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eingedrückt, der Unterkiefer, die Backenknochen und Augenhöhlen waren ungewöhnlich groß; seine Beine waren verhältnismäßig kurz und der Kopf in die Schulterblätter eingeklemmt. Es bot also schon der Körper Rennzeichen der Fallsucht.

Napoleon litt an einer merkwürdigen überreizung der Empfindung, weshalb er sich Bett und Zimmer bis Juni wärmen ließ. Sein Geruch war ungewöhnlich scharf ; er litt sehr häufig an einseitigen Kopfschmerzen, fühlte jeden Witterungsıvechsel voraus und war äußerst reizbar, zumal bei trockener und heiterer Witterung. Auch litt er viel an Muskelzuckungen.

Napoleon hatte schon von Jugend an epileptische Anfälle. So wurde er, als er in der Schule zu Paris zur Strafe für seinen Ungehorsam einen groben Anzug anziehen und knieend essen sollte, von einem so heftigen Krampfe befallen, dass man ihm die Strafe nachsehen musste. Am 10. September 1804 waren die Krämpfe so heftig, dass die Kaiserin Josefine die Anwesenden zu Hilfe rief. Die Beklemmung schwand erst nach einigen Stunden und der Saiser verbot, etwas hierüber verlauten zu lassen. Ein anderesmal wurde er während des Schlafes von Krämpfen befallen; er wand sich im Bette, drohte zu ersticken und schrie; mit Mühe aufgeweckt, erzählte er, er hätte von einem Bären geträumt, der ihn zerfleischt habe.

. Im Jahre 1805 begleitete Talleyrand den Kaiser nach Straßburg und gewahrte, wie dieser einmal nach Tische in das 3:imer der Kaiserin schritt, rasch zurückfehrte, ihn beim Arme ergriff und in ein benachbartes Zimmer zog, wo er wie todt zur Erde sant, nachdem er verwirrt befohlen hatte, die Thüre zu schließen. Wie viele Epileptische hatte auch Napoleon einen schwachen Pulsschlag, 48 Pulsschläge in der Minute, später 60.

Allein viel wichtiger sind die geistigen Anfälle. Daher sollen theilweise Misserfolge in einigen Schlachten, wie bei Borodino, Dresden u. f. w. herrühren. Einige Geschichtschreiber behaupten, dass es genügt hätte, wenn Napoleon bei Borodino seine alte, noch nicht verwendete Garde ins Treffen geführt hätte, um die Schlacht zu gewinnen; obwohl ihn die Generale inständigst darum baten, that er es doch nicht.

Napoleon hatte aber auch vom Epileptiker den vollständigen Mangel an moralischem Gefühle, so dass er, wie der französische Geschichtsschreiber Taine richtig sagt, den Eindruck eines großen Banditen machte.

Als der österreichische Minister Metternich in einer Unterredung mit Napoleon in Dresden bemerkte, dass Frankreich im lekten Ariege 200.000 Mann verloren habe, entgegnete Napoleon: „Was sind 200.000 Menschen für mich ?"

Als er von den unermeßlichen Niederlagen und Verlusten in Russland heimkehrte, ließ er den Franzosen melden: „Der Gesundheitszustand des Kaijers ist nie besser gewesen!"

Schon in der Schule war er zurückhaltend und falsch. Ein Dheim stellte ihm eine glänzende Zukunft in Aussicht, weil er ein Meister der Lüge sei, ein Lob, das ihm später auch Metternich zukommenließ.

Im Verkehre mit anderen war er — ohne Rücksicht auf Stand und Geschlecht – häufig grob, herrschsüchtig und selbstsüchtig. Schon als Knabe schlug er jene Mitschüler, die ihm nicht huldigten, und klagte sie darin an, dass sie ihn geschlagen hätten.

Ausbrüche von Ungeduld und Heftigkeit waren bei ihm wie bei Epileptikern sehr stark. Er verfekte Fusstritte, schlug mit der Peitsche, ohrfeigte sogar seine Generale, zerschlug in der Wuth kostbare Vasen, warf ungepußte Kleider ins Feuer und wehe den Schreibern, die seinen in fliegender Hast hingeworfenen Worten nicht folgen konnten.

Napoleons Intelligenz und Geisteskraft war riesig. Er blieb 10 bis 12 Stunden zu Pferde, schlief kaum 4 bis 6 Stunden und das nicht ununter

marößten Fehler und sich in het aller Warnung stellte den

brochen, weil er bei jedem Signale erwachte, um gleich wieder einzuschlafen und das am Vorabende der Schlacht, die ihn den ganzen Tag im Sattel hielt !

Nicht einmal wandelte ihn nach einem angestrengten Arbeitstage die Laune an, nachts aufzustehen, um mehreren Secretären, die sich wie Schildwachen ablösten, zu dictieren. Von einer Unterredung mit Ministern und Generalen konnte er ohne weiters zum Empfange von Künstlern und Schriftstellern übergehen. „Die Vielheit der Thatsachen, die sein Geist umfasst“, schreibt Taine, „die Vielheit der Ideen, die er ausdenkt und hervorbringt, scheint über menschliches Vermögen hinauszugehen.“

„Ich denke“, hat Napoleon einst von sich selbst gesagt, „viel rascher als alle übrigen Menschen.“

Aber wie alle Epileptiker hatte auch er Augenblicke merkwürdigen Stumpfsinnes, so dass er die größten Fehler im militärischen, politischen und privaten Leben begieng und sich in seinem Handeln widersprach. Troß allen Widerstandes und aller Warnungen entschloss er sich zum Feldzuge gegen Russland; er stellte den katholischen Gottesdienst in Frankreich wieder her und machte den Papst zu seinem Gefangenen; er verweigerte der geschiedenen Frau Gerard den Zutritt zum Hofe, ließ sich aber selbst von seiner Gemahlin Josefine scheiden.

Mit besonderer Bereitwilligkeit und Vorliebe spielte er die Rolle eines Ehevermittlers; er verheiratete die Söhne seiner Generale, Gouverneure, ja auch der Diener feines Gefolges.

Für Malerei war er mit völliger Blindheit geschlagen; er kaufte und schäfte den Wert der Bilder nach Metern ab. Auch war Napoleon stark abergläubisch. Er glaubte an einen Stern, der ihn führe, den Freitag betrachtete er als einen Unglückstag, er bangte für das Leben Josefinens, als er das Deckglas eines Porträts von ihr zerbrach, er suchte für die Schlachten günstige Tage aus und konnte, auch wenn er sich an der Spiße einer Armee befand, keine Straße passieren, ohne die Zahl der Fenster und Häuser zu zählen; auf St. Helena endlich hatte er große Angst vor einem Kometen. So viel über die Epilepsie Napoleons.

Wenn es wahr sein sollte, dass auch Julius Caesar, Petrarca, Peter der Große, Mohammed, Richelieu, Karl V. Epileptiker waren, dann wäre die Epilepsie keine A us n ahme, sondern Regel bei genialen Männern!

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Es war ein trüber Novembertag. In Gedanken versunken schritt ich mutterseelenallein auf der im Zickzack sich hinwindenden Straße. Ich achtete nicht der Landleute, die mir zuvorkamen, schritten wir doch alle demselben Ziele zu, .. dem Friedhofe, denn es war ja eben Allerseelen!

Mein Gott! Es ist ja doch keiner unter uns, der nicht das Hinscheiden eines theueren Lieben, der längst innerhalb der Friedhofsmauern ruht und schlummert, zu betrauern, zu beklagen hätte ! Darum pilgert jeder, der nur kann, an diesem ernsten Tage hinaus auf den stillen Friedhof, um seine theueren Verstorbenen zu besuchen, ihr Grab zu schmücken, zu beleuchten und für ihre Seelenruhe zu beten.

Und dennoch, — Gott sei es geklagt — fenne ich einen Friedhof, einen weiten Friedhof, an vier Wegstunden lang und zwei Stunden breit, einen Friedhof, auf dem Tausende ruhen, Söhne, Brüder, Väter ... aber niemand schmückt ihr Grab, niemand beleuchtet ihr Grab, niemand betet an ihrem Grabé..! Es sind dies die vergessenen Gräber der Gefallenen auf dem weiten Schlachtfelde von Praße - A usterliß!

Leichenfeld von Praße ... geheiligte Stätte!

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