht zur Sendung bayrischer Truppen nach Griechenland, sondern nur auf Gestattung von Truppenwerbung in Bayern für Griechenland, und einzig auf dessen Kosten, sich verpflichtet håtten. Ferner er: innert derselbe (S. 43), in Betreff des am 1. Nov. 1832

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