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seine Strafe abzubüßen. Über Fürsprache des Erzherzogs Carl wurde ihm im Jahre 1808 der Rest der Strafe nachgesehen. Mack ließ sich nun in St. Pölten nieder, wo er am 22. October 1828 starb.

In der Seeschlacht bei Trafalgar (21. Oct. 1805) hatte der berühmte englische Admiral Nelson die stärkere französisch-spanische Flotte zwar besiegt; allein der Sieg war durch den Tod des Helden Nelson theuer erkauft worden. Durch die Schlacht bei Trafalgar war die Seemacht Frankreich s vernichtet worden, weshalb auch N a poleon den ungleichen Kampf zur See vollkommen aufgab.

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Keine Armee kann der Spione entbehren; denn einfache Recognoscierungen genügen nicht, während die Nachrichten der sogenannten Spione jedem Feldherrn die jeweilige Situation sofort aufklären.

Deshalb pflegte auch Napoleon die Spionage eifrigst. Er hatte den Grundsa: „Es ist gut, den Feind zu kennen, doch besser, ihn zu verwirren.“ Die Spione Napoleons schlichen sich listig in das feindliche Lager und überbrachten den feindlichen Führern Berichte, welche ihnen früher Napoleon selbst dictiert hatte und suchten durch Trug deren Vertrauen zu gewinnen. Dem Napoleon diente die Wahrheit ebenso wie – die Lüge. „Bonaparte war wider alle Vermuthung eines jeden edlen Gefühles bar und durchaus rücksichtslos; er that, was er konnte, um ohne Rücksicht auf sittliche Grundfäße zu leben und Vortheile zu ziehen“, bemerkt mit Recht R. W. Emerson.

Der Hauptspion Napoleons war Karl Ludwig Schulmeister. Sein Name ist gewissfalsch, der Adel, den er sich beizulegen pflegte, mehr als zweifelhaft. Schulmeister wurde im Jahre 1770' in Baden geboren und genoss eine sorgfältige Erziehung. Er sollte ursprünglich Kaufmann werden; allein die Sucht, bald reich zu werden, lenkte ihn auf eine andere Bahn.. er wurde Schmuggler. Als Schmuggler hatte er die beste Gelegenheit, sich auf seinen späteren... Spionierdienst vorzubereiten.

Am 30. September 1805 ereignete sich, bevor Napoleon Straßburg verließ, im Residenzschlosse folgender Vorfall.

General Savary, Chef und Leiter der Kunde schaftsabtheilung und der Armeepolizei, wurde frühmorgens zum Kaiser beschieden.

„Ich benöthige einen zu einer sehr wichtigen Mission geeigneten und verlässlichen Mann.“

„Sire, ich kenne einen äußerst geschickten Mann.“
,,Wer ist er ?"
„Ein gewesener Schmuggler.“
„Nicht geeignet !" entgegnete Napoleon rasch.

„Gestatten, Majestät, die Bemerkung, dass er ein intelligenter und gebildeter Mann ist.“

„Nun dann lasse ihn kommen !'Ich will ihn sehen !" „Sire, es obwaltet ein kleines Hindernis.“ Welches ?"

Der Mann befindet sich in Schuldenhaft.“ „Schlechte Empfehlung !"

„Er unternahm im Vorjahre unter der Maske eines Tabakfabrikanten eine Reise nach Wien, um die dortigen Verhältnisse kennen zu lernen; dazu borgte er Geld. Obwohl er vor zwei Monaten seinen Garten um 4000 Francs verkaufte, konnte er dennoch nicht die ganze Schuld tilgen und befindet sich wegen des Restes in Hoft.“

„Er mag kommen !"

Da wird in den Audienzsaal ein feiner Herr eingelassen, der dem Kaiser seine Dienste als Spion anbietet.

„Wer hat Sie empfohlen.“
„, Niemand, Sire! Ich empfehle mich selbst !"
,,Dann kann ich Sie nicht brauchen !"

"Damit kehrte ihm Napoleon den Rücken und trat hinter eine spanische Wand zurück; es war dies das übliche Zeichen, dass der Bittsteller sich zu entfernen habe.

Nach einer Minute trat der Kaiser wieder hervor und erblickte an derselben Stelle, wo der frühere Bittsteller gestanden war, einen fremden Mann.

.: Wie können Sie unangemeldet den Saal betreten? Wer sind Sie?" rief Napoleon. „Verzeihen Sie, Sire, dass ich nicht weggieng, – ich bin derselbe Mann, der Eurer Majestät vor zwei Minuten seine Dienste als Spion anbot."

Napoleon war überrascht.

Der Mann hatte in dieser kurzen Zeit seinen Rock umgekehrt, eine Perrücke aufgelegt und seine Gesichtszüge so verstellt, dass er wie ein bejahrter Mann aussah. Niemand hätte in ihm den früheren Bittsteller erkannt.

Jeßt trat Savary in den Saal.

„Sire !" sagte der General sich tief verbeugend, „das ist mein Empfohlener. Ihin verdanke ich die ersten Nachrichten aus Wien."

„Wie heißen Sie?" fragte Napoleon.
„Karl Ludwig Schulmeister.“
„Sind Sie ein Franzose ?"

Nein, Sire, mein Geburtsort ist Neu-Freistätt in Baden.

,, Aber jeßt hier ansässig ?"
„Ja, Sire!“..

,,Savary“, sprach der Kaiser zum General gewendet, „, bezahle seine Schulden und Du“ – zu Schulmeister gewendet :- „folge mir in mein Arbeitszimmer.“

Von diesem Augenblicke an, besaß der Spion das volle Vertrauen Napoleon's, denn Napoleon dußte nur seine Vertrauten und jene, denen er besonders wohlwollte.

Das Jahr 1805, die Zeit der Hauptthätigkeit Schulmeisters, gieng seinem Ende entgegen. Auf

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Drängen des ungeduldigen England hatten, wie bereits erwähnt, England, Österreich, Schweden und Russland die dritte Coalition gegen Napoleon geschlossen, während Preußen in der bekannten, diplomatischen Neutralität verblieb, um nicht mitwirken zu müssen, ja um gegebenen Falles den Sieger beglückwünschen zu können..

Troß aller Warnungen und begründeten Bedenken, welche Erzherzog Karl, der größte österreichische

Feldherr, erhob, wurde der Krieg an Frankreich erklärt. Was sich in der Geschichte Osterreichs schon so oft ereignete, wiederholte sich auch diesmal : Österreich, mit der ganzen Welt verbündet, blieb in der Stunde der Entscheidung vereinsamt und verlassen. Die österreichische Armee stand in Bayern und wartete die Ankunft des russischen Heeres ab, das noch fünfzig Tagmärsche entfernt war und gemächlich anmarschierte. In dieser entscheidenden Zeit verschuldete Feldmarschall-Lieutenant M a ck, der Oberbefehlshaber der österreichischen Armee in Bayern, das Unglück Osterreichs. Was diesem Manne an Verstand fehlte, wurde durch Eitelkeit reichlich ersekt, so dajs sich Napoleon feinen „, besseren“ Gegner wünschen konnte. Napoleon's Plan gieng dahin, die österreichische Armee vor dem Eintreffen der russischen fampfunfähig zu machen, ein Plan, der vollständig gelang.

In dieser verhängnisvollen Zeit glückte es dem Spion Schulmeister, sich in das Lager Mack's einzuschleichen.

Beim ersten Morgengrauen des 3. Octobers näherte sich Schulmeister, ein weißes Tuch schwenkend, der äußersten Vorpostenfette des österreichischen Lagers und bat um sicheres Geleite ins Hauptquartier, wo er Seiner Excellenz dem Armee-Commandanten wichtige Nachrichten mittheilen wolle.

Schulmeister wurde dem Hauptmanne Wend, dem Commandanten der österreichischen Kundschaftsabtheilung, vorgeführt.

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