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„Procera es cedrus, cogitas iam cernere nubes,

Attendas, lapsu ne graviore ruas.“1)

Über den Aufenthalt Napoleons berichtet das Gedenkbuch der Pfarre Bohrlig folgendes:

„Am 17. November kam das k. k. österr. Haupt= quartier unter dem Commando des Fürsten Johann von Liechtenstein nach Pohrliß, welcher sammt zahlreichem Anhang sein Quartier in der Pfarre nahm.

Um 18. November kam nach Abmarsch der lebten russischen Husaren-Piquets von der Frainspißer Straße gegen 3 Uhr nachmittags die feindliche französische Avantgarde reitender Chausseurs unter dem Commando des General Sebastiani an, der in der Pfarre einkehrte und durch ein äußerst strenges, brutales Benehmen und durch seine übertriebenen Forderungen in der ganzen Gemeinde großen Schrecken verursachte.?) Sein Adjutant entwendete dem Pfarrer 3 Pferde.

Am 19. November früh kehrte Prinz Murat ein, der sich durch Leutseligkeit auszeichnete und bald nach ihm, gegen 10 Uhr, kam der Kaiser Napoleon reitend, von Berthier und seiner Generalität begleitet und wählte zum Absteigequartier das Pfarrgebäude, in welches er jedoch erst gegen 3 Uhr nachmittags wirklich einkehrte, indem er unterdessen bis auf den Laaker Berg vorritt, wo ihm der Rapport von der willigen Übergabe der Stadt Brünn zukam.

Der Pfarrer Sebastian Libischer, der sich aus dem Hause nicht entfernt hatte, erlitt manche Unannehmlichkeiten (bei der Nacht musste er vorlieb nehmen mit einer Ofenbank als Liegestatt, während der Cooperator fich auf den Heuboden flüchtete), auch Misshandlungen 1) „Hoch wie eine Ceder bist Du und meinst an die Wolken

zu reichen, Doch gib acht, dass Du nicht thust um so tieferen Fall."

2) Ein anderes Urtheil fält über denselben französischen General das Gedenkbuch der Pfarre Kutscherau, wie später erwähnt werden wird.

erduldete er, besonders von Rustan, dem Leib-Mameluken des Kaisers, hatte aber die Gnade durch General Rapp, den Adjutanten des Kaisers, demselben vorgestellt zu werden. Durch General Rapp als Dolmetschen stellte der Kaiser an ihn die Frage, wen von den beiden am Tische Sißenden er für den Kaiser ansehe? Am Tische saßen Napoleon und Berthier. Der Pfarrer entschied für Berthier, der voller Insignien prangte, während Napoleon in eine einfache Chasseur - Uniform, mit dem einzigen Abzeichen der Ehrenlegion, gekleidet war.

Darauf folgten mancherlei Fragen, worunter besonders folgende: Wie lange er die Pfründe besiße ? Wie viel ihn der Besiß derselben gekostet habe? Was der Bischof für ein Mann sei, ob und wie oft er die Diöcese visitiere? Ob wir auch Kriegsgebete verrichten ? Warum er kein geistliches Kleid anhabe? Warum er so schlecht aussehe? u. . w.

Der Pfarrer klagte über seinen erlittenen Verlust (nach einem vorfindlichen Verzeichnisse betrug er 6457 Fres.) und über die Misshandlungen, die der Kaiser zwar für Folgen des Krieges ausgab, sich aber jedoch herbeiließ, dem Pfarrer eine Remuneration für die verlorenen, auf 500 Francs geschäßten Pferde anzuordnen, welche ihm auch durch General Rapp in 25 Goldmünzen à 40 Francs, jede beinahe 4 Ducaten schwer, eingehändigt wurden.

Der Kaiser speiste in dem Eckzimmer gegen das Kathhaus, schlief aber in dem gegenseitigen Eckzimmer. Einen Beweis seiner Aufmerksamkeit liefert unter anderem der kleine Umstand, dass er die ober dem Bette auf einem Postamente stehende Stockuhr selbst aufgezogen hatte.

Nach der am anderen Tage erfolgten Abreise blieben zwei Sauv - Garden vom berittenen Grenadierchor zurück, welche die Pfarre für ein ferneres faiserliches Quartier bereit und von anderer Bequartierung befreit halten sollten, welcher Befehl aber nur bis

Mitternacht dieses Tages erfüllt wurde, denn General Caffarelli kam mit seinem Truppenchor und nahm bis zum 29. November in der Pfarre seine Wohnung sammt etwa 20 Officieren und ebensoviel Domestiken. Er betrug sich sehr leutselig. Von dieser Zeit an war die Pfarrei stets die Wohnung des Commandanten bis zum völligen Abmarsche der Franzosen, der endlich am 12. Jänner 1806 erfolgte.

Von der großen Schlacht bei Austerlik an 2. December wussten wir nichts, bis am Abende des anderen Tages gegen 20.000 (?) gefangene Russen hier durch geführt wurden.“

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Vom frühesten Morgengrauen des 20. Novembers an wogte durch die Gassen Brünns ein ungewöhnlich reges Leben. Ununterbrochen trafen neue französische Truppenabtheilungen in Brünn ein, bis endlich um 1 Uhr mittags Napoleon selbst, umgeben von 1000 seiner getreuen Gardisten zu Pferde und 40 Mamelufen, anlangte. Seine äußere Erscheinung fesselte die allgemeine Aufmerksamkeit. Er trug einen grauen Mantel, ein niedriger Hut bedeckte sein Haupt. Napoleon war klein und beleibt, trug eine dunkelgrüne Uniform mit rothen Aufschlägen, goldenen Epauletten und zwei Sternen an der Brust; sein Angesicht war blass, sein Blick ernst und nachdenkend. Er schlug sein Quartier in dem Statthaltereigebäude auf. Oft sah man ihn beim Fenster, wo er, nachdem er das Zimmer durchschritten hatte, stehen blieb und auf den Plaß ausschaute.

Um 5 Ühr nachmittags desselben Tages erließ Prinz Murat den Befehl, die Stadt aus Anlass der Ankunft des Kaisers Napoleon zu beleuchten. Mit blutendem Herzen stellten die Bewohner in jedes Fenster 2 Kerzen ... so

war es angeordnet worden. Wohl zeichnete sich das Heer Napoleons in Brünn durch strenge Disciplin aus; allein die Abgaben und Steuern, welche den Bürgern und der Gemeinde vom Feinde auferlegt wurden, erreichten eine unerträgliche Höhe.

In manchen Gassen mussten die Bewohner aus dem Erdgeschosse ausziehen, woselbst Pferdeställe hergestellt wurden. Fleisch gab es in Brünn genug, aber nur für die – Franzosen. Denn sie trieben aus allen umliegenden Dörfern und Maierhöfen das Vieh, selbst trächtiges, zusammen, schlachteten dasselbe auf offenen Pläßen, besonders vor dem Redoutengebäude am Krautmarkte, wo das Blut thatsächlich bachweise floss. Selbst am 29. November, da beinahe jämmtliche Truppen abgezogen waren, wurden vom Magistrate noch 300 Centner geräucherten Fleisches, 200 Centner Speck und 3000 Flaschen Wein verlangt! Allgemeinen Unwillen rief in der Stadt die Speisekarte Talleyrand's, des Ministers des Ä ußern, hervor; der Koch des Ministers verlangte am 12. December vom Stadtrathe für die Tafel des Ministers und dessen Gäste: ein vorderes und hinteres Viertel eines Ochsen, einen Schöps, 6 Truthühner, 4 gemästete Gänse, 10 gemästete Napauner, 8 Hühner, 10 Hendeln, 4 Fasanen, 2 große Karpfen, 2 Hechte, 12 Forellen, 24 Krebse, 1 Pfund Parmesanfäse, 1 Pfund Schweizerfäse, außerdem allerlei Gemüse, Butter, Schmalz, Eier, Zwiebeln und Knoblauch !

Bis zum 1. December wurden an die Franzosen 3000 Pferde, 4000 Kühe und Ochsen und 6000 Schafe abgeliefert.

Am 24. November, es war ein Sonntag, ließ Napoleon um 12 Uhr bei St. Thomas eine heilige Messe lejen. Täglich wurden vorund nachmittags die Garden, diese schönsten Soldaten, die man je gesehen, inspiciert. Eine großartige Truppenschau fand am 27. November statt. Sämmtliche Truppen

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