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zwischen Bayern und Griechenland, mit dessen Regentschaft, abgeschlossenen Auianztractats: „Unerórtert mag hier bleiben, ob die Regentschaft schon während ihrer Anwesenheit in München, vor Inauguration in dem noch fortwährend in Anarchie versunkenen Lande, vor ihrer Besitnahme von der Regierung in Griechenland und deren Anerkennung durch die Nation, mithin schon in der Zeit ihrer idealen Regierung, so zu sagen in ihrem politischen Brautstande, zur Ausübung des volkerrechtlichen Vertragsrechtes ermächtigt gewesen sen ?"

Endlich wirft der Opponent seinen Blick auf die finana ziellen Sträfte Griechenlands. Er macht (S. 51) eine Mittheilung, die dem Ref. bis jekt unbekannt war. Das, unsers Wissens, zur öffentlichen Kunde nicht gelangte, dem Congresse zu Urgos vorgelegte, Budget für 1829' berechnete das gesammte ordentliche und eigentliche Staatseinkom men auf mehr nicht, als 2,846,656 franz. Francs, den Staatsbedarf hingegen (obgleich darin keine Civilliste vorkommt, und Capodistrias keine Staatsbesoldung annahm,) zu 8,539,555 Francs! Von den beiden, zu London 1824 und 1825 für Hellas eröffneten, Anleihen, zusammen 2,800,000 Pf. Sterling zu 5%, wurden seit mehrern Sahren weder Zinsen noch Capitalrückzahlungen geleistet, und schon darum konnte die neue ebendaselbst, in Folge des Tractats vom 7. Mai 1832, eröffnete fünfprocentige Anleihe zu 600,000 Pf. Sterling bis jekt noch nicht den gehofften Fortgang ges winnen; sie darf auch eben wegen jener Zahlungsstockungen in der Londoner Börsenliste nicht notiret werden. In Bes tracht jener kundbaren Finanznoth, ward in dem Londoner Tractate vom 7. Mai stipulirt, daß nicht nur Kdnig Otto seine bayrischen Apanagen vollståndig fortbe

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ziehen, sondern auch, daß dessen königlicher Herr Pater ihn, so viel in seinem Vermogen stehe, unterstůben foule, bis Hellas ihm ein genügendes Einkommen zu gewähren im Stande seyn werde.“

Die Nach ichrift des Herausgebers (S. 53) schildert den innern Zustano Griechenlands, unmittelbar vor der Ankunft des jungen Königs und der Regentschaft, nichts weniger als erfreulich. Der Herausgeber entlehnte dabei seine Nachrichten aus der Gazetta privilegiata di Milano ; aus Galignani's Messenger; aus the Globe; aus dem Nouvelliste, und aus der zu Corfu in neugriechischer und italienischer Sprache erscheinenden Gazetta degli stati uniti delle Isole Jonie. Er berichtet, daß, in Hinsicht der innern Sicherheit und Ordnung, es nur durch französische Bajonette möglich ward, und daß es i, für etwas Außer: ordentliches galt,“ von Nauplia (dem Siße der Regierung) bis nach Argos (ungefähr eine teutsche Meile) sich begeben' zu können, ohne Gefahr erinordet oder geplündert zu wers den! Da lauten freilich die Berichte in der Ullgemei: nen Zeitung, seit der Ankunft des Königs und der Regents schaft in Griechenland, ganz anders!

Reise über England und Portugal nach Bras

silien und den vereinigten Staaten des la: Plata-Stromes w å brend den Jahren (der Jahre) 1823 bis 1827, 'von I. Fr. von Weech, vormals Officier in k. b. Diensten. 3 weiter Theil. München, 1831. Luer. VIII u. 293 S. gr. 8. Dritter Theil. VIII u. 230 S. gr. 8.

Ref. gedachte des ersten Theiles dieses, in vielfacher

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Beziehung sehr interessanten, Werkes in den „Jahrbüchern" (1832. Ib. 2. S.87) mit der gehörigen Anerkennung. Der Verf. berichtet einfach aus eigener Anschauung und Erfah. rung, und man lernt in ihm den Mann kennen', der rich: tig sieht und urtheilt, der aber auch zugleich das Geprånge åsthetischer Floskeln verschmåhet, womit so viele in neuerer Zeit den Reisebeschreibungen ein großeres Relief geben wollen.

Der zweite Theil beginnt mit der Fortsehung der, am Schlusse des ersten Theiles abgebrochenen, Schilderung von Rio Janeiro. Dann folgt die Reise in die Provinz Minas - Geraes. Sie ist lehrreich und unterhaltend zugleich. Ref. hebt aus den Einzelnheiten hervor: Besuch einer Zucker: pflanzung; Goldwäschereien am Paraibuna; Beispiel der Tyrannei des ehemaligen Colonialsystems; Besuch einiger Goldbergwerke; und die vielen treffenden Urtheile des Verfs. über die Bewohner, ihre Cultur und Sitten, so wie über die Thierwelt und die mannigfaltig schattirte Naturwelt.

Im dritten Theile erzählt der Verf. seine kurze Niederlassung in Brasilien, worauf er den Entschluß faßte, nach Buenos Ayres zu reisen. Durch die Vermittelung der Deutschen in dieser Stadt lernte er diefelbe und die Um. gegend genauer kennen. Darauf schildert er den Ausbruch des Krieges zwischen der la - Plata Republik und Brasilien, und seine übernommene Pachtung einer Insel. Wiederhohlte Krankheitsanfälle veranlaßten ihn zur Růdkehr nach Europa. Auf dieser besuchte er die Insel Terceira , und verbreitet so: dann seine Darstellung über die azorischen Inseln. Bon da segelte er nach Hamburg, machte einzelne Abstecher im Holsteinischen, und kehrte durch Hannover, Hessen, Baden und Würtemberg nach München zurück. Ref. darf ver

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fichern, daß Leser mit sehr verschiedenen Ansprüchen an eine Reisebeschreibung in der vorliegenden, wegen der großen Mannigfaltigkeit der geschilderten Gegenstände, Befriedigung finden werden. - Nur Einiges, was zunächst den politis schen Interessen zugehört, entlehnt Ref. dem zweiten Theile. So erzählt der Verf. die Entstehung der Verfassung Brasiliens im Jahre 1823 (Th. 2. S. 60 ff.). „Um das Mißtrauen des brasilianischen Volkes gegen die politia schen Absichten der Regierung zu heben, sahen der Kaiser und seine vertrautesten Rathgeber sich genöthigt, die Vertre: ter fåmmtlicher Provinzen Brasiliens nach der Hauptstadt zu berufen, und ihnen den Entwurf zu einer Verfassung für das neue Kaiserreich zur Berathung vorzulegen. Die Verhandlungen wurden offentlich in einem zur kaiser: lichen Residenz gehörigen Saale gehalten, der schön und zweckmåßig verziert war. Das Volk hatte freien Zua tritt auf den Gallerieen, welche stets mit Wißbegie: rigen überfüllt waren (folglich anders, als in manchen Städten Deutschlands). Adein auch derjenige fand hier volle Befriedigung, der keinen entschiedenen Untheil an den politischen Angelegenheiten des Landes nahm, und welchen'Neu: gierde allein auf die Gallerie führte. Die Generalversamm: lung der brasilianischen Abgeordneten bot einen höchst interessanten Anblick dar. Die den Portugiesen angebohrne Würde in allen ihren Bewegungen, und die Gabe, in einer Sprache, die schon vor 300 Jahren in ihrer vols len Ausbildung stand, sich höchst beredt auszudrů den, ist auf ihre amerikanischen Abkommlinge übergegangen. Unter den 73 Abgeoróneten der 19 Provinzen des ungeheuern Reis ches war daher nicht Einer, welcher der wichtigen

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Stelle, die er bekleidete, nicht vollkommen gea wachsen schien. Das Volk, welches, wenn Intriguen und Umtriebe keinen Einfluß auf seine Gesinnungen ausz üben können, allenthalben seine Vertreter mit trefflichem Dacte zu wählen verstehet, hatte größtentheils Månner hies her gesendet, welche in ganz unabhångigen Verhältnissen weder Gunstbezeugungen von der Regierung zu suchen hat: ten, noch den måchtigen Einfluß, welchen höhere Beamte durch ihre Untergeordneten in einem kleinen Lande ausüben, befürchten durften. Obwohl für die persönlichen Fähigkeiten des Kaisers sehr eingenommen und ihm aufrichtig ergeben, betrachteten sie ihn dod als den Mann der Volkswahl, und hielten den gegenwärtigen Augenblick für den allein günsti gen, dem Volke feine heiligsten Riechte zu sichern, und der Willkühr Schranken zu sehen." Der Verf. erzählt darauf, wie der Kaiser und seine Minister zum kräftigen Widerstande gegen die Versammlung fich růsteten, und 'wie er eine bedeutende Militairmacht in der Nähe des kaiserlichen Palastes versammelte, felbst in den Waffen ibte, und den Sold der Officiere und Gemeinen erhöhte, und berichtet (S. 259). über die gewaltsame Auflösung diesen Versammlung von Deputirten. Die Versammlunge weigerte sich nämlich, dem Verlangen des Kaisers nachzu: kommen, eine bedeutende Anzahl demagogischer Deputirten auszustoßen, und erließ, im Vertrauen auf ihre Stärker 'ein Decret, welches die Entfernung der fremden Truppen bis auf 10 Stunden von der Hauptstadt befahl, und die Sigung für permanent erklärte. ,,Wiederhohlte Botschaften des Kaisers," berichtet der Verf., „begehrten die freiwillige Uuflösung der Versammlung, und fanden dieselbe Widers Jahrb. 60 Jahrg. X.

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