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Anzeiger für Kunde der Deutschen Vorzeit. Nürn

berg 1866, Nr. 5-8. „Die ersten Büchsenschützen, die an der Wange abschossen.“ Berichtigung des Artikels von Nr. 12 des vorjährigen Anzeigers von Toll in Coblenz.

Albertus mit dem Zopfe auf einem Glasgemälde zu St. Erbard in der Breitenau in Steiermark. Mit einer Abbildung. Historische Erklärung und Beschreibung derselben von Essenwein.

Der Niemand. „Eine der ältesten lustigen Figuren unserer Vorzeit und wahsrcheinlich eine Tradition des vorchristlichen Alterthums ist der Niemand, dem man Alles in die Schuhe schiebt, der alle häuslichen Fatalitäten angerichtet haben, an jedem persönlichen Missgeschick Schuld sein soll.“ Beispiele seiner Verherrlichung in Poesie und Prosa werden in Menge von 1510—1794 von E. Weller nachgewiesen.

Spruch vom schönen Brunnen zu Nürnberg. Von Jos. Baader. Beschreibung dieses Brunnens und Mittheilung eines Reimspruchs aus einer Chronik des 15. Jhdts.

Die Kreuzigung Cbristi und der beiden Schächer, ein Holzschnitzwerk in der Michaelskirche zu Zeitz. Von Gust. Sommer. Nach der vorzüglichen Arbeit zu urtheilen ist dieselbe zwischen den Jahren 14701540 gefertigt.

Alter Spruch. Aus dem 15. Jhdt. mitgetheilt von Dr. Barack in Donaueschingen.

Ueber einige mittelalterliche Elfenbeinschnitzwerke etc. Von A. Essenwein. Allgemeineres über mittelalterliche sowohl religiöse als weltliche Darstellungen nebst specieller Erklärung der genannten Arbeit, die abbildlich dem Text einverleibt ist.

Die Ausgabe der Sprichwörter Agricola's v. J. 1548. Von F. Latendorf. Besprechung einiger streitigen Punkte und Berichtigung von Irrthümern sowohl litterarhistorischer binsichtlich der Werke Agricola's, als des Agricola selbst.

Eine neue Flugschrift über den Englischen Schweiss des Jabres 1529. Von Prof. Häser zu Breslau. Eine aus dem Niederdeutschen in's Lat. von einem gewissen Bartholomæus Zebner über setzte Abhandlung wird mitgetheilt.

Regenspurgischer gsundttrunckh. Von H....ff aus einem grösseren Manuscript, welches 1072 Octavseiten füllt, 10 Lat. Tragödien und Dramen enthält und im Jahre 1656 geschrieben ist, mitgetheilt.

Unglückstage. Von Baader einem Kalender aus der 1. Hälfte des 15. Jhdts. entlehnt. Es werden ohne weitere Angabe 18 als „böse, verworfene“ Tage verzeichnet, „an denen man weder kaufen noch verkaufen, nicht ein Weib nehmen, noch irgend eine Sache thun noch treiben darf.“

Sphragistische Aphorismen vom Fürsten zu Hohenlohe-Waldenburg. Allgemeineres über den Nutzen der Sphragistik, über den Mangel an wissenschaftlicher, diesem Felde gewidmeter Thätigkeit und Versuch eines sphragistischen Systems.

Ausgrabungen bei Rochsfeld. Von Dr. A. von Eye. Bericht über Beschaffenheit der Gegend und die dort aufgefundenen Gegenstände.

Zur Geschichte der Entdeckung und Erkennung der Pfahlbauten. Von Dr. Alb. Jahn in Bern. Schon Anfangs der vierziger Jahre wurde Herr Jahn auf Baureste im Bieler See aufmerksam. Es wurde im Laufe der Jahre nach und nach eine Menge Töpferware kelt. Ursprungs, Metallsachen u. A. zu Tage gefordert, und schon im Jahre 1850 wurde ein uraltes Pfahlwerk von der Substruction einer bedeutenden Ansiedlung beschrieben. Dies zur Berichtigung der Notiz im Anz. 1866 Nr. 2, p. 50.

Einige Bemerkungen zu dem bekannten Wappenschilde des

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Landgrafen Conrad von Thüringen (f 1241) in der St. Elisa bethen-Kirche zu Marburg. Vom Fürsten zu Hohenlohe-Wal denburg

Anweisung zum Pulvermachen aus dem 14. Jhdt. Von Dr Kerler. „Man sol salpeter nemen und sol in legen in einen eyneit löffel u. s. w.

Verzeichniss der Ausgaben für den Bau einer Kapelle in Stifte Reun in Steiermark, aus dem Jahre 1409. Von Greine in Gaz.

Sphragistische Aphorismen vom Fürsten zu Hohenlohe Waldenburg. Abbildung und Beschreibung einzelner Siegel.

Beiträge zur schweizerischen Kunstgeschichte. VopEd His-Heusler in Basel.

Eine Darstellung des Erzvaters Adam. Von A. Essenwein Beitrag zur Iconographie des Mittelalters.

Herzog Wilhelm von Bayern sucht Reliquien für die St. Mi chaelskirche zu München. Aus d. J. 1695.

Alte Dramen. E. Weller verzeichnet die Titel von 20 bisher unbe kannten Dramen aus dem 16. Jhdt.

Altdeutscher Spruch. 5 kurze Reimpaare von Dr. Birlinger an einem Bamberger Codex mitgetheilt. Die Beilagen zu den 4 Nummer enthalten, wie immer, die Chronik des Museums und Notizen aller Art. Berlin.

Dr. Sachse.

1. K. A. Hahn's Mittelhochdeutsche Grammatik. Neu

ausgearbeitet von Dr. Friedrich Pfeiffer, Stadtbiblio thekar zu Breslau. Frankfurt a. M., Heinr. Ludw. Brön

ner's Verlag. 1865. XIV u. 200 S. 8. 2. Lehrbuch der Mittelhochdeutschen Sprache für

Gymnasien von A. Thurnwald. Prag 1864. Verlag von Friedrich Tempsky. VIII u. 199 S. 8.

Es versteht sich von selbst, dass, wenn Pfeiffer die Umarbeitung der längst bewährten, vielfach benutzten und ausgeschriebenen Hahn’schen Grammatik übernahm, alles was durch die während der letzten 20 Jahre auf dem Gebiet des Mittelhochdeutschen rege fortgefübrten Studien älterer und neuerer Gelehrten gewonnen worden ist, in dieser neuen Bearbeitung in der geeignetsten Weise zur Verwerthung kommen musste. Davon legt wohl jeder Paragraph der neuen Grammatik Zeugniss ab. Der Zugang zu den Schätzen unserer mittelhochdeutschen Litteratur ist der gegenwärtigen Generation durch die Hahn-Pfeiffer’sche Grammatik und durch das seiner Vollendung entgegengehende Wörterbuch von Müller-Zarnike nun äusserst bequem gemacht; von den Schwierigkeiten, die sich demjenigen, der in den zwanziger Jahren sich dem Studium unserer mittelhochdeutschen Classiker widmen wollte, entgegenstellten, hat die Jetztwelt keine Ahnung — vielleicht aber auch nicht von der Freude, mit der man sich damals, besonders auf Anregung der in vielfacher und vorzugsweise in dieser Beziehung hoch verdienten sogenannten romantischen Schule, in diese damals recht schwierigen, nun so sehr erleichterten Studien versenkte. Man wird bei der Lecture mittelhochdeutscher Werke schwerlich auf eine Erscheinung stossen, die man nicht mit Hülfe der Hahn-Pfeiffer'schen Grammatik sich erklären könnte. Die Heranziehung der vorhergehenden Sprachstufen geschieht in der knappesten Weise und kann den Anfänger nirgend verwirren. Selbst die Hindeutung auf die drei Sanscritwurzeln der drei Stämme unseres Hülfsverbums sein ist ganz an der Stelle. Der für die mittelhochdeutsche Grammatik unentbebrliche Abschnitt über die Metrik ist klar und auch für eingehendere Studien vollkommen ausreichend. Mit Recht erklärt sich Pfeiffer gegen das in einigen neueren Ausgaben eingehaltene Verfahren die stummen Vocale fortzulassen, um das Lesen nach Hebungen zu erleichtern. Es kommen dann Formen zum Vorschein, „die das Auge beleidigen und das Verständniss erschweren.“ Bei der Durchsicht dieser Grammatik drängt sich von neuem der Gedanke auf, dass es in der That bedauerlich ist, dass der Unterricht in Mittelhochdeutschen in den Organismus unserer Gymnasien immer noch seine rechte Stellung nicht gefunden zu haben scheint. Der Grund dafir liegt wohl darin, dass in Secunda – und anderswohin kann es nicht untergebracht werden – der neue Gegenstand zu unvermittelt und zu fremdartig an die Schüler herantritt, als dass er Lust zu weiteren eigenen Studien erwecken könnte. Abhülfe kann nur dadurch geschafft werden, dass schon von den unteren Classen an einer geschichtlichen Grammatik im Deutschen C’nterricht vorgearbeitet wird; die neu erschienene Schwarz'sche Grammatik (Berlin 1866) scheint uns dafür ein höchst brauchbares Hülfsmittel zu sein.

Ein eigenes Lehrbuch der mittelhochdeutschen Sprache für Gymnasien liefert nun Thurnwald. Es enthält eine Laut- und Formenlehre, dann lesestücke und ein Glossar. Der Verfasser berichtet, dass Pfeiffer die Herausgabe dieses Buchs durch eine Recension in der Zeitschrift für Östreichische Gymnasien wenigstens beschleunigt habe, in welcher Recension das Hauptgewicht des mittelhochdeutschen Sprachunterrichts auf Gymnasien auf die Lecture des Nibelungenliedes und der Gudrun gelegt worden sei. Der Her ausgeber giebt demgemäss ausführliche Auszüge aus dem Nibelungenliedenach Zarnke, 520 Strophen; dann „Lieder von Gudrun nach Müllenhoff's Kritik ed. Hahn 1853,“ im Ganzen 106 Strophen; 6 Lieder von Walther von der Vogelweide nach Lachmann, 5 Stücke aus Vridank's Bescheidenbeit nach W. Grimm, und eine Predigt von Berthold von Regensburg nach F. Pfeiffer. Wenn man auch mit der Answahl der Sticke, die etwa Stoff für die Klassenlectüre eines Jahres gewähren, zufriedlen sein kann

es bleibt freilich immer zweifelhaft, ob die Lecture der Gudrun, selbst wie sie nun vorliegt, grade zur Einleitung in das Studium der mittelhochdeutschen Sprache zweckmässig benutzt wird so möchte man doch das Glossar etwas reichhaltiger

die Hauptformen der starken Verba waren wenigstens anzugeben die Grammatik dagegen etwas conciser gehalten wünschen. Die vollständigen Paradigmen allein würden mehr an der Stelle gewesen sein, als die zuweilen wenig genau gefassten Regeln. Das Buch ist nicht grade zum Selbststudium bestimmt und kann, unter Leitung eines kundigen Lehrers gelesen, immerhin gute Dienste thun. Wir wünschen dem Buche schon aus dem Grunde in dem Lande, wo es erschienen ist, eine recht starke Verbreitung, weil es offenbar dort zugleich die Mission hat, deutschen Sinn und deutsche Wissenschaft dem Czechenthum gegenüber aufrechtzuerhalten

und zu kräftigen.

Register zu J. Grimm's Deutscher Grammatik von Dr.

K. H. Andresen. Göttingen. Dieterich 1865. VIII u. 213 S.

Der Verfasser hat dem schwierigen Unternehmen, ein Register zu der Grimm'schen Grammatik zu liefern, grossen und erfolgreichen Fleiss ge

widmet und durch seine Bemübung diesen thesaurus germanicus in bequemerer Weise, als früher möglich war, zugänglich und benutzbar gemacht. Er wird auf ein dankbares Publikum rechnen können. Auch wer in dem Organismus der Grammatik so orientirt ist, dass er im Allgemeinen weiss, wohin er beim Aufsuchen eines bestimmten Artikels oder zur Beantwortung einer bestimmten Frage sich zu wenden bat, wird sich doch vielfach durch dies Verzeichniss gefördert und auch wohl durch die jetzt vorhandenen Zasammenstellungen zu manchen neuen Gedankenverbindungen und erweiterten Forschungen veranlasst finden. Das Register bildet nun einen integrirenden Theil des grossen grammatischen Werks, dem es seinem Formate nach entspricht, und wird sich sicher so weit verbreiten, als dies selber verbreitet ist.

Aesthetische Vorträge von A. W. Grube. Erstes Bänd

chen: Göthe's Elfenballaden und Schiller's Ritterroman zen. 1864. Zweites Bändchen: Deutsche Volkslieder. Vom Kehrrein des Volksliedes. Der Kehrreim bei Göthe, Uhland und Rückert. 1866. Iserlohn, J. Bädeker. x u. 213 S. 306 S.

Diese Vorträge beweisen, dass der Verfasser, obgleich er sich darüber nicht weiter ausspricht, ein klares Bewusstsein davon hat, worauf es bei einem Commentar zu unseren nationalen Dichtungen ankommt. Das äussere Verständniss deutscher Gedichte für deutsche Leser vermitteln zu wollen. kann die Hauptaufgabe nicht sein. Ist dasselbe durch den Dichter selbst erschwert, so ist das ein Fehler und durchaus kein Zeichen für die Vollkommenheit des Werks. Kein vollendetes Kunstwerk, sei es der bildenden Kunst, sei es der Poesie angehörig, soll als Räthsel an uns herantreten: das Vergnügen am Räthselerrathen ein blosse Verstandesoperation - ist ganz etwas anderes als Kunstgenuss. Auch die in dem Titel des vorliegenden Buchs genannten Poesien bedürfen zu ihrem Verständniss keines Commentars, wie man den Ausdruck gewöhnlich versteht; wäre es der Fall

, sie würden niemals geistiges Eigenthum unseres Volks geworden sein, wie sie es sind. Dasjenige, was bei ihnen erklärt werden muss, ist nicht das wahrhaft Werthvolle an ihnen; als ächte Kunstwerke auch die Volkslieder sind es in dieser Hinsicht treten sie in den Gang unseres geistigen Le bens ein, bestimmen in oft uns selbst unbewusster Weise einzelne Momente unsers Denkens und Empfindens, sie werden ein Element unseres eigenen geistigen Lebens. Es verhält sich damit ähnlich, wie mit der Bibel. ächtes Kunstwerk aber bietet der Betrachtung und Empfindung unendlich verschiedene Seiten dar, und darum ist es durchaus nicht abzuweisen, jemand, der den Beruf dazu in sich fühlt, seine Art der Auffassung desselben vorträgt. Der Leser oder Hörer mag dadurch auf neue Seiten des Kunstwerks, die grade ibm noch nicht aufgegangen waren, aufmerksam gemacht werden und das Werk selber dadurch neuen Reiz für ihn, neue Bedeutung für sein inneres Leben gewinnen. Wohl aber verlangen wir von einem solchen Erklärer, dass er von seinem Gegenstande begeistert, dass er in sich klar und wahr und jedem Streben nach Schein fern sei, und dass er selber eine eigenthümlich ausgebildete, schöne geistige Persönlichkeit dar. stelle. Dem Poeten wie dem Propheten wie dem Künstler ist ein solcher Erklärer innerlich verwandt; wenn ihn diese Verwandtschaft nicht hinzieht, schreibt er sicherlich keine Commentare oder sonstige Erklärungen. Sie sind selten, diese Erklärer, auf allen Gebieten der Kunst: es werden über Kunstwerke unendlich viel Phrasen gemacht, unendlich viel Plattheiten zu Tage gefördert. Wir können unserem Commentator kein grösseres Lob zuertheilen, als dass wir behaupten: er sei ein rechter Erklärer der von ihm in dem vorliegenden Buche behandelten Poesien.

wenn

Es folgt aus dem Gesagten, dass eine Erklärung von Poesien oder sonstigen Kunstwerken in dem bezeichneten Sinne, wenn sie den Hörer oder Leser innerlich fördern soll, immer zugleich einen subjectiven Charakter an sich tragen muss. Das ist auch bei dem vorliegenden Buche der Fall. Aus diesem Buche lernen wir, wie ein Mann, der sich mit Vorliebe in die Betrachtung und in den Genuss der Natur versenkt, der ferner erkannt hat, dass die Natur, wie Schleiermacher einst sagte, „in tausend zarten und erhabenen Bildern gleich einem Zauberspiegel unsers Wesens Höchstes und Innerstes auf uns zurückstrahlt,“ wie ein solcher die Goethe'schen und Sebiller'schen Balladen und das Volkslied betrachtet und die in diesen Poesien behandelten ethischen Probleme gleichsam vom Boden der Natur aus auffasst. Offenbar stehen ihm die Goethe'schen Dichtungen näher als die Sebiller'schen. Jene zeigen einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Volksliede, wie sie ja auch vorzugsweise auf Herder’sche Anregungen zurickzuführen sind. Schiller dagegen steht, wie sich schon aus seiner Recension der Bürger'schen Gedichte ergiebt, dem Volksliede ganz fern. Seine Romanzen und Balladen es fehlt eigentlich der rechte Name für diese ganze Gattung der Poesie; selbst nach den Auseinandersetzungen unseres Verfassers passt weder der eine noch der andere Name auf diese Schiller'schen Dichtungen

sind Vorklänge, wenn man will: Vorstudien und Vorübungen zu seinen vollendeten Dramen, stammen also aus einer ganz anderen geistigen Disposition als die ist, aus welcher das Volkslied und die Goethe'schen derartigen Dichtungen hervorgegangen sind. Für sie hat die Bürger'sche Leonore gewiss die Bedeutung nicht gehabt, die der Verfasser ihr für die Entstehung der Goethe’schen und Schiller’schen Balladen und Romanzen zusprechen will. Diese Differenz, auf welche der Verfasser eben kein grosses Gewicht legt, macht sich doch auch in dem Buche von Grube fühlbar. So schön die Abhandlungen über die Schiller'schen Gedichte an sich sind, so lebendig mit seinen Erklärungen das in ihnen waltende äussere und innere Leben uns vor die Seele tritt, wir können doch nicht umhin, die Ausführungen über den „Erlkönig“ und den „Fischer“ höher zu stellen. Beiläufig gesagt, hat es uns nie recht einleuchten wollen, Warum man, auf ein Wort Goethe's sich beziehend, immer wiederholt, dass der Gegenstand der letzteren Ballade nicht gemalt werden könne. Gefühle an sich kann man freilich nicht malen, wir trauen aber der Malerei zu, dass sie aus dem Fischer und dem Meerweibe, aus Wasser und Landschaft ein Werk schaffen kann, welches eine ähnliche Stimmung im Geiste des Beschauers hervorruft, wie die aus dem Gedicht hervorgehende ist. Natürlich müsste aber der Gedanke des Lieds und es ist doch nicht blosser Gefühlsausdruck, wie Goethe bei Eckermann sagt in eigenthümlicher Weise in der Seele des Künstlers wiedergeboren werden, und das so entstandene Kunstwerk würde dann zu ähnlichen Betrachtungen auffordern, wie etwa die Laokoonsgruppe in ihrem Verhältniss zu der Dichtung Virgil's.

Dass in der Abhandlung über das deutsche Volkslied der Verfasser sich srecht in seinem eigentlichen Elemente bewegt, kann nicht überraschen. Wir halten seine Auseinandersetzung für das beste, was seit Herder über diese Poesien geschrieben ist und man liest die mitgetheilten Lieder unter dem Eindruck der Bemerkungen des Verfassers mit erneutem und erhöhtem Interesse. Ausgeht er dabei vom Hildebrandsliede, das er nicht nach Caspar von der Roen, sondern in einer dem ächten Volksliede näher stehenden Form nach einem Frankfurter Liederbuche von 1582 mittheilt. Doch setzt er das Verhältniss desselben zum althochdeutschen Liede des achten Jabrbanderis eingehend auseinander. Er verfolgt dann dic verschiedenen Phasen

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