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Geheiligt erscheinst du auch deshalb, weil der himmlische Vater allein sich um dich fümmert, da die Welt der hier Gefallenen so bald, gar so bald vergessen hat!

Vor etwa 18 Jahren war von irgend einer Seite die Nachricht verbreitet worden, dass die sterblichen Überreste der in dem leßten russisch-türkischen Kriege gefallenen Russen in Bulgarien irgendwie verunehrt worden sein sollten.

Die bulgarische Regierung wies eine derartige Zumuthung sofort mit Entrüstung zurück. Durch ganz Russland aber tönte der Ruf hin: „Erhumieren wir unsere Gefallenen, bringen wir ihre Gebeine nach der Heimat, begraben wir sie würdig in vaterländischer Érde !"

In solche und ähnliche Gedanken vertieft, schritt ich langsam über das Schlachtfeld und gelangte zum freundlichen Kirchlein von Praße. Eben verklang in demfelben, begleitet von traurig ernsten Orgeltönen, der rührend schöne Bittgesang :

„Requiem aeternam dona eis, Domine,
Et lux perpetua luceat eis ! «
,,Gib ihnen, Herr, die ewige Kuhe
Und das ewige Licht leuchte ihnen !"

Mächtig ergriffen, kniete ich im Kirchlein nieder, um auch der Gefallenen im Gebete zu gedenken : „Helden, gefallen in dieser Schlacht, Schlafet selig im Frieden! Ewige Ruhe sei Euch beschieden, Ewiges Licht leucht' Euch nach des Grabes Nacht.“

Ich kehrte still nach Hause zurück. Aber noch einmal wandte ich mich um, grüßte daš stille, weite Leichenfeld und sprach: ,,Ruhet in Frieden! Wir werden Euch ein Denkmal und Ar e uz errichten, damit Ihr unter dem Schatten des Kreuzes ruhet bis zum jüngsten Tage!“

Unwillführlich erinnerte ich mich jener rührenden Begebenheit, als unser allgeliebte Kaiser Franz Josef I. am Allerseelentage des Jahres 1866 das Schlachtfeld von Königgräß, welches mit Denkmalen verschiedenster Art bedeckt ist, besuchte. ,,Da hat Seine Majestät geweint“, erzählte der alte Kirchendiener von Chlum, als wir an seiner Seite durch die Kirche schritten. „Am Allerseelentage 1866 war er da, ja, im selben Jahre gleich war er da und lang war er da und lang hat er da gebetet. Dort hat er geknieet und geweint... Und wie er hinausgegangen ist aus der Kirche, da haben wir alle geweint, weil er so geweint hat, unser gute Kaiser.“

Und wer von uns sollte auf dem Schlachtfelde von Austerlik nicht mächtig ergriffen und schmerzlich berührt werden bei dem Gedanken, dass kein einziges Denkmal, kein einziges Kreuz auf dem weiten Friedhofe um Praße zu finden ist!

„Die siegreichen Franzosen sollen dort ein Denkmal errichten“, entgegnete uns jemand, um uns zu beruhigen und zugleich abzufertigen. Das ist wohl richtig, nichtsdestoweniger aber glauben wir, dass das Werk leiblicher Barmherzigkeit, Todte zu begraben“, vom göttlichen Erlöser allen Menschen gegeben worden ist. Und wenn der Tod für das Vaterland als der schönste gepriesen und besungen wird, dann ist es gewiss auch heilige Pflicht aller Patrioten, den für das Vaterland Gefallenen ein dankbares Andenken zu bewahren und ihre Gräber in würdiger Weise zu pflegen!

Als ich das Schlachtfeld endlich verließ, war der Mond bereits aufgegangen und übergoís das stille, vergessene Schlachtfeld von Austerlig mit seinem bleichen Silberglanze. In meinem Herzen aber empfand ich das

Gefühl reinster Freude, denn ich sah im Geiste auf der Anhöhe von Praße ein würdiges Denkmal stehen mit einem Grabe, in dem die gefallenen Helden ihrer fünftigen Auferstehung harren !

Ehren wir die Todten, vergessen wir nicht der Gefallenen!

Ehren wir in den Todten uns selbst!

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Wir wollen von dem Sieger bei Austerliß nicht scheiden, ohne unseren Lesern auch einiges über den religiösen Standpunkt Napoleons mitgetheilt zu haben, da gerade über diesen Punkt im Geschichtsunterrichte mit auffallendem Stillschweigen hinweggegangen wird.

Wenn wir hier die Frage aufwerfen, ob Napoleon I. eine religiöse Überzeugung hatte, müssen wir mit einem ganz bestimmten fa! antworten. Allerdings ließ ihn sein maßloser Ehrgeiz, seine unbegrenzte Herrschsucht die Anwendung religiöser Grundfäße im politischen und privaten Leben nur zu oft vergessen; allein in ruhigen Augenblicken trat seine Hochachtung vor der katholischen Religion in ganz überraschender Weise hervor und ganz besonders bewies er sich während seiner Verbannung auf St. Helena und in der Todesstunde als gläubiger Katholik.

Thatsachen aus Napoleons Leben mögen diese Behauptung rechtfertigen.

Nach der Schlacht bei W a gram, am 5. Juli 1809, trat ein Soldat von großer Gestalt vor Napoleon mit der Bitte, in die kaiserliche Garde eingereiht zu werden. Napoleon sah die überreichten Papiere durch und fragte :

„Bist du ein Jude ?"

„Keineswegs, Majestät", antwortete der Soldat. „Ich war Jude, aber jeßt gibt es in Euerer Majestät Armee keinen besseren Christen als mich. Als wir von Spanien zurückkehrten, lagen wir fünf Monate zu Rom in Garnison und damals ließ ich mich viermal taufen und wurde jedesmal reich beschenkt !"

„Du unverschämter Kerl !" rief Napoleon vor Zorn außer sich. „Dusch ach erst mit unseren heiligen Sacramenten? Elender, ich sollte dich niederschießen lassen. Und du willst in meine getreue Garde eingereiht werden? Bis ich Landstreicher und Lotterbuben brauchen werde, werde ich dich rufen lassen. Weg von mir, verfluchter Jude !"

Augenzeugen berichten, dass sie Napoleon nie so aufgebracht gesehen haben wie bei dieser Gelegenheit und dass Napoleon wiederholt zu sich sagte: „Das ist schauerlich!“

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Im Jahre 1811 stand Napoleon auf der Höhe seines Ruhmes und seiner Macht. Eines Tages unterhielten sich seine Generale über seine Triumphe und Siege. Sie stellten an Napoleon die Frage, welchen Tag des Lebens er für den glücklichsten ansehe, und erhielten zur Antwort:

,,Den Tag meiner ersten hl. Communion!". General Rapp meinte, dass diese Antwort befremde.

Allein Napoleon tadelte Rapp und sprach ärgerlich: „Hätte ich gewusst, dass Sie ein Ungläubiger sind, hätte ich Sie nie zu meinem General ernannt."

General Graf Bertrand ist mit seiner Familie reiwillig dem Kaiser in die Verbannung auf die Insel

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