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Etive und wälzen sich über die Felsen mit grosser Gewalt und Geräusch. Es ist ein unbeschreiblich grosser, erhabener Anblick, die Wellen so ankommen, plötzlich stutzen und sich dann schäumend und donnernd ihren Weg bahnen zu sehen.“ In dem Anhange zum 3. Bande des gälischen Ossian beschreibt A. Steward diesen Wasserfall so: ,,Er wird verursacht durch einen Felsen, der sich in der Gestalt eines Schwibbogens von der einen Seite des Canals zur anderen hinzieht. Ueber diesen Felsen stürzt sich zur Fluthzeit das Wasser mit grossem Ungestüm in den Loch Eiti. Steigt nun bei hoher Flutb das Wasser in dem See zu eben der Höhe wie das Meer, so ist der Wasserfall ganz rubig, und Schiffe von beträchtlicher Grösse können ohne Gefahr über ihn hinsegeln; tritt aber die Ebbe wieder ein und die Wassermasse strömt zum Meere zurück und stürzt sich westlich über die abschüssige Seite des Felsens etwa 12 Fuss hoch hinab, so entsteht ein betäubendes Gebrüll

, und der ganze Canal bis eine Meile unterhalb des Falls kocbt und sehäumt.“

V. 2. Garmallar das nur an dieser einzigen Stelle vorkommt, scheint eine waldige Anhöhe am Loch Etive gewesen zu sein.

V. 10. Man glaubte zu Ossian's Zeiten und glaubt noch jetzt in Schottland und hin und wieder in anderen Ländern, dass Hunde, Wild und Thiere überbaupt, wenn sie plötzlich zusammenfahren, Geister sehen.

V. 19. Kona jetzt Coe, ein Strom in dem äusserst romantischen, von ihm benannten Thale Coe oder Glencoe. Von den umgebenden Bergen, deren einige 3—4000 Fuss Höhe haben, ergiesst sich eine ungeheure Menge kleinerer Ströme und Giessbäche in ihn hinab. Von diesem Thale, dem Lieblingsaufenthalt des Dichters,, heisst er oft „die Stimme von Kona.“ Ausführliche Beschreibungen finden sich bei Garnett, Bd. I. S. 293--298, und in den Reisen durch Schottland und die Hebriden, Bd. I. S. 189 -- 198.

V. 20. Kumhal's Sohn Fingal, der von einem Kriegszuge zurückkehrt und von den Barden mit Triumpbgesängen empfangen wird.

V. 31. Fackeln nicht Wachsfackeln noch Wachslichter, sondern langgespaltenes trockenes Holz, oder auch zusammengedrehte trockene Baumwurzeln (leus), die noch jetzt bei der ärmeren Volksklasse in Schottland und auf den Hebriden die Stelle der Lichter vertreten.

V. 36. Morna Fingal's Mutter und Klesamor's Schwester.

V. 42. Fingal, der zu Selma seinen Wohnsitz hatte, war wegen seiner Gastfreiheit berühmt.

V. 46. Karun der Fluss Carron in der Grafschaft Stirling.

V. 65. Balklutha - wörtlich „die Stadt am Klutha.“ Der Klutha in den gälischen Gedichten ist unbezweifelt der Fluss Clyde, sowie Tuad oder Trade der Tweed. Die Stadt am Klutha, wohin Klesamor durch einen Sturm verschlagen ward und in deren Gegend britische Häuptlinge wohnten, ist sehr wahrscheinlich Dunbarton. Man sehe Caledonia, Bd. I. s. 54.

V. 78. Ein Fremdling – ein britischer Häuptling. Nach Macpherson hiess er Reuda.

V. 81. Kumbal – Fingal's Vater.

V. 183. Konas waldiges Bergthal dieser Name ist mit der Haide pon Lora gleichbedeutend. Das Bergthal Kona, jetzt Glencoe, liegt eigentbeh nordöstlich von der Gegend, wo einst Selma stand; der Name Kona scheint aber zu Ossian's Zeiten eine grössere Ausdehnung gehabt zu haben, als jetzt Glancoe, denn die Bai unter Selma, die sich bis zum Ausfluss des Lech Etive oder dem Wasserfall Lora binabzieht, hiess Cala Chonain oder die Bai von Kona. An dieser Bai bis zum Wasserfall Lora, nördlich der Fabre von Conuil, ist eine Haide, ungefähr 1/2 englische Meile lang und eben soviel breit. In der Bai von Kona landete Karthon. Auf der Haide von Lora fochten Fingal und seine Tapferen manche Schlacht; hier fiel auch Klesamor und Karthon. Noch heutzutage stehen 17-18 grössere und kleihere Karn oder Grabhügel auf dieser Haide. Vergl. V. 234 --237.

V. 201. Der Sinn ist: die Feinde, die uns angreifen, werden von uns getödtet und vermehren die Zahl der uns umschwebenden Geister.

V. 204. Mit Fremden, die zum freundschaftlichen Besuche kamen, tauschte man die Waffen. Diese Waffen wurden als Denkmale der Freundschaft sorg. fältig in den Familien aufbewabrt.

V. 239. Waffenschemen Gebilde der Todten, die bewaffnet er. scheinen und nicht schaden können.

V. 249. Zum Verständniss möchte Folgendes aus der Tradition, die Macpherson anführt, nicht überflüssig sein: Klesamor, von einem Sturm nach Balklutha getrieben, ward von dem Häuptling Rurmar gastfreundlich aufgenommen und heirathete dessen Tochter Moina. Ein Häuptling aus der Nähe. der diese Tochter liebte, kam nach Balklutha und betrug sich übermüthig gegen Klesamor. Ein Gefecht war die Folge, worin Klesamor den Häuptling tödtete, aber von dessen Begleitern so hart bedrängt wurde, dass er sich mit Schwimmen nach seinem Schiffe retten und in See gehen musste

. Seine Versuche, bei Nacht zurückzukehren und seine Gattin abzuholen, wurden vom widrigen Winde verhindert, und er musste ohne diese nach Morven zurückkehren. Moina gebar einen Sohn, den Rurmar Karthon nannte, und starb bald darauf. Als Karthon drei Jahre alt war, unternahm Kumhal, Fingal's Vater, einen Zug gegen die britischen Häuptlinge am Klutha, eroberte Balklutha und steckte es in Brand. Rurmar kam bei dieser Eroberung um, Karthon ward von seiner Wärterin gerettet und weiter in's Land bin ein gebracht. Als Karthon zum Jüngling gereift war, beschloss er, die Zerstörung Balklutha's an Kumhal's Nachkommen zu rächen, landete in der Bai von Kona und rückte gegen Selma vor.

V. 318. Dem Feinde seinen Namen sagen war in dieser Heldenzeit so viel als Veranlassung suchen, sich dem Gefecht zu entziehen. Ergab sich bei Nennung des Namens, dass die Vorfahren der Streitenden freundschaftliche Verhältnisse mit einander unterhalten hatten, so hörte der Kampf segleich auf. Ein Mensch, der dem Feinde seinen Namen sagt, und ein Feiger waren daher gleichbedeutend. Macpherson. V. 390. Krathmo

was für ein Ort hier gemeint sei, lässt sich nicht bestimmen. Wahrscheinlich lag er am Klutha, nicht fern von Balklutha.

V. 409. Nach Ossian's Vorstellung schweben die Geister derer, die in einem fremden Lande sterben, nach ihrer Heimath zurück, vereinigen sich dort mit befreundeten Schemen und schweben in deren Gesellschaft am Gewölk oder im Winde. Weilen sie aber auch in der Fremde und besuchen ein fremdes Land, so vereinigen sie sich nie mit den Schemen des Landes, sondern schweben allein. Darum ist Ossian, V. 431, in Ungewissheit, ob selbst Karthon, der unerkannt als Fremdlung und Feind von seinem eigenen Vater getödtet ward, nach dem Tode mit jenem zugleich am Gewölkhinschwebe. Berlin.

Schaeffer.

Beurtheilungen und kurze Anzeigen.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit. Organ

des Germanischen Museums zu Nürnberg Neue Folge. 13. Jahrgang. 1866. Nr. 1-4. Der Fränkische Krieg: Von Jos. Baader. Nach einer kurzen Einleitung über die Ritter des Schlosses Absberg und deren Thätigkeit als Raubritter, besonders des Hans Thomas von Absberg, Zeitgenossen und in den Jahren 1507 bis 1512 Verbündeten des Hans von Geislingen und Götz von Berlichingen in der Fehde gegen Nürnberg, Augsburg und andere Reichsstädte, wird der Executionskrieg gegen H. Th. v. Absberg vom Jahre 1523 an aus einer gleichzeitigen Handschrift mitgetheilt.

Hanns Schneiders Spruch von 149 2. Von Rect. Dr. Lochner. 198 Verse erzählen die Zusammenziehung einer Reichsarmee unter Anführung des Markgrafen Friedrich von Brandenburg gegen Albrecht von Baiern wegen Regensburg. Zugleich fordert „Königlicher Majestät Sprecher“ den Kaiser Maximilian I. auf, eine Armee gegen den übermüthigen Französischen Konig Karl VIII., eine zweite gegen die Türken zu schicken. Der Herausgeber lässt dem Text einige erläuternde Anmerkungen folgen,

Ein Teppich mit Darstellungen aus der Geschichte Tristan's und Isolden's. Von Dr. A. von Eye. Ausführliche Beschreibang nebst artistischer Beilage.

Jobannes Nas. Von Br. Zingerle wird ein Schreiben Ilsung's aus dem Jahre 1577 an Erzherzog Ferdinand mitgetheilt

, in welchem dieser gebeten wird, Joh. Nas nach Augsburg zu senden, damit er dort predige.

Beschreibung einer Pilgerfahrt in das gelobte Land aus dem 14. Jahrhundert. Von P. Pius Schmieder, Archivar zu Lambach in Oberösterreich. Eine in Potthart's Wegweiser etc. nicht erwähnte Schrift, die nähere Untersuchung verdient.

Alter Zauber- oder Segensspruch. Von Prof. Dr. Sigbart in Freising. Acht untereinander gestellte Buchstaben, die auf einem „geschmackvollen“ Tische aus dem 15. Jahrhundert zwei Mal angebracht sind. „Findet sich diese Inschrift auch anderswo, und wie ist sie zu erklären ?"

Gengenbach's Bundschub. Von E. Weller wird zu den drei Handschriften Gödeke's eine vierte aus dem Jahre 1415 nachgewiesen.

Verkauf eines Fabrikzeichens aus den Jahren 1433 und 1478. Vom Fürsten zu Hohenlohe-Waldenburg aus zwei Urkunden mitgetheilt.

Zur Geschichte der Entdeckung und Erkennung der Pfahlbauten. Eine im Namen der Züricherischen antiquarischen Gesellschaft von L. Ettmüller mitgetheilte Beschreibung der ersten Auffindung solcher

Bauten im Züricher See. Danach ist Dr. Keller in Zürich derjenige, welche zuerst diese alten, aus dem See hervorgeholten Reste untersucht und als z Pfahlbauten gehörig anerkannt hat.

Heidnische Gräber in Böhmen. Ergänzungen der in Nr. 12 de Anzeigers von 1863 gebrachten kurzen Notizen von Ďr. Födisch in Wien,

Wizenicer Ausgrabungen im Jahre 1865. Ebenfalls Ergänzunge zu früheren Notizen (in Nr. 11, 1864 des Anzeigers) von Dr. Födischi Wien.

Papst Johann XXII. bevollmächtigt den Abt des Kloster St. Johann in Stamps zur Schlichtung von Streitigkeiten. Da Original dieser von Dr. Will, Archivsecretair des Germanischen Museum mitgetheilten kurzen Urkunde befindet sich im Germanischen Museum.

Zur Frage nach dem Verfasser des Reineke Vos. Later dorf in Schwerin erklärt sich zu V. 6168 für Hoffmann's Ansicht, die € bereits in Mantzel's Bützow'schen Ruhestunden von 1765 vorfindet.

Des Hands Frey Schwieger. Genealogische Notizen der Famili Frey aus dem 15. und 16. Jahrhundert von Dr. Lochner.

Hans Schneider. Zusatz zu Nr. 1, p. 9 des Anzeigers von E. Wellei
Gesprächspiele. Zusatz zu Anzeiger 1862, S. 399.

Zur Fischart-Literatur. Zu E. Weller's Aufsatz in Nr. 6 von 186 von Frank in Anweiler.

Der Lasterstein in Mösskirch. Aus einer noch ungedruckte Zimmernschen Chronik theilt Dr. Barack mit, dass in Mösskirch (Baden weibliche Personen, welche eines unzüchtigen Lebenswandels beschuldig wurden, den Lasterstein durch die Stadt zu tragen hatten und dann dies wohl für immer verlassen mussten.

Die niederdeutsche Uebersetzung der Sprichwörter Agri cola's. Nachtrag zu früheren Arbeiten (vom Jahre 1858) über denselbe Gegenstand von Fr. Latendorf.

Die Juden zu Naumburg an der Saale. Von K. von Heister Interessante, durch Auszüge und Quellenbelege aus dem 14. und 15. Jahr hundert wichtige Abhandlung.

Der Deutsche Michel. Mittheilung von Stellen aus S. Frank (unt 1540), welche Grimm und Sanders als die älteste Autorität des Ausdruck citiren. Von Fr. Latendorf.

Die Wachstafeln der Salzsieder zu Schwäbisch-Hall Voi Wattenbach in Heidelberg. Ueber Vorkommen und Beschaffenheit ge nannter Tafeln.

Die Krönungsinsignien des Mittelalters. Nach Bock’s Werk Die Kleinodien des heil. Röm. Reichs Deutscher Nation und ihre formver wandten Parallelen von A. Essenwein. Hinweisung auf die Wichtigkeit des genannten Werks durch eine ausführliche Besprechung des Inhalts.

Zur Miniaturmalerei des 14. Jahrhunderts nebst artistischer Beilage von Dr. A. von Eye.

Die schöne Maria. Bibliographische Notizen von E Weller uber Gedichte von der schönen Maria zu Regensburg vom Jahre 1519.

Wann kamen die Wörter Soldat und Prinzessin in den Deutschen Sprachgebrauch? Von Baader in Nürnberg. Nach Baader waren diese Wörter erst in der Mitte des 16. Jahrhunderts in der jetzigen Bedeutung aus Spanien entlehnt in allgemeinen Gebrauch gekommen.

Chronik des Archivs, Chronik der historischen Vereine, Nachrichten, Literatur, Anfragen, Anzeigen u. dgl. m. Berlin.

Dr. Sachse.

Germania. Vierteljahrsschrift für deutsche Alterthumskunde.

Herausgegeben von Franz Pfeiffer, 11. Jahrgang. 2. Heft.
Wien 1866.

Zum Spiele von den zehn Jungfrauen. Von R. Bechstein. Grammatischer und kritischer Nachtrag zu Ludwig Bechstein's WartburgBibliothek. I.“

Zur Sage von Romulus und den Welfen. Von Fel. Liebrecht. Anknüpfend an Grimm's Worte in der Einleitung zu Reinhard Fuchs über das vertrauteré Verhältniss zwischen Menschen und Thieren, wie es im Jugendalter der Menschheit Statt gefunden hat und in der Kinderwelt immer von Neuem sich findet, sammelt er eine Menge von mythischen Sagen der verschiedensten Völker, alter und neuer, um die Behauptung, plausibel zu machen, dass die Zwillingsbrüder aller Wahrscheinlichkeit nach als Hunden entstammend gedacht wurden und man hierin selbstverständlich durchaus nichts Verächtliches erblickte.

Zur Slavischen Walthariussage. Von F. Liebrecht. Hinweis auf eine Bemerkung des Herrn Sophus Bugge (in der Videnskabs-Selskabets Forhandlingar Christiania 1862) über Verbreitung und Verwandtschaft älterer Sagen und Märchen.

Der ritte. Von Th. Vernaleken. Gegen Grimm's Ableitung von reiten ist Vernaleken für den Stamm rîdan, ags. bridjan, mhd. rîden, schüttelo, sieben und giebt mehrere Beispiele eines personificirten Gebrauchs des Wortes.

Augenblick und Handumdrehen. Von J. V. Zingerle. Nachweis der Ausdrücke im Augenblick“ und „im Handumdrehen“ aus älteren deutschen Schriften.

Phenich. J. V. Zingerle berichtigt das mittelbd. Wörterbuch, welches Phenich für Buchweizen hält. Er erklärt es für die Bezeichnung einer Hirsenart.

Runeninschriften eines gothischen Stammes auf den Wiener Goldgefässen des Banater fundes. Von Franz Dietrich. Nebst Abbildung von 12 Inschriften und des Alphabets derselben. Nach der Forschung des gründlichsten Kenners der Runen als solcher hat sich Prof. Dietrich in der neuesten Zeit mehrfach bewährt -- ist die Hauptmasse der Goldgefässe griech. Ursprungs und die ersten Inhaber derselben haben tinem christlichen Volke des 4. und 6. Jahrhunderts angehört. Nach ausführlicher, sehr lehrreicher Beleuchtung der einzelnen Inschriften zieht der Verf. am Schlusse des Aufsatzes Folgerungen über den Volksstamm und die Heimat der Goldgefässe.

Zur Kritik und Erklärung des Heliand. Von C. W. M. Grein. Unter Bezugnahme auf die verdienstliche Ausgabe Heyne's werden einige gelegentliche Bemerkungen zu einzelnen Stellen mitgetheilt, wo Grein von Heyne's Auffassung abweicht.

Zu dem Gedicht von Hans Sachs: „die achtzehn schön einer jancfrauen.“ Von Reinhold Köhler. Heranziehung von Parallelstellen und Liedern, besonders aus der italienischen Literatur.

Literatur. Ulfilas von Stamm und Heyne, rec. von Holtzmann. - Heliand von Heyne, rec. von Holtzmann. Garton Paris: Histoire poétique de Charlemagne, rec. von Karl Bartsch. – Die Magdeburger Fragen. Herausgegeben von Behrens, rec. von Siegel. Koch: Die Satzlehre der englischen Sprache, rec. von Grein. Proben eines Wörterbuchs der österreichischen Volkssprache von H. Mareta, rec. von Schröer.

Miscellen Í. Zur Geschichte der Deutschen Philologie: Briefe von J. Grimm an den Herausgeber. Gegen die Herausgabe dieser sehr interessanten Reliquien hat Herm. Grimm, der Neffe Jacob's, in Nr. 16 des

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