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Paniere fich einigen, dem der Wahrheit und des Gesekes. Die Behandlung des Staates als eines lebensvollen Organismus, der in und durch sich selbst weiter entwickelt und einer fortschreitenden Veredelung zugebildet werden fou, der mit den lehrreichen Erfahrungen fremder Beispiele und der individuellen Aufklärung der gereiftesten Staatsbürger gleichen Schritt hålt, und das allmählig Veraltete mit Vora bedacht abschleift, um nicht in zeitgemäßer Vervollkommnung aufgehalten zu werden: dies ist das einzig unfeilbare Mits tel, den Staat vor Zwiespalt zwischen Regierung und Volk zu bewahren, und die Regierung mit der offentlichen Meinung zu umgeben, welche die sicherste Schurwehr gegen Angriffe im Innern und von außen ist.“

Bei dem Zurückgehen auf die Begründung der neuen preußischen Staatsverwaltung mußte nothwendig der Verf. (S. 19) der beiden großen Staatsmånner, Steins und Hardenbergs, gedenken, „von denen man wohl fagen kann, daß es wenig solche Zeiten für einen solchen Mann, und wenig solche Männer für eine folche Zeit gab." 213 Ergebniß der Hardenbergischen Wirksamkeit stellt der Verf. auf: „Mit Verbannung der Feudalität und alles dessen, was ihren Charakter trug, nahm der preußische Staat ohne gewaltsame Umwälzung und mit Besonnenheit den neuen Geist der bürgerlichen Gesellschaft dadurch in sich auf, daß er, statt Verfassungstempel zu errichten, den Genius in die Verwaltung übertrug, alle drückende Fesseln aus dem Wege råumte, die den Fortgang der Staatsbürger zur höhern Cultur und Ausbildung, materieller wie geistiger Freiheit hemmten, durch Entwickelung des Bürgerthums und des båuerlichen Standes das Emporkommen des Staates dauernd

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begründete, und ein reines Königthum bildete, welches tein nen andern Unterschied in der bürgerlichen Gesellschaft als den zwischen Souverain und Volk zuläßt. Irgend einmal mußte eine Zeit kommen, wo auch für Preußen der Unters schied der Stånde in die Gleichheit der Staatsbürger sich umwandelte; das Weltverhångniß führte sie damals hers bei, und das Weltverhångniß wird sie gegen Versuche etwais ger Reaction beschüßen." Das unbestreitbare Verdienst Steins und Hardenbergs bleibt, daß sie die Zeit erkannten, in welcher sie lebten, und wo eine neue staatss bürgerliche Ordnung der Dinge beginnen konnte. Die Ums risse derselben deutete Hardenberg in der (S. 23) mits getheilten Rede vom 23. Febr. 1811 an die zu Berlin vers sammelten interimistischen Landesrepräsentanten an. Ueber die Würde eines Staatskanzlers sagt der Verf. (S. 25) treffend: „Ein solcher Mittelpunct der Staatsverwaltung war für die damaligen Verhältnisse, wo es darauf ankam, die Selbstständigkeit und Sicherheit des Staates nach außen wieder zu gewinnen, und für das Innere eine neue in eina ander greifende Staatsorganisation festzustellen, ein von der Weisheit des Monarchen erkanntes Bedürfniß, obwohl damit keinesweges für jede Zeit die Nothwens digkeit des Staatskanzleramtes oder eines er: ften Ministers behauptet werden soll." Besons der3 hebt der Verf. hervor, daß der Staatskanzler die Vor: theile der Publicitát über Staatseinrichtungen und alla gemeine Interessen des Vaterlandes richtig zu würdigen vera ftand. ,,Eine Regierung, die ihrer reinen Absichten sich beroußt ist, hegt keine Scheu vor einer Deffentlichkeit, die nur das Gute, wo sie es findet, beller beleuchtet, unb Sahrb. 67 Jahrg. VII.

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für die Staatsbürger belehrend, wie für die Behörden dringend wird."

Der Verf. geht' von den Unvollkommenheiten der bis zum Jahre 1807 in Preußen bestandenen Staatsverwaltung (S.35 ff.) aus, um nachzuweisen, wie die neue Ordnung der Dinge mit dem Publicandum vom 16. Dec. 1808 bes gann, in welchem die verånderte Verfassung der obersten Staatsbehörden ausgesprochen ward. Doch erfolgten, unter den neu eingetretenen Verhältnissen, seit dem Jahre 1814 mehrere Cabinetsordres, worin die Organisation des Staats: ministeriums, der Provinzialbehörder, des Staatsrathes u. a. Festgelegt ward. Mit Recht sagt der Verf. (S. 47) von dem Staatsrathe: „Diese Institution ist ein nothwen: diges Element in Repräsentativverfassungen, aber ein noch fühlbareres Bedürfniß in Staaten ohne Irennung der gesetzgebenden Gewalt."

Er zeigt, welche wichtige Bestimmung der Staatsrathe in Preußen in dem Kreise des Staatsorganismus zugetheilt ward.

In der Kette des 'Provinzialorganismus bildení die øberpräsidenten der Provinzen den ersten Ring (S.50). Es folgen (S. 53) die Regierungen. Ganz im Ein: verständnisse mit der Ueberzeugung des Ref. gedenkt der Berf. der großen Vorzüge der collegialischen Gestaltung dieser Behörden (S. 60). „Das Collegialsystem lohnt mit höhern Gütern, mit einer sichern Verbannung der Leidenschaft und des Unrechts, mit einer Schubwehr gegen Willkühr und Einseitigkeit, mit einer, Zutrauen erweckens den, Zusammenwirkung mehrerer Talente und Erfahrungen. Das Princip der Collegialitåt bei den Regierungen bildet fchon an sich einen Damm sowohl gegen den Mißbrauch

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der höhern Gewalt, als gegen den Localbrud; Re find burdy ihre Verfassung in den Stand gefekt, die Unterthanen als deren Vormúnder zu vertreten, und die Provinzen hången mit Vertrauen an den Regierungen, deren unabhängige Denkart eine vorzügliche Stüge des gemeinen Wohles ist.“ Besonders hebt (S. 63) der Berf. hervor, welchen Einfluß. diese Organisation der Regierungen auf die Bildung aus. gezeichneter Geschäftsmånner behauptete.

Darauf folgt die Eintheilung des ganzen Staatsges bietes mit Rüdficht auf die neue Staatsorganisation, und der Wirkungskreis der errichteten Provinzialstånde. Der Verf. findet (S. 78) den wahren Geist gesengebender Weisheit bei dieser neuen Begründung der ståndischen Vers håltnisse in dem Princip der ausschließung der Stånde von jeder I heilnahme an der Staats: verwaltung. Er wirft (S.81) einen Blick auf Ståndes. versammlungen, welche der Staatsgewalt entgegen zu ars beiten versuchen, oder in welchen noch das Particularinteresse einzelner Stånde oder Curien vorherrscht, und erklärt: „Die neue Ståndeverfassung der preußischen Monarchie macht die Provinzialstånde zu einer friedlichen Maasregel des öffents lichen Glückes, zu einer Quelle der Belehrung für die Staatsbehörden. Allerdings würden, nach der Ansicht des Ref., den Provinzialstånden, gewiß ohne Nachtheil des Ganzen, noch größere Befugnisse zukommen können; aleitt die Hauptrücksicht bei der Bestimmung ihres Wirkungskreis ses muß jedesmal von der ihnen angewiesenen Stellung in dem Staatsorganismus abhången.

Viel Beherzigenswerthes fagt der Verf. (S. 91 ff.) über die Subordination im Staatsdienste. Vsuig

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stimmt Ref. dem Verf. bei, wenn er (S. 95) sagt: Was durch bloße Furcht erreicht wird, ist allemal schlechter, als was edlere Gefühle hervorbringen. Die Hoffnung ist ein noch måchtigerer Gebieter, als die Furcht; und eine Dienst: autoritåt, welche die fittlichen Gefühle in An ern zu heben strebt, kann nur dem freien Willen durch Achtung und Vers trauen abgewonnen werden. Mit dem Systeme des Rigorismus würde das elendeste Papierregi ment eintreten; das selbstständige Denken, der Geist, der den Staat erhålt, würde erdrückt, und auf Vertrauen und Unhånglichkeit der Menschen, durch die man wirken fol, Verzicht geleistet. Die Empfindungen für Ehre und Unstand des öffentlichen Berufs, das Selbstgefühl, welches in dem Bewußtsein einer edlen Bestimmung seine Befries digung findet; diese sind es, wovon der Staat eine wirklich gemeinnüßige Verwaltung seiner Angelegenheiten erwarten Bann. Nur in solchen Gemüthern lebt die starke Kraft und der machtige Wille zum Wirken und zur Pflicht, mit dena der Mensch Ulles vermag."

Die Unzeige dieser, in vielfacher Hinsicht trefflichen, Schrift kann Ref. nicht besser schließen, als mit der inhalts. schweren Stelle (S. 99): ,,Reiner Regierung entgehet, wie Fehr aller Segen ihres Waltens und Wirkens auf der Masse geistiger und sittlicher Kräfte beruhet, welche sie in ihr Interesse ziehet. Die Macht der Staatsregierung wird desto fester stehen, je großer das geistige Capital an sich und beziehungsweise ist, worüber sie zu gebieten weiß."

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Statechismus für Stadtverordnete der preußischen Stådte. Berlin, 1832. Iraut:

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