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St. Helena gefolgt. Dort auf St. Helena hat Napoleon selbst das Töchterchen Bertrands zur ersten heiligen Communion vorbereitet.

Während einer Unterredung mit seinen treuen Begleitern auf St. Helena hat Napoleon einen ebenso überraschenden als treffenden Vergleich zwischen sich und Christus gezogen:

„Das größte Wunder Christi ist das Reich der Liebe, das er gegründet hat. Jesu allein ist es gelungen, die Menschenherzen zu gewinnen und, dass ihm dies gelungen, ist für mich ein Beweis seiner Bottheit.

Ich lebe in der Verbannung. Wer kämpft heute für mich ? Wer gedenkt meiner in Europa? Wer ist mir treu geblieben? Wo sind meine Freunde ?

Doch das ist das Schicksal großer Männer, es war auch das Schicksal Caesars und Alexanders! Man vergisst uns und der Name des großen Eroberers ist nur noch ein Thema für die Schuljugend. Unsere Heldenthaten beurtheilt nur ein Pedant.

Was war Ludwig XIV., als er gestorben war? Eine Leiche — ein Sarg – ein Grab — Fäulnis.

Noch kurze Zeit und dasselbe Los harret meiner. Von England absichtlich zum Tode verurtheilt, sterbe ich vorzeitig!

Das ist das nahe Los des großen Napoleon ! Welch ein Abgrund zwischen meinem tiefen Elende und der Herrschaft Christi, der auf der ganzen Welt verkündet, geliebt, gepriesen wird und fortlebt! Bedeutet ein Tod nicht vielmehr leben?"

Napoleon bat den Papst um Priester. Diese trafen im Jahre 1819 auf St. Helena ein und wurden höflich empfangen.

Als Napoleons Krankheit (Magenkrebs) zunahm und das Lebensende herannahte, ertheilte ihm der Priester Vignoli am 3. Mai 1821 die lekte Ölung. Nachdem Napoleon noch angeordnet hatte, wie seine Leiche ausgestellt werden solle, sprach er:

„Ich bin weder Philosoph noch Materialist. Ich glaube an Gott und besiße die Religion meiner Vorfahren. Ich bin als Katholik geboren und will alle Pflichten, welche mir Die katholische Kirche vorschreibt, erfüllen."

Das Testament Napoleons vom 15. April 1821 beginnt mit den Worten:

„Ich sterbe im römisch-katholischen Glauben, in dem ich vor 50 fahren geboren wurde.“

Am 5. Mai 1821 vor 1,6 Uhr abends verschied Napoleon nach schwerem Todeskampfe. Seine lekten Worte lauteten: „Tête d'armée!“ (Än der Spiße der Armee !)

Frankreich, das Napoleon so sehr geliebt hatte, ließ dessen Gebeine im Jahre 1840 nach Paris überführen.

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O Wand'rer, stehe still in dieses Haines Schatten,
Dir winkt ein Monument, so Du noch nicht gesehen ;
Die Friedensgöttin kam, um Mars zu wähl'n als Gatten,
In dieses schöne Thal, wo West und Zephyr wehen.
Ein mörderischer Krieg, den selbst die Höll' erschaffen,
Versammelte ein Volk von jeder Region ;
Auf Mährens stiller Flur erschien ein Heer in Waffen,
Beinah' von jeder Sect und jeder Nation.
So mancher fand den Tod in diesen Himmelsstrichen,
Und seine Leiche ruht hier in der Erde Schoß,
Der Hungar beim Kroat, der Böhme bei dem Griechen,
Der Deutsche beim Rosak, beim Russen der Franzos.
Im Frieden ruhen sie, die sich gemordet haben,
Beim Feinde ruht der Freund und starb fürs Vaterland;
Und wenn sie einst von Muth und Pflicht ein Beispiel gaben,
So reichen sie sich nun versöhnt die Bruderhand.

1) „Ein Lied mit Musik für Gefang und Fortepiano." Dieses Lied befindet sich als Handschrift im Franzens-Museum zu Brünn.

Ruht sanft an diesem Ort, wo Groll und Hader schwinden,
Bis Euch des Weltgerichts Trompete wieder weckt ;
Dann werdet Ihr die wahre Gleichheit wieder finden
Und eine Gleichheit, die kein Brudermord befleckt.
Und wird Euch einst die Welttrompete wieder wecken,
So eilt hervor aus Eurer fühlen Erdengruft;
Dann erst erscheint Ihr nicht zu einem Morð und Schrecken,
Ihr kommt vor eine Macht, die Euch zu lohnen ruft !
O Austerlik ! Du bleibst uns stets im Angedenken,
Du weiter Schauplaß, voll von wüstein Mordgeschrei,
Wo viele Tausende ihr Leben mussten enden,
Doch jeßt sind sie von Morð und Schlachtgetümmel frei!

Die Schlachtbilder von Austerliß, wie sie in französischen Werken, z. B. in: „Campagnes des français sous le Consulat et l'empire, Collection de 60 planches dites Charle Vernet, Paris“ oder auch im FranzensMuseum zu Brünn sich befinden, sind reine Phantasiegebilde.

Um so wertvoller ist eine plastische Karte (in Gyps) des Schlachtfeldes von Austerliß, welche sich im Archive des Fürst Schwarzenberg'schen Schlosjes Worlik an der Moldau befindet. Karl Philipp Fürst Schwarzenberg erhielt als österreichischer Botschafter in Paris diese Karte von Napoleon I., dessen besonderes Vertrauen er genoss, zum Geschenke. Sie ist 2 m lang und 1 m breit; das Terrain ist sehr genau dargestellt. Die Stellung beider Armeen vor der Schlacht ist durch Zelte, während der Schlacht durch 2 mm hohe Figürchen angedeutet; einige dieser Stellungen hat Napoleon I. eigenhändig mit Bleistift verbessert. Leider erhielten wir zu spät Kenntnis von dieser Karte und waren daher nicht mehr in der Lage, ein Bild derselben für dieses Büchlein anfertigen lassen zil können. Sollte dasselbe

eine zweite Auflage erleben, wird ein Bild dieser plastischen Karte gewiss nicht fehlen.

Es drängt mich, jenen hochwürdigen Herrn und geehrten Herrn Lehrern von AusterlifPraße und Umgebung, welche die Veröffentlichung dieses Büchleins, das für die vaterländische Geschichte nicht ohne Bedeutung sein dürfte, durch ihre gütige Unterstüßung gefördert haben, besonders aber dem Gutsverwalter in Chirliß, Herrn Franz Homolka, öffentlich zu danken.

Dieses Büchlein selbst erhebt keinerlei Anspruch auf wissenschaftliche Bedeutung, obwohl dasselbe mit Treue und Gewissenhaftigkeit nach bisher unbenüßten Urkunden und geschichtlich verbürgten Druckwerken gearbeitet wurde. Bezüglich der Schreibweise der Ortsnamen und einzelner Hügel auf dem Schlachtfelde sei nur bemerkt, dass sie der Generalstabs-Karte entnommen wurde.

Vorliegende Arbeit verfolgt nur das eine Ziel, weitere Kreise für die Abtragung einer Ehrenschuld, wie es die Errichtung eines würdigen Denkmals auf dem Austerliker Schlachtfelde ohne Zweifel ist, zu begeistern! Sollte dieses Ziel bis zum 2. December 1905 erreicht werden, dann wäre es für mich ein Lohn, der reichlich lohnet!

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