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Eine ähnliche Kundmachung wurde auch in der Chirlißer Herrschaft verlautbart und erliegt ein genaues Verzeichnis der abgelieferten Waffen im Chirlißer Archive.

Die lezten Franzosen marschierten aus der Brünner Gegend am 12. Jänner 1806 ab, um sie im Sommer des Jahres 1809 wieder heimzusuchen.

Dem Brünner Bürgercorps, welches während der Anwesenheit der Franzosen in Brünn eine besondere Tapferkeit und Treue an den Tag gelegt hatte, widmete der Kaiser ein wertvolles Band mit der Aufschrift: ,,Der bewährten Treue der Bürger zur Erinnerung von ihrem Landesfürsten Franz I. 1807.“

Wie hätte die Austerlißer ,Sonne“, die Bonaparte - dem Sohne des Arieges über dem Schlachtfelde von Austerliß aufgegangen war, ich winden können aus seinen Träumen und Erinnerungen an einstigen Ruhm, wenn er verbannt, wie ein Rönig gadler im Käfige, am Ufer der unbedeutenden Insel St. Helena stand und seine Blicke gegen Europa ich weifen ließ?

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Am 16. Jänner 1806 veröffentlichte Graf Prokop von Lažansky, Gouverneur von Mähren und Schlesien, bei seiner Rückkehr nach Brünn folgende herzliche Proclamation: Biedere Bewohner Mährens und Schlejiens!

Die Zeit der Duldung ist vorüber, der gütige Landesfürst hat uns den Frieden gegeben. Kein Opfer war ihm zu groß, seine Unterthanen von den Verheerungen des Krieges zu befreien. Ruhe und Ordnung wird nun wieder an Stelle banger Besorgnisse um Erhaltung des Lebens und des Eigenthumes treten. Durch alles belebende Thätigkeit, durch wechselseitige Unterstüßung, durch rastloses Wirken der Regierung, werden die Wunden des Krieges schnell vernarben und bald wird Mähren und Schlesien zu seinem früheren Wohlstande gelangen. Durch Standhaftigkeit in Ertragung so vielfältiger Leiden, durch Treue und Anhänglichkeit an ihren allgeliebten Landesfürsten haben alle Stände, alle Classen der Bewohner Mährens und Schlesiens neuerdings den Beweis gegeben, dass der patriotische Geist ihrer Voreltern, Gut und Blut für ihren Fürsten und das Vaterland willig zu opfern, in ihnen fortlebe.

Augenzeuge war der beste Landesfürst von Euerer Unverdrossenheit in allen Leiden, von Euerer Bereitwilligkeit in der oft so beschwerlichen Herbeischaffung der

Lebensmittel für die vereinigten Armeen, von jo manniga faltigen Beweisen Euerer Treue und Anhänglichkeit an Seine geheiligte Person. Euer geliebte Kaiser sah seine unerschütterlich treuen Mährer und Schlesier selbst handeln.

Der schönste Lohn ward Euch zu Theil, denn nie wird das Andenken an Euere Treue in seinem Vaterherzen erlöschen. Dies, edle, hiedere und freue Bewohner Mährens und Schlesiens, dies und thätige Hilfe sich er e ich Euch auf Befehl im Namen des besten Fürsten zu. .

Noch mitten im Geklirre der Waffen traf der um das Wohl seiner guten Unterthanen rastlos besorgte Landesfürst alle Anstalten, durch ergiebigen Nachschub aus angrenzenden Ländern, durch Erleichterungen der Communicationen, den gewöhnlichen Folgen eines verheerenden Krieges, dem Mangel und einer übermäßigen Theuerung, zuvorzukommen. Sein erster Gedanke nach geschlossenem Frieden war, Linderung der Leiden seiner guten Unterthanen, sein erster Befehl, ihn in die genaue Kenntnis der Lage, der Bedürfnisse seiner treuen Mährer und Schlesier zu feßen, wo augenblickliche Hilfe nothwendig ist, diese schleunig zu leisten, wo keine Gefahr am Berzuge haftet, ihm die Mittel zur Herstellung Eueres Wohlstandes vorzuschlagen.

Edle, hiedere Mährer und Schlesier! Wer von Euch vergisst bei diesen Beweisen der Sorgfalt, der Liebe Eueres Landesfürsten, nicht seine überstandenen Leiden ! Wer von Euch sieht nicht ruhig einer heiteren Zukunft entgegen! Wer von Euch fühlt nicht neue Kraft, neuen Muth zur Beförderung des allgemeinen Wohlstandes, zur Únterstüßung seiner härter bedrückten Mitbürger alles anzuwenden!

Schon habe ich die Befehle des besten Landesfürsten erfüllt. Schon habe ich eigene Commissäre, in deren Eifer, Kenntnis und Kedlichkeit ich das voll

kommenste Zutrauen seßen kann, abgesendet, den Zustand, in welchem sich Bürger und Unterthanen befinden, genau zu erheben, dort, wo Hilfe schleunig nöthig ist, mir die Anzeige zu erstatten. Doch ehestens werde ich jene Gegenden, welche mehr gelitten haben, selbst bereisen und mit Zuversicht kann jeder Nothleidende schleunigster Hilfe gewärtig sein.

Mit eben dieser Zuversicht erwarte ich aber auch von den biederen Bewohnern Mährens und Schlesiens, dass nur wirklich Nothleidende Hilfe suchen, dass sie willig meinen Anordnungen wechselseitiger Unterstüßung

Folge leisten, dass sie mit Vergnügen alles anwenden werden, mich in der Ausführung der Befehle des besten Landesfürsten zu unterstüßen, dass ich durch ihr Zuthun im Stande sein werde, den schönsten Lohn meiner Bemühungen, die Wohlfahrt jedes Einzelnen und des Ganzen zu befördern, zu erreichen.

Brünn, den 16. Jänner 1806. Auf Sr. f. auch k. f. Majestät eigenen Befehl.

Prokop Graf von Lažansky,

Mährisch-Schlesischer Landesgubernator.“

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Anhang.

Die Epilepsie Napoleons I.1)

Die sonderbare Theorie des berühmten italienischen Arztes, des Professors Cesare Lombrojo, nach welcher die Fallsucht oder. Epilepsie die eigentliche Grundlage und Ursache des Genies nach seiner guten und schlechten Seite ist, dürfte vielen Lesern bekannt sein. Die Lebensgeschichte Napoleons foll diese Theorie angeblich vollkommen rechtfertigen.

Die Epilepsie Napoleons scheint ererbt gewesen zu sein. Es ist allgemein bekannt, dass Kinder diese Krankheit von trunksüchtigen Eltern erben. Nun war der Vater Napoleons — Carlo Bonaparte — diesem Laster ergeben und starb noch jung (39 Jahre alt) an einer krebsartigen Krankheit. Seine Schwestern und besonders Pauline waren sittenlos, sein Bruder Lucian war geizig, selbstsüchtig und dabei sinnlich, seine Mutter – Maria Lätitia Ramolino – dagegen ernst, entschlossen, verständig, aber herrschsüchtig.

Napoleon war von kleiner Gestalt; er war etwa 1.59 m hoch, hatte dagegen eine Armspanne von 1.67 m Sein Schädelumfang betrug 0:56 my die Schläfe waren

1) „Deutsche Revue“ 1898, S. 60—73.

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