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setzer mit der westfälischen Sprache bekannt gewesen sei, ist nicht anzunehmen. Der niederdeutsche Uebersetzer ist in Lübeck zu suchen; sein Name ist aber unbekannt, weder Nic. Baumann noch Herm. Barckhusen sind als Autoren anzusehen.

Lobspruch der Stadt Gross-Glogau, zum ersten Male nach einer

Handschrift aus dem 16. Jahrhundert vollständig herausgegeben vom Oberlehrer F. W. von Razcek. Programm des kathol. Gymnasiums zu Glogau. 1865. 18 S. 4.

Die Handschrift befindet sich in der Glogauer Gymnasialbibliothek. Das Gedicht beschreibt die Stadt Glogau von einem Ende zum andern und knüpft daran historiscbe Notizen; es ist poetisch nicht werthvoll, aber wohl für die Geschichte. In der Handschrift schliesst sich an das Gedicht eine Chronik. Den Versen steht zur Seite die Inhaltsangabe. Der Verfasser war ein Geistlicher, wabrscheinlich ein geborner Glogauer, er hat nicht über 1611 hinaus gelebt, das Gedicht ist innerhalb der Jahre 1570 und 1580 geschrieben, Einzelnes aber später nachgetragen. Die Anzahl der Verse beträgt 1686. Da Lobsprüche auf Städte nicht viele erhalten, wenigstens noch nicht bekannt gemacht sind, ist die Veröffentlichung dieses Gedichts in einem Schulprogramm genug gerechtfertigt.

Anna Luise Karschin. Eine biographische und literaturgeschicht

liche Skizze vom Oberlehrer Theodor Heinze. Programm des Gymnasiums zu Anclam. 1866. 20 S. 4.

Der Verf. bat mit Sorgsamkeit das Material für das Leben der einst viel gepriesenen Dichterin nicht bloss zusammengestellt, sondern auch den richtigen Massstab für ihre Würdigung angelegt. Die traurigen Schicksale ihrer Jugend, zum Theil freilich durch ibre eigene Lebensunerfahrenheit veranlasst, lassen um so mehr die nie unterdrückte Strebsamkeit ihres Geistes anerkennen. Ihr Leid nahm erst ein Ende, als sie von ibrem Manne Karsch befreit war und 1761 in Berlin anlangte. Aber ihre Geldverlegenheit hörte doch nicht auf, und hätte Gleim ihr nicht zur Seite gestanden, sie wäre auf sich allein angewiesen gewesen; denn wie karg der grosse König gegen sie blieb, ist bekannt genug. Endlich erhielt sie von König Friedrich Wilhelm III. ein bescheidenes Haus geschenkt; sie starb aber bald darauf 12. Okt. 1791.

In Berlin war sie Sulzer und Ramler näher getreten; Ramler übernahın die Feile an ihren grammatisch und metrisch fehlerhaften Gedichten; Lessing bekümmerte sich nicht um sie. Sulzer bewunderte sie zuerst sehr, nachher ist sein Lob eingeschränkt; auch Klopstock zollte ihr Beifall. Die Gedichte ihrer ersten Periode, bis zur Ankunft in Berlin, zeugen von leichter Versification, aber die Sprache wird misshandelt. Sie las was ihr in die Hände fiel, und dadurch wurde ihr Geschmack oft irregeleitet, aber oft bricht ein reines und starkes Naturgefühl hervor. Als sie zu den gelehrten Männern nach Berlin kam, suchte sie sich binaufzuschrauben; die historische und mythologische Gelehrsamkeit, die sie sich aneignete, passte schlecht zu ihrem Wesen; dazu verliessen sie ihre Kenntnisse nicht selten. Aber wenn sie ein erhabenes Lier singt, erkennt man doch die geborne Dichterin. Nur als sie mehr nachahmte und nachbildete, entfremdete sie sich ihrer eigenen Natur, und in der letzten Periode, etwa seit 1767, als sie des Erwerbs wegen dichtete, ihre Verse hervorsprudelte, ohne je daran zu feilen, gewöhnte sie sich an die verwegensten Ausdrücke und opferte dem Reim oder Rhythmus die Correctheit, da war sie aus der Dichterin eine Improvisatorin geworden, und nur die zwei Trauerlieder auf Friedrich's des Grossen Tod sind ihrer würdig.

Schiller und Goethe. Ein Vortrag. Vom Oberlehrer Friedr.

Regentke. Programm des Gymnasiums zu Ostrowo. 1865.,16 S. 4. Der Vortrag charakterisirt kurz und wesentlich die Unterschiede der beiden Dichter; er bezeichnet richtig Goethe als den grössten Lyriker und Epiker, Schiller als den grössten Dramatiker, so wie auch richtig die Ursachen angegeben werden, die beide auf ihren Weg führten.

Ideenentwicklung des Spazierganges von Schiller. Von Patriz

Anzoletti. Programm des Gymnasiums zu Bozen. 1865. 50 S. 8.

Auf die schöne Abhandlung von H. Deinhardt über den Spaziergang in den Beiträgen zur Würdigung und zum Verständnisse Schiller's I, 155—197 nimmt der Verf. keine Rücksicht Dennoch ist es ihm gelungen, seine Sebrift so weit auszudehnen. Er gibt nicht bloss eine Paraphrase, sondern mischt auch eine Fülle ureigner Reflexionen bei. Darüber ist nun nicht viel zu sagen, aber einige auffallende Ansichten kommen doch vor. So meint er, Schiller hätte gut gethan, wenn er das Griechenvolk nicht so sehr in den Vordergrund gestellt hätte, das habe dem unmittelbaren Verständniss und der harmonischen Wirkung des sonst unvergleichlichen Gedichts Eintrag gethan. Der Beweis ist nicht beigebracht. Ferner rufe nicht die strenge Logik, sondern der angenehme Wechsel der Scenen auf dem Spaziergange die eine Idee aus der andern hervor, nicht der kalte Verstand, sonoern die vom höheren Geiste der Kunst getragene Phantasie leite die Gedanken. Ebenso wunderlich. Elegie heisse das Gedicht, weil wir hier die sehönsten Güter des Menschen und all sein Glück in wechselndem Bestande sehen; über alle Bilder sei ein Hauch der Wehmuth ausgegossen und die Grundstimmung sei tief elegisch. Welch eine absonderliche Vorstellung von Elegie klingt daraus hervor, und wer möchte wohl mit dem Verf. die wehmüthige Grundstimmung herausfinden, die sich durch das Ganze ziehen soll! Zeigt sich bieraus schon Mangel an Klarheit bei dem Verf., so nachher noch mehr in den mit den Haaren herbeigezogenen Digressionen, so folgt selbst eine Abschweifung über Schiller als Historiker, der natürlich abgekanzelt wird ob seiner total verkehrten Darstellung aller Geschichtshelden, eines Alba, Philipp, Oranien, Egmont, Gustav Adolf u. a., weiter über den Vers: Freiheit ruft die Vernunft und Freiheit die wilde Begierde, der Veranlassung gibt, Schiller's Widerspruch mit dem Christenthum zu erhärten; folgen dann Auszüge aus dem 2. Theil des Faust, einigen preussischen Schulprogrammen und der Abhandlung von Friedrich Schlegel über die Sophisten, die noch existiren sollen, wozu als Beweis die neuliche Anrede des heiligen Vaters Pius IX, in St. Athanasius citiert wird. Hiernach wird der schwierige Satz

, dass, wenn die staatlichen Einrichtungen sich halten wollen, sie zum Wohle des Volkes beitragen müssen, durch die schöne Entwicklung

des Franzosenkaisers Napoleon III. in seiner Geschichte Julius Cäsar's bewiesen. „Wenn die Sprache der Kirche im Staate nur mehr der Stimme des Rufenden in der Wüste gleicht, dann wankt der Thron, Pfeiler um Pfeiler brechen dann zusammen, und die stehenden Heere und die Argosaugen der öffentlichen Sicherheitsbeamten und alle die reichbezahlten Feders der Zeitungsschreiber vermögen nicht das fallende Gebäude festzustützen.“ Hierauf folgt wieder eine Abschweifung über Schiller's Entwicklung als politischer Dichter von den Spielen seiner Kindheit an bis zum Wilhelm Tell hin, bis er dann zum Schluss als der Weltdichter anerkannt wird, dessen ein Zeugniss sei das Schillerfest von 1859. Dem wird gegenübergestellt das Dantefest von 1865, dessen schändlicher Missbrauch zu ersehen aus der ganz besonderen Huldigung, welche dem Raubkönige Victor Emanuel mit dem prächtigen Degen von Pascia mit Inschriften aus Dante dargebracht wurde. Aber der Schluss des Spazierganges befriedigt nicht, die Natur kann nicht unsere höchste Lehrerin sein. „Aber es gibt eine Anstalt

, die der Sohn des Höchsten selbst gegründet, welche alle streitenden Machte versöhnt und eine süsse Friedensbotschaft, ein sanftes Friede sei mit dir

! in das Herz des Einzelnen, wie in die gesammte Menschheit hineinruft, und diese Anstalt ist die katholische Kirche. Hätte sich Schiller in diese geflüchtet, so wäre ihm der Friede geworden, nach welchem sein Herz sich rastlos gesehnt und welchen so mancher Harfenschläger der romantischen Schule wirklich gefunden. Nur ein treues Festhalten an Glauben und Gesetz, nur die herzinnige Liebe zur heiligen katholischen Kirche vermag des Einzelnen, die Familie, den Staat und die Gesellschaft zu verjüngen und

Die katholische, sie ist die den Protestanten verlorengegangene Kircbe, deren dumpfes Läuten wohl von jedem Redlichen oft vernommen, aber kaum mehr von der Sage recht gedeutet wird. Uhland vernahm wohl deutlich den Klang der verlorenen Kirche; nur die wahre, d. b. die katholische Kirche, kündigt uns das Evangelium, die gute Nachricht, und sie allein ist jene heilige Anstalt, welche züchtig und fromm das alte Gesetz ehrte und ehrt, die sich im Laufe der Zeiten nie geändert, welche niemals gealtert u. 5. w.“

zu erneuern.

Zur Entwicklungsgeschichte der deutschen Historiographie. Von

Dr. Ad. H. Hora witz. Programm des Josephstädter
Gymnasiums. 1865. 45 S. 8.

Die Abbandlung bezieht sich auf die Geschichtswissenschaft unseres Jahrhunderts. In etwas stark pathetischer Redeweise setzt der Verf. anseinander, wie unter dem äussern Druck eine nationale Geschichtschreibung entstand. Bahnbrechend ist das Werk Niebuhr's, es hat den Ernst der Forschung und die Kritik geweckt, die Vaterlandsliebe und liberale Grundsätze wurden verbreitet durch die Werke von Luden und Rotteck, so viele Mängel sie auch sonst haben mögen. Auf die Entwicklung der deutschen Geschichtwissenschaft wirkte bedeutend ein das Unternehmen des Freiberrn von Stein, die deutschen Geschichtquellen kritisch zu bearbeiten; an diesem bildeten sich G. H. Pertz und L. Ranke heran, dann deren Schüler Waitz, Wattenbach, Köpke, Abel u. s. w.: Stenzel und W. Giesebrecht bearbeiteten einzelne Theile der Kaisergeschichte. Vorher schon war Schlosser aufgetreten, der die Geschichte populär dachte und zu einer Lehrerin für Gegenwart und Zukunft; er hat den nachhaltigsten Einfluss auf die moralische Weltbetrachtung und das politische Urtbeil des Volkes ausgeübt. Eine vermittelnde Stellung zur Ranke’schen Schule nehmen Aschbach, Gervinus, Häusser, Lappenberg, Stenzel und die andern Verfasser der Werke der Heeren-Uckert'schen Sammlung ein; in der Behandlung der Quellen nehmen Lappenberg und Stengel besonders eine hohe Stelle ein. Besonders auf das Politische baben ihren Blick gerichtet die zwei Historiker Raumer und Dahlmann. Niebubr's Werk der Kritik setzte Ranke fort, indem er die leitenden Grundsätze für die historische Forschung aufstellte und in seinen bedeutenden Werken praktisch Jurchführte; fur Èntwicklung von Verhältnissen and Charakteristik von Persönlichkeiten besitzt er eine besondere Begabung; er ist der Vater der rein objektiven Darstellungsweise geworden. Als seine Schüler lassen sich bezeichnen Waitz, Mommsen, Droysen, Dunker, v. Sybel, Cartius, W. Giesebrecht, Wattenbach, G. Voigt, Hirsch, Köpke, Büdinger, Hegel.

Während der Verf. der Ranke'schen Methode vor der Schlosser's den Preis zuerkennt, bebt er wegen der Verbindung des eingehendsten Quellenstudiums mit dem warmen Gefühl für alles Menschliche vor Allem Gervinus berror.

Gefördert ist die historische Wissenschaft in neuester Zeit durch die Arbeiten der vielen Geschichtsvereine und die Herausgabe der UrkundenAuszüge, zuletzt durch die Gründung der historischen Commission in Müncben. Die Culturgeschichte liegt trotz einzelner tüchtiger Arbeiter noch sehr darnieder. Das Verdienst Gustav Freytag's hebt der Verf. mit Recht bervor.

So gibt diese Abhandlung eine fassliche Uebersicht über die wichtigsten historischen Erscheinungen. Der Verf. zeigt eine liebenswürdige Begeisterung für die rustige historische Arbeit unserer Tage. Weon er aber unserer Geschichtswissenschaft nachrühmt, dass sie mehr als die englische auf die Bildung des Volkes schon gewirkt habe, so möchte er sich doch wohl in einem Irrthum befinden. Herford.

Hölscher.

Miscellen.

Mundartliche Proben aus der älteren Nürnberger Volkssprache.

In einem Nürnberger Trachtenbuch quer 40 des 17. Jahrhunderts finden sich unter den Figuren Reimereien.

Unter der „Milchbäuerin“ mit dem Rückenkorbe und dem Teller mit Butter steht:

Kaaft gouta milch, ihr weiber!
Schöina schmooltz, gouten keesi (?)

Gouta Buttermilch !
Eine Reihe Bauerntänze sind bildlich dargestellt; unten jedesmal ein
Liedlein.

Das Hochdeutsche steht über der Linie klein gedruckt; ich hebe nur die erklärenden Wörter heraus.

1.
Die Gröitl und der Hanssl.
Ihr schnodert*) dou an hauffa hea
Von kochn und viel schwänkn
Eha wenn å ana drunter wöa,
döi möcht öns böthn denkn.

2.
Die Maigl und der Stoffl.
Su laust as baltas lusti sayn
In umsern gunga gourn **).
Die Fräud vergöit wuhl mit der zait
Bey unnern groubn hourn.

3.
Der Poiter und sein Mila.
Das böthn soll für alln sagn
Die arbet a darnöbn;
Und wenn döj zwaa soyn wubl verricht
Su kon ih lustj löben.

4.
Der Sixla und sein Öltz.
Ih spring oiz immer wadli ***) drain
mit meiner loibn Ölzn (Ölse)

*) schnattert.
**) in unsern jungen Jahren.
***) wacker.

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