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Die Zusammenkunft der beiden Kaiser bei Zarojchik.

Groß war der Verlust an Menschenleben, aber noch größer der moralische Eindruck der Niederlage. Kaiser Franz sollte, so war es vereinbart worden, den siegreichen Corsen um eine Zusammenkunft ersuchen und ihm einen Waffenstillstand anbieten. Diese Zusammenkunft, welche Fürst Liechtenstein gleich nach der Schlacht mit Napoleon im Posorzißer Posthause verabredet hatte, fand am 4. December nachmittags bei der Mühle (, Spálený mlýn“) zwischen Zaroschiß und Nasedlowiß unweit der französischen und österreichischen Vorposten statt.

Kaiser Franz kam mit den Fürsten Liechtenstein und Schwarzenberg von Czeitsch angefahren. Napoleon, der mit zwei Marschällen wartete, gieng dem Kaiser Franz bis zum Wagen entgegen, umarmte den Kaiser und sprach; indem er auf ein Feldzelt nahe an einem Wachfeuer hinwies: „Das sind die Paläste, die Euere Majestät mich schon durch 2 Monate zu bewohnen zwingen."

„Es geht Ihnen aber, mein Herr, unter diesem Obdach ganz ausgezeichnet“, entgegnete Kaiser Franz, „das wahrhaftig kein Grund vorliegt, mir deshalb zu zür nen.“

entfer Mülerz" der Nähe die beiden es eine freuen

Die beiden Monarchen traten in das Zimmer ein, verließen dasselbe jedoch wegen des Gestantes und unter handelten unter freiem Himmel freundschaftlich mit einander; die Untercedung dauerte 1/2 Stunden. Bei dem ehemaligen Teiche, nahe bei den sieben Linden und dem rothen Holzkreuze, befindet sich eine freundliche Niederung. In dieser saßen die beiden Herrscher auf einfachen Holzstühlen in der Nähe eines Feuers. Die zwei Söhne des Müllers standen auf zwanzig Schritte vom Feuer entfernt, um rechtzeitig Holz zulegen zu können, während die Generalität auf Schussweite abseits stand. Napoleon gieng mit Kaiser Franz unter der Bedingung auf einen Waffenstilstand ein, dass die russische Armee die öster-. reichischen Länder in einer ihr vorgezeichneten Richtung eilig verlasse, mit dem russischen Kaiser aber wolle er später selbst den Frieden vereinbaren. Zugleich verlangte Napoleon, Kaiser Franz möge seine Bevollmächtigten sofort zum Abschlusse eines Separatfriedens nach Brünn entsenden.

Eine von den sieben denkwürdigen Linden bei der „, Verbrannten Mühle“ steht heute noch in der Einfriedung des neuen herrschaftlichen Hofes und breitet ihre gewaltigen, schattigen hundertjährigen Äste an der Gödinger Straße aus. Vom Volke wird sie ,, die historische Linde" genannt.

Zur Erinnerung an die Zusammenkunft der beiden Svaiser bei Zaroschiz wurde in Frankreich eine Denkmünze geprägt. Kaiser Josef II. hat auf dem Felde des Landwirtes Anton Trnka eine Furche geackert und die mährischen Stände haben diese That des Kaisers durch ein großes, eisernes Denkmal bei Slawikowiß an der Raußniger Straße verherrlicht. Bei der „Verbrannten Mühle“ nächst Zaroschiß, wo der geliebte Kaiser Franz I. nach der weltberühmten Schlacht von Austerlitz den Waffenstillstand schloss, sucht man aber vergebens auch nach dem unscheinbarsten Denkmale!

Inzwischen hatte Napoleon den General Savar y zum Czaren nach Holitich entsendet, um zu erfahren, ob derselbe der Capitulation, welche Kaiser Franz auch in seinem Namen abgeschlossen hatte, zustimme. General Savary wurde dem Czaren vom Fürsten Czartoryjski vorgestellt.

,,Melden Sie Ihrem Herrn“, sprach der Czar zu Savary, „dass ich abziehe und dass er gestern Wunder gewirkt hat. Dieser Tag hat meine Bewunderung für ihn erhöht; er ist ein Auserkorener, ein Günstling des Himmels und meine Armee braucht noch Hundert Jahre, bis sie der feinigen ebenbürtig sein wird. Ich war zum ersten male in der Schlacht und bekenne, dass es mir bei seinem raschen Manövrieren nie vergönnt war, einer von ihm angegriffenen Abtheilung zu Hilfe zu kommen, weil Ihr überall doppelt so stark waret, als wir.“

„Euere Majestät“, erwiderte General Savary, „sind schlecht benachrichtigt worden. Ihr Heer war um 25.000 Mann stärker als das unsere; übrigens haben sich drei Infanterie-Divisionen an der Schlacht gar nicht betheiligt. Wir haben nur sechs Divisionen in das Treffen geführt. Es ist richtig, dass wir viel manövriert haben, denn dieselbe Division rückte kämpfend nach verschiedenen Richtungen vor und dieser Umstand hat uns während des ganzen Tages vervielfacht. Das gehört eben zur Kriegswissenschaft und der Kaiser, der in der vierzigsten Schlacht war, unterlässt dieses Manövrieren niemals. Er könnte aus den Truppen, die nicht im Feuer waren, noch eine ebenso zahlreiche Armee, wie solche vorgestern fämpfte, aufstellen und gegen den Erzherzog Karl vorrücken lassen, wenn nicht schon alles beendet wäre. Übrigens hängt das von Eurer Majestät ab.“

„Worum handelt es sich denn ?" fragte Alexander.

„Ich möchte gerne erfahren, ob Euere Majestät die Vorschläge, über welche sich der österreichische Kaiser mit Kaiser Napoleon geeinigt haben, annehmen, insoweit sich dieselben auf Ihre Person beziehen.“

„Ja, ich nehme sie an“, entgegnete Alexander. „Wenn der österreichische Kaiser mit allem, was ihm versprochen wurde, zufrieden ist, bin ich es auch, da ich feine besonderen Wünsche hatte.“

„Der Kaiser hat mir aufgetragen, zu bemerken, dass er wünscht, dass die Truppen Euerer Majestät die österreichischen Länder auf dem kürzesten militärischen Wege verlassen und täglich eine solche Strecke Weges zurücklegen, die sonst auf Märschen zurückgelegt wird."

„Nun, es sei, ich willige ein“, entgegnete Alexander. „Aber welches Unterpfand verlangt Ihr Herr und welches Unterpfand wird mir geboten, dass Ihre Truppen, während Sie hier weilen, keine feindselige Bewegung gegen mich unternehmen werden? Bin ich gesichert ?"

,, Der Kaiser hat diese Einwendung vorausgesehen.“

„Wohlan, welche Garantie verlangt er von mir ?" ,,Der Kaiser hat mir befohlen, Euerer Majestät das Ehrenwort abzuverlangen, und angeordnet, mich nach Empfang desselben zum Corps des Generals Davoust zu begeben, damit dieser seine Bewegungen einstelle.“

„Ich gebe Ihnen das Ehrenwort“, entgegnete Alexander befriedigt, „und werde sofort alles veranlassen, worüber wir uns geeinigt haben.“

Czar Alerander reiste in der Nacht vom 4. auf den 5. December von Holitich ab. Die Truppen Aleranders

- Artillerie und Bagage waren verloren – befanden sich in einer fürchterlichen Unordnung. General Merweldt war vom Marschall Davoust bereits von Göding zurückgedrängt und die Russen von allen Seiten eingeschlossen worden. Am 7. December zogen die Russen in drei Colonnen in ihr Vaterland zurück.

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Am Abende vor der Schlacht von Austerliß, dem ersten Jahrestage der Erhebung Napoleons zum Kaiser, hatten ihm seine Truppen einen seltenen Strauß, aus vierzig in Schlachten erbeuteten Kriegsfahnen gebildet, überreicht. Dafür dankte nun Napoleon nach der Schlacht von Austerliß, die seine vierzigste und gelungenste war, feinem tapferen Heere in einem besonderen Tagesbefehle, der, in der begeisterten Stimmung des erfreulichen Sieges geschrieben, allerdings zahlreiche Unrichtigkeiten enthält und folgenden Wortlaut hat:

„ Austerliß, am 3. December. Soldaten!

Ich bin mit Euch zufrieden. Ihr habet am Austerlißer Tage alles, was ich von Euerer Unerschrockens heit erwartet habe, erfüllt. Ihr habet Euere Adler mit unsterblichem Ruhme geschmückt. Eine Armee von 100.000 (?) Mann, geführt vom russischen und österreichischen Kaiser, war in 4 Stunden zersprengt oder vernichtet. Was Euerem Schwerte entgieng, ertrank in den beiden Teichen. (?)

Vierzig Fahnen, die Fahne der russischen Garde, 120 Geschüße, 20 Generale, mehr als 30.000 (?) Gefangene .. das ist der Erfolg dieses ewig denkwürdigen Tages. Die so gerühmte russische Infanterie war trok ihrer Überzahl nicht imstande, Euch zu widerstehen und

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