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Die Familiennamen von Stolp mit Berücksichtigung der Um

gegend, vom Oberl. Albert Heintze. Programm des Gymnasiums zu Stolp. 1866. 37 S. 4.

Das Namengebiet, welches der Verf. zur Betrachtung sich ausgewählt bat, ist ein besonders interessantes. Stolp ist Jabrhunderte lang ein Vorposten deutscher Sprache gegen das Slaventbum gewesen, es liegt noch jetzt an der Grenze zweier ganz verschiedener Nationalitäten, der niederdeutschen und der kassubisch-polnischen, die Mischungsverhältnisse treten such im Bereiche der Namen bezeichnend hervor. Der Verf. will zunächst das Interesse der nächsten Leser für ihre Heimath erhöhen, aber es verdient in vollem Masse die fleissige und sorgfältige Arbeit der Beachtung aller empfohlen zu werden, die für ihre deutsche Sprache und Sitte ein warmes Gefühl haben.

Dem gleich stark hervortretenden Deutschthum trat in Stolp mit Zähigkeit das Wendenthum entgegen. Am Ende des 18. Jahrh. war der Lu. pow-Fluss die Grenze des deutschen Sprachgebiets nach Osten bin, jetzt ist dies bedeutend weiter vorgeschritten und kassubische Predigt kommt nur Doch in zwei Kircbspielen vor; in Pommern überhaupt fanden sich 1861 nur noch 3677 Personen mit slavischer Familiensprache, nämlich in den Kreisen Stolp, Lauenberg, Bütow. Dagegen in den Familiennamen tritt östlich von der Lupow das Kassubische in den Vordergrund und westlich ist es ebenso atark als das Deutsche vertreten. In der Stadt Stolp ist noch in den Familiennamen in der Altstadt der wendische, in der eigentlichen Stadt der deutsche Grundstock nicht zu verkennen. Nach der Reformation nahmen die Familiennamen grösstentbeils ein hochdeutsches Gewand an. Späterhin haben sich durch Einwanderung an den deutsch-kassubischen Stamm neue Elemente angesetzt, besonders polnische, auch romanische und littauische. In Stolp finden sich über 1800 verschiedene Familiennamen. Bei der Schichtang derselben stellt der Verf. das Deutsche in den Vordergrund, und zwar als 1. Classe die ältesten, die ursprünglichen Personnamen, die hier wie überall stark vertreten sind und nach den neuesten Forschungen erläutert werden. Die Genitiv-Bildungen, die in andern Gegenden, namentlich im Festlichen Deutschland, so verbreitet sind, sind in Pommern selten und nicht einheimisch, ebenso wenig die Zusammensetzungen mit son und sen, von denen es bekanntlich in Schleswig wimmelt; dagegen die DeminutivEndungen mit k (niederd.) und z (hochd.) sind sehr zahlreich. Sollte aber wohl die Nebenform Fritsch zu Fritze durch slavischen Einfluss vergröbert sein, da sie im westlichen Deutschland so sehr verbreitet ist? Beide Endingen vereinigt als zke kommen auch vor. Daneben die slavischen Bildungen auf slay oder slaf oder zlaf, von denen die deutschen auf laf sich durch das Fehlen des Zischlautes unterscheiden; so ist nach dem Verf. der ofters in Pommern vorkommende Name Gützlaff slavisch, aus Gustislaw, ein Name, welcher aber auch am Niederrhein erscheint. Als zweite Schicht betrachtet der Verf. die fremdländisch-kirchlicheu Namen, ursprünglich Personfamen. Die Zahl derselben ist eine beschränkte, wenn auch einzelne sich weit verbreitet haben in reiner und verändeter Form. Die Namen auf ke sind nicht immer deutschen Ursprungs, manche können aus slavischer Quelle stammen; ihre Zahl ist sehr gross, in Stolp nahezu 8 Procent. Die dritte Sehicht, Familiennamen jüngster Periode, bilden zunächst die Handwerkssamen, sehr zahlreich, besonders deutsche, aber auch slavische; dann die Fon Ortsbenennungen entlehnten, sowohl Bezeichnungen nach allgemeinen Dertlichkeiten als nach Ortseigennamen. Dahin gehören auch einige Comp. mit mann, wie Grundmann ú. und die eigentlichen Adelsnamen. Neben den deutschen Ortsnamen stellt sich eine gleich lange Reihe slaviseher gegenüber; dahin gehören die vielen auf ow, auch wohl in au geändert, und auf in und itz. In dieselbe Classe fallen die Volks- und Stam

s.

W.

mesbezeichnungen auch wohl mit der adj. Endung er und der polnischen ski. Als dritte Unterabtheilung der dritten Schicht fungiren die Namen von Eigenschaften, körperlichen und geistigen, weit weniger zahlreich; von diesen sind die interessantesten die imperativischen. Endlich sind zu erwähnen die Namen von Gliedern und Körpertheilen, Kleidungsstücken, Speisen, Geräthen, Thieren, Pflanzen, Naturerscheinungen.

Ueber einige volksthümliche Begriffs verstärkungen bei deutschen

und englischen Adjectiven. Von Dr. Alexis Dony. Im Programm der höheren Bürgerschule zu Spremberg. 1866.

20 8. 4.

Eine zahlreiche Menge der merkwürdigsten im Munde des Volkes üblichen Begriffsverstärkungen ist hier nicht bloss zusammengestellt, sondern auch, so weit es möglich war, erklärt, begründet, mit ähnlichen verglichen Sie beruhen alle zunächst auf dem Streben, recht anschaulich darzustellen, dem ja auch die beliebte Ausdrucksweise allgemeiner Sätze in Form von Beispielen ihren Ursprung verdankt, die selbst dann noch üblich sind, wenn ihr Sinn nicht Jedermann gleich klar ist (vgl. „schlafen wie eine Ratze,“ d. i. wie der Siebenschläfer, Haselmaus). Mit der Anschaulichkeit hängt die dem Hörer sich gleichsam mit Gewalt aufdrängende Hyperbel auf; das Volk wie der Dichter liebt sie. Diejenigen componirten Adjective, die den hohen Grad bezeichnen sollen, erscheinen nicht alle gleich auflösbar; , blitzschnell, blutjung, steinreich“ unterscheiden sich so. Wir sagen: blitzschnell schnell wie ein Blitz, schneller als der Blitz, aber nicht: er ist ein Blitz aber wohl: „er ist dumm wie ein Klotz“ und: „er ist ein Klotz.“ Der Sprachgeist ist also eigensinnig. Wir haben im Ganzen vier Formen: steblen wie ein Rabe, spiegelblank, nasser als eine Katze, Falkenauge.“ Die Formen der zweiten Art werden dann ausführlich betrachtet und zwar zuerst die zusammengesetzten Adjective, deren erster Theil aus einem Substantiv besteht. Es wird überall die niederdeutsche, englische, lateinische griechische Sprache in ihren ähnlichen Erscheinungen berücksichtigt. Al Unterabtheilungen gilt, dass a) die Zusammenstellung auf dem Vergleiche der Eigenschaft beruht, welche das Adjectiv ausdrückt, mit einer charak teristischen Eigenschaft des durch das Substantiv bezeichneten Gegenstandes So: baumfest, bombenfest, baumlang, baumstill u. 8. W., bildhübsch, blitzschnell (pfeilschnell, windschnell), bocksteif, blutroth, eisgrau, essigsauer engelsgut, -rein, -süss, faustdick (fingerdick, knüppeldick, ellenboch, meilenweit, handbreit u. a.), federleicht, feuerroth, gallenbitter, geisterbleich u.s. W. b) die Vergleichung nicht auf die charakteristische Eigenschaft eines Gegenstandes überhaupt gebt, sondern auf die Beschaffenheit desselben, insoweit ihm auch die genannte Eigenschaft zukommt, so: krebsroth, d. b. nicht wie ein Krebs, sondern wie ein rother Krebs; fadengrade, fuchswild, hundsmide nagelneu, funkelnagelneu (d. i. wie ein unmittelbar aus der Esse kommender Nagel), splitternackt u. a., c) das erste Wort der Zusammensetzung besteht in einem Fluch oder bekräftigenden Ausruf, wie: blitzblau, kreuzbrav u. a. d) die Zusammensetzung eine freiere Zusammenziehung eines aus mehrerer Begriffen bestehenden Ausdrucks sei und meist nur durch einen Satz aufge löst werden könne, so: blutjung, fadennackt, hageldicht, mutterseelenalleit (entstellt aus : mutterseligallein so dass keine von einer Mutter geboren Seele, d. i. kein Mensch da ist), spinnefeind u. a., e) das Substantiv ohnt begrifflichen Zusammenhang mit dem Adjectiv reine Verstärkung sei, so baarscharf, steinalt, stockblind u. a., f) im Substantiv ein adverbialischer be kräftigender Zusatz enthalten sei ohne vorhandenen Vergleich, so: bombenfest, grundböse, herzinnig, kerngesund, menschenmöglich u. a.; wozu dann g) Varia kommen: eheleiblich, hundsgemein, kunterbunt u. a. Die zweite Classe sind die Adjective, deren Verstärkungswort ein Verbum ist: bettelarm, brübewarm, klapperdürr, knallroth u. a., die dritte, deren Verstärkungswort ein denselben Begriff wie das verstärkte Adjectiv ausdrückendes Adjectiv ist, wie: buntscheckig, belllicht, lichterloh, wildfremd u. a., die vierte, wo es ein Adverb ist, wie: bitterböse, bitterkalt u. a., die fünfte Pronomen und Adjectiv, wie: allein, allbereits u. a., die sechste Präposition und Adjectiv, wie: extrafein, superfein, überselig, urgemüthlich u. a., die siebente zweifelhafte Bildungen: brandroth, piekfein, dundersnett, die achte mehrere Verstärkungen neben einander: pechrabenschwarz, sternhagelvoll, splitterfasernackt u. a.

Leber die deutsche Sprache in dem polnischen Oberschlesien.

Von Professor Heim brod. Programm des Gymnasiums zu Gleiwitz. 1865. 23. S. 4.

Die vorliegende Abhandlung beschäftigt sich nicht, wie der Titel erwarten lässt, mit der Eigenthümlichkeit der deutschen Mundart in dem genannten Theile Schlesiens, sondern enthält nur einen Bericht der Bemühungen der preussischen Regierung um die Verbreitung der deutschen Sprache daselbst. Wir erfahren daraus, dass die Verordnungen im vorigen Jahrhundert sehr wenig Erfolg hatten, dass es erst in unserer Zeit besser geworden ist, dass namentlich die Stiftung des Gymnasiums zu Gleiwitz sehr günstig gewirkt hat, aber auch noch gegenwärtig es auf dem Lande sehr an Kenntniss der deutschen Sprache fehlt, also noch sehr viel zu thun gibt.

Zu Konrad's von ,Fussesbrunnen Kindheit Jesu. Von Dr. Alb.

Gombert. Programm des Gymnasiums zu Königsberg i. d. N. 1866. 17 S. 4.

Konrad schrieb im 13. Jahrhundert; das folgt aus der deutlichen Nachahmung Hartmann's, namentlich des Erec und des Gregorius. Seine Heimath suchte schon Pfeiffer in Niederöstreich. Diemer hat einen Konrad von Fussesbrunnen in Urkunden in der Nähe von Krems gefunden, der wahrscheinlich der Dichter ist; nach ihm ist Konrad zwischen 1160 und 1165 geboren. Darnach bat Konrad in reiferem Mannesalter die Kindheit Jesu geschrieben; früher schrieb er weltliche Gedichte und wollte den ihın daher nach seiner Meinung anbängenden Sündenfleck durch das geistliche Gedicht tilgen. Sein Muster ist also jetzt die milde und massvolle Schreibart Hartmann's, aber er ahmt ihn nicht ungeschickt und sklavisch nach, seine Verse diessen leicht, nur mitunter durch die unpoetische Ueberlieferung gehemmt. Er erreicht ihn in Reim, Versschluss und überhaupt der metrischen Form richt, aber verdiente von Rudolf von Ems nicht bloss gelobt, sondern auch im Wilhelm und Barlaam nachgeahmt zu werden, wie denn sein Ansehen daraus erbellt, dass ein grosser Theil seines Gedichts später in das Passional übergegangen ist. Seine Quelle ist das Pseudevangelium Matthäi, er schiebt oft lateinische Verse ein, besonders in der ersten Hälfte, die spätere Erzählung, mehr weltlichen Charakters, ist von den kanonischen Evangelien unabhängig. Weil hier daher solcher Citate weit weniger sind, darf man daraus nicht mit dem Herausgeber Feifelik folgern, dass die von ihm ausgelassenen, in der von ihm mit Unrecht zu Grunde gelegten Handschrift A fehlenden 1100 Verse unecht seien. Seine lateinischen Citate übersetzt Konrad bald wörtlich, bald frei. Da sein Stoff bekannt war, verweist er für die frühere Lebensgeschichte der Jungfrau auf zwei deutsche Darstellungen, auf Meister Heinrich's Lied von unser Frauen, und auf eines Ungenannten Anegenge; beide sind verloren, für das letztere ist nicht mit W. Wackernagel das is Hahn's Gedichten S. 1–40 abgedruckte sehr mangelhafte Gedicht zu halten. Ebenso wenig ist mit Wackernagel anzunebmen, dass das Gedicht Urstende (bei Habn Ged. des 12. und 13. Jahrb., S. 103—28) von Konrad herrühre; dies ist vielmehr ein Gedicht des Konrad von Heimesfürte, der von unserm Konrad zu trennen ist. Somit ist das einzige uns erhaltene Werk Konrad's von Fussesbrunnen die Kindheit Jesu. Da der letzte Herausgeber Feifelik (1859) mit Unrecht die Handschrift A zu Grunde gelegt hat, so theilt den Anfang des Gedichts schliesslich der Verf. nach der allein zu Grunde zu legenden Handschrift B, die auch Hahn abdrucken liess, mit; von der dritten ebenfalls mit Vorsicht zu gebrauchenden früher Lassberg'schen Handschrift C ist ihm für eine beabsichtigte vollständige Ausgabe eine Abschrift von F. Pfeiffer zugekommen.

Ueber das Redentiner Osterspiel. Vom Oberlehrer Drosihn.

Im Programm des Gymnasiums zu Neustettin. 1866. 36 S. 4.

Das im Jahre 1464 zu Redentin bei Wismar aufgeführte niederdeutsche Spiel ist der einzige Repräsentant dieses Zweiges der niederd. Volkspoesie, ein Beweis, dass die Osterspiele auch in Niederdeutschland Eingang gefunden, zuerst von Monc in den Schauspielen des Mittelaltters, dann von Ettmüller unter dem Titel ,dat spil fan der upstandinge“ herausgegeben. Es ist die Frage, ob das Spiel Original, oder mit andern Worten: ob es in den Bereich der Volks- oder Kunstpoesie gehöre. Die Frage zu beantworten, verfolgt der Verf., ausführlich in den Inhalt vieler Stücke eingehend, die Geschichte der Osterspiele. Die ältesten sind die lateinischen Osterspiele. Ihr Keim findet sich seit der Mitte des 12. Jahrh. in den Klöstern Süddeutschlands. Mit der damals üblichen Osterfeier stimmt im Wesentlichen die in Frankreich im 13. Jahrh. gebräuchliche überein. Solche lateinische Osterspiele finden sich in Süddeutschland bis gegen Ende des 14. Jahrh. Ihr Gegenstand war die Engelsbotschaft von der Auferstehung, Christi und die weitere Verkündigung dieser Botschaft an die Jünger. Dann regte sich das Bedürfnis nach deutscher Predigt. Ihm kamen besonders die Brüder vom gemeinsamen Leben entgegen. Die ausgebildete deutsche Kunstlyrik, die weltliche und die geistliche und zwar besonders die Mariendichtung waren von Einfluss auf die weitere Entwicklung der Osterspiele; die deutschen Marienklagen haben schon viel dramatisches Leben. So kommen wir zu den lateinisch-deutschen Osterspielen des 13. Jahrh., dem Lichtenthaler, dem ludus paschalis Buranus, d. i. von Benedictbeuern. Hierauf zu den deutschlateinischen Osterspielen. Die Zahl der auftretenden Personen bat sich bedeutend gemehrt, daher sind Laien zur Aufführung mit nothwendig; neben dem lateinischen Texte geht eine deutsche Paraphrase, neben der Erbauung soll auch für Unterhaltung gesorgt werden, das komische Element dringt ein, der Krämer, der an Maria die Salben verkauft, wird zu einem marktschreierischen Quacksalber. So das Osterspiel bei Monc S. 109-144, aus der Mitte des 14. Jahrh. In allen deutsch-lateinischen Osterspielen kommen Prügelscenen zwischen den Dienern des Krämers vor. Solche Scenen machten es nothwendig, dass die Aufführung nicht mebr in der Kirche, sondern auf dem Markte stattfand. Weiter wurde in den Kreis des Osterspieles auch die Höllenfahrt Christi und die Erlösung der Altväter aus der Vorhölle und dabei ein komisches Teufelspiel hineingezogen. Für die Höllenfahrt war Grundlage das auf dem apokryphischen Nicodemus-Evangelium beruhende Ritual. Beispiele bei Monc. In der ganzen Anlage stimmt mit denselben das Redentiner Spiel. Für dasselbe ist nicht der Bericht des Nicodemus-Evangeliums unmittelbare Quelle, sondern ein oberdeutsches Spiel. Gemeinsam ist demselben mit den oberdeutschen Spielen die Gruppirung der Begebenheiten, so wie die Uebertragung deutscher Sitten auf die Fremde, Land und Leute; eine Consequenz derselben ist die Verlegung des Schauplatzes nach Redentin. Eigenthümlich ist der Reichthum an Sprichwörtern and sprichwörtlichen Redensarten. Das Resultat der Untersuchung ist also, dass das Redentiner Spiel kein originelles Spiel ist, sondern nur eine besoadere Phase innerhalb der Entwicklung der volksmässigen Osterspiele.

Zur Kritik und Erklärung des Reineke Vos, von Dr. Friedr.

Latendorf. Programm des Gymnasiums zu Schwerin.

1865. 35 S. 4.

Die Abbandlung bezweckt, den Text des Gedichts in vielen Stellen zu seiner ursprünglichen Reinheit zurückzuführen und dasselbe besser zu erklären. Sie erreicht diese Zwecke in hohem Grade. Der Verf. stellt den Grundsatz an die Spitze, dass allein die Lübecker Ausgabe von 1498 bandschriftlichen Werth hat, dass keine der ihr bis jetzt gefolgten Ausgaben eine kritische Textrecension zu heissen verdient. Die Ausgaben des 16. und 17. Jahrh. verschlimmerten immer mehr den Text. Im 18. Jahrh. ging Hartmann von Helmstadt auf den Lübecker Druck von 1498 zurück; seine Ausgabe ist noch unentbehrlich. Der Werth der Ausgabe Hoffmann's von FalJersleben liegt mehr in der Erklärung als in der Textesconstituirung. Er Feicht öfters vom Originaldruck ab, öfter als er angibt. An 42 Stellen ist die Abweichung vom Lübecker Text gleich für's Auge ersichtlich; diese Aenderungen gehen fast sämmtlich auf den Rostocker Druck von 1539 ziiruck, kaum ein Viertel derselben aber ist nothwendig oder wahrscheinlich. In den Versen 199, 2193, 2385, 5318, 6046, 6493 scheint dem Verf. eine Aenderung wahrscheinlich, die andern 33 Aenderungen aber als unbegründet, wie des Weiteren erörtert wird. Die von Hoffmann nicht angegebenen Ab.. weichungen im Texte betrachtet der Verf. mit gleichem Misstrauen; schon weil seine Anführungen aus der unkritischen Rostocker Ausgabe von 1539, mit der die von 1549 identisch ist, unvollständig sind. Andere Aenderungen billigt er, die meisten aber verwirft er, weil die grammatische Begründung falsch sei. Zum Beweise bestreitet er mit zahlreichen Beispielen die Behauptungen Hoffmann's, dass das schwache Adjectiv nicht verbunden werde a) mit dem Femininum, b) mit dem Neutrum, c) mit dem Masculinum. Für die literargeschichtliche Frage, schliesslich sich an Goedeke's Urtheil anschliessend, modificiert der Verf. es dahin: Der ursprüngliche niederländische Reinardt gehört in's 12., nicht 13. Jahrh. ; er wurde im 14. Jahrh. überarbeitet und fortgesetzt. Im 15. Jahrh. erhielt die Veberarbeitung Capitelüberschriften und eine prosaische Glosse, die auf Hinrik von Alkmar zurückgeführt werden, wovon sich Bruchstücke erhalten haben. Aus derselben Quelle, aus der das niederländische Volksbuch entlehnt hat, hat der Reineke geschöpft. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der gedruckte latein. Reinardus vu

auf Hinrik von Alkmar Einfluss gehabt hat. Die Glosse des Reineke weist deutlich auf niederl. Ursprung. Dass der niederl. Ueber

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