Page images
PDF
EPUB

Lieder und Pasquille

aus dem 16. Jahrhundert.

Bl. 34 Titel der Chronik: Historische Erzöllung etlicher Copia und Abschriften, darinnen klarlich zu sehen des antech ristischen Babsts und seines Anhangs grewliche und erschreckliche bluetdürstige Anschläg und Praktiken wider alle evangelischen Fürsten und Stende der Augsburgischen Confession zuegethan.

Bl. 36: Es werden auch zu disem Büechlein etliche Lie. der, sonderlich und fürnemblich vom Babst, Jesuitern, Cappuzinern, als newen Creaturen und Wunderthiere des Antichrists zue Rom neben andern Sachen mehr begriffen wie zue End des Büechleins in ainem ordenlichen Register kürzlich verfasst und zue fünden ist.

Bl. 4* (1. Blatt nach der alten Bezeichnung): „Bäpstliche Verbindtnuss wider Calvinisten und Lutherischen zue Ferrara im 1586 jar den 12. Juni und im 1598 widerumb renoviert“ u. 8. W.

Bl. 63b: Pasquill auf die Jesuiten : Mysterium von Ceremonien, welche die Jesuiter fürnehmen u. $. w. bis 4b.

Bl. 658 beginnen unsere Lieder, voran das Register.
Ueber den seiner Zeit weltberühmten Streit und Augsburgischen

wegen des Dr. Georgen Miller sind mir zwei Schriften bekannt, die den Thatbestand anzeigen:

1) Augsburgische Händel, so sich dasselbsten wegen der Religion, vnd sonderlich jüngst vor zwei Jahren im wehrenden Calenderstreit

Handel

mit Georgen Müller, dem Pfarrer und Superintenten dasselbs zugetragen. Sampt notwendiger Rettung der Unschuld vnd Ehren – beschrieben durch Doctor Georgen Müller, Professoren und Cancellarium bei der löblichen Vniversitet, auch praepositum in der Stiftskirchen zu Wittemberg. Gedruckt bei Matthes Welack. a. 1586. 40 und 1 Ausgabe kl. 80 v. selbig Jare.

2) Der Herren Pfleger und geheimen Räth der heiligen Reichsstatt Augsburg. Warhaffter Gegenbericht der Augsb. Händel und gegründte Widertreibung Dr. Georg Müllers nechstverschinen 1586. Jars in Druck ausgestreuten famos Gedichts. Getruckt zu Augspurg durch Valentin Schönnigk, auf vnser Frawen Thor. 1587. 40.

Die Papierhandschrift, der diese Lieder und Pasquille entnommen sind, stammt theils aus dem Schlusse des 16., theils aus dem Anfange des 17. Jahrhunderts, in 4° von guter Hand geschrieben; trägt den Titel „Augsburger Chronik“ und die No. 11 der Stadtbibliothek zu Augsburg, deren Eigenthum sie ist. Der ganze Inhalt ist streng antipäpstlich und die Sprache ganz dieselbe, wie wir sie aus einem grossen Theil der bis jetzt gedruckten und noch ungedruckten pasquillartigen Schriftstücke kennen und müssen getreu auch so im Abdruck wiedergegeben werden. Diese unsere Sammlung bildet ein abgerundetes Ganze und schon aus dem Grunde war es mir nicht recht, einige bereits gedruckte aber seltene Lieder weglassen zu müssen. Auf der Rückseite des ersten Einbanddeckels ist das Bild Dr. Georg Millers, ein colorierter Holzschnitt. Bl. 1o: Abbildung des ehrwürdigen und Hochgelehrten Herren Georgen Millers, der bl. Schrift Doctorn, gewesenen Pfarrherrn und Superintenten der Evangelischen Kirchen in Augsburg zu St. Anna (seindt Reimen)

Zu Augsburg er geboren war
Als man gezelt hat tausend Jahr
Fünfhundert achtundvierzig eben
Als Teutschland thet in Nöten schweben
Kriegshalber und der falschen Lehr
das Interim als flog daher ;
Nemblich ein Brieff der 20 Ellen lang
und 10 Ellen braitt forttrang.
Ein Fluech der gieng durchs ganze Land
da Menschen List den Brieff erfand !
Gott gäb wieder bald frid und rhue
dass Teutschland nahm an Künsten zue;

Weil er ein Ingenium
Thet man ihn zum Studieren drumb.
Er fuhr fort in der Lernung fein
Im Griechischen und im Latein.
Im Hebreischen desgleichen.
In künnsten thet er keinem weichen;
drei Hochschuelen hat gesehen er;
Er gab sich auf die göttlich Lehr
Gehn Augsburg her, er ward vociert
zum Prediger auch promoviert
zum Doctor hernach 7 jahr.
Im Predigtamt syn zwelfen war
Der Pabst in grosse Gfahr jn bracht
Doch rettet ihn Gott durch seine Macht.
Des preisst er ihn sein Leben lang

Und singet ihm sein Lobgesang. Pro patria Molitor Christi per verba loquutus, exilium Lingua lampa nefanda tulit.

Bl. 10: Der Jesuiter artt und Wolfsbelz.
Anfang: Ain Dieb und Wolff nach Christi Art

Raubt nur dass er stehle, würg und Mord.
Bl: 24: Vill guets zwar der Jesuit verspricht

doch glaub dem Meuchelmörder nicht.
Bl. 26: Was die Jesuiter meiden sollen

„Des Namen Jesu sich zu entfalten
Das weldtlich Regiment nicht verwalten
Und fliehen den grossen Reichtum und Geitz“ u. s. w.

4 Strofen.

I. Ein kläglichs Lied. Von dem betruebten Zustandt des Er

würdigen Hochgelehrten Herren Georgii Miller Doctor und Pfarrherr der Evangelischen Kürchen bey Sta. Anna zue Augspurg nemblich wie listiglich Er umb der bekandten Warhait willen und seiner Schäfflein Hail willen gefangen und doch durch die gewaltige Hilff Gottes widerumb wunderbarlicher Weiss auss seiner Feind Handt genummen und

erlöst worden. Einer Christlichen Gemain in disen gefahrlichen Zeiten der Verfolgung

zu sonderm Trost gestelt.
Inn der Melodey: Wo Gott der Herr nit bey vnns bält f.

1.
Wa es Gott nit mit Augspurg hält
weil ire Feinde toben

Unnd der Christen sach nit zue felt
im Himmel hoch dort oben,
Wo er der Warhait schuz nit ist
und selb bricht der Verfolger List,
So ists mit uns verloren.

2.
Was des Teifels Werkhzeug anfacht
soll uns billich nit schröckben,
Vill falsch anschläg hat er erdacht,
Doch thuet sie Gott entdeckhen,
Da sie es Weisslich griffen an,
Da gieng Gott ein andere Ban,
es stehet in seinen Händen.

3. Sie Wietten fast und fahren her Und wöllen gar verschlingen Die Christlich gmain und Kürchen Lehr, Doch soll es in misslingen; Wie möres wöllen sye einher gon, nach Leib und Leben sie uns stohn, Des wirdt sich Gott erbarmen.

4. Augspurg die hochberüembte Statt Durch Gottes Wort und Predig, Auss Irrthumb Gott erlöset hat Unnd wider gemacht ledig. auss des Babsts gefengknus mit Zwang Inn der wir seindt gelegen lang, mit Blindtheit ganz umbgeben.

5. Trewe Arbaiter sendet er, Zue Pflanzen sein Weingarten, Die theten sich bemiehen sehr, fleissig dem aufzuwarten; Des Euangeli Gottes wort, Der Seelen schatz und höchsten hort mit grundt sie theten lehren.

6. Darwider schry des Babsts hauff sehr, es wer in allen Lannden von aussgang diser falschen Lehr vill gehs ungliekh entstanden.

Als Pestilenz, theurung und Mordt,
Derhalben man das Göttlich Wort
mit dem Schwerdt soll vertreiben.

7.
Die rechte Kirch wolten sie sein,
mit grossem gwalt sich fürzogen
hoch Gaistlichkait in falschem schein,
vill herzen sie betrogen.
Wer ir Lebr nit wolt nemmen an,
Derselb muss unnder des Babsts Ban
vill gfahr mit Noth erleiden.

8.
Das Göttlich Wort mit hellem klang
schlueg das Babstumb ernider,
iedoch der Teüffel, die alt Schlang,
erweckht die Jesuwider;
die muesten preisen des Babsts stuel,
das er nit gar zue Boden fuel,
mit Iren süessen worten.

9.
In sanfftmueth, diemüetiger gstalt
in das Teutschlandt sie kamen,
an grossem guet, Reichthumb vnd gwalt
von Tag zu Tag zunamen.
Durch Teüffelische werkh vnd kunst
wöllen sie Innen machen gunst;
Vor Gottes wort sie wichen.

10.
Ein rathschlag machten sie in Summ,
die Christlich Lehr zu stürzen,
jedoch das Euangelium
kundten sie nit verkürzen.
Dan Gott het sein König gesetzt
Auf Zion, da in niemandt letzt,
das ist sein hailiger Berge.

11.
Auf die Thüren der Gottes Statt
unnd auf die hohen mauren
fleissig wächter Gott gestellet hat,
So auf den feindt thuen lauren;
Die geben von sich einen hall,
ir stimm erheben sie im schall

wider der welt verdriessen. Archiv f, n, Sprachen. XL.

23

« PreviousContinue »