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in Brünn und Umgebung waren zwischen Lösch und Turas aufgestellt worden. Um 12 Uhr mittags hielt Napoleon Truppenschau. Bei solchen Anlässen konnte man Napoleon, diesen Soldatenkaiser, in seinem Ruhme, in seiner Macht, in seinem bewunderungswürdigen und unwiderstehlichen Einflusse auf die Armee schauen. Alle – vom höchsten Marschall bis zum leßten Soldaten, — Alle waren ihm treu, treu bis in den Tod ergeben; denn in seinen Strahlen lebten sie, wie die Blumen in den Strahlen der Sonne, wie die Farben in den Strahlen des Lichtes. In ihm erblickten sie ihre Aufgabe, ihre Araft, in ihm das Endziel ihres Daseins. Die Soldaten waren nicht weniger neugierig, Napoleon zu erblicken, als die bürgerlichen Bewohner. „Seht, er kommt schon!" lispelten alle gespannt und erwartungsvoll, wenn sie Napoleons ansichtig wurden. Ohne Napoleon hatte das Militärleben für die Soldaten keine Bedeutung.

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General Kutuzov hatte sich auf seinem eiligen Rückzuge von Znaim bei Pohrliß mit dem österreichischen Armee-Corps, welches unter dem Commando des Fürsten Liechtenstein von Wien ankam, vereinigt, um vereint über Raigern, Seelowiß und Möniß in das Lager bei Schlapaniß zu marschieren. Am 19. und 20. November vereinigten sich diese Truppen bei Wischau und Proßniß mit der zweiten russischen Hauptarmee, welche General Graf Burhoevden befehligte, worauf sie gegen Dlmüş aþrückten.

Am 22. November nahmen die vereinigten österr.russischen Truppen, ermüdet durch die anstrengenden Märsche, eine sehr günstige und feste Stellung bei Olschan (unweit Olmüh) ein. Als am 25. November auch die russischen Garden unter dem Großfürsten Constantin eingetroffen waren, zählte die Streitkraft der Verbündeten 86.000 Mann und 16.000 Pferde.

Oberbefehlshaber der vereinigten Armee war wenigstens dem Namen nach – der russische General futuzov, ein bejahrter Mann und ein scharfsichtiger Führer. Hier konnten und sollten die Verbündeten mit bestem Erfolge den Angriff der Franzosen abwarten; dass sie diese Stellung aufgaben und gegen Napoleon in die Nähe Brünns vorrückten, war ihr erster Fehlgriff und ihr Unglück. Das russische Hoflager befand sich in der Neugasje bei Olmüş, das österreichische in Neustift bei Olmüş. Der friedliebende Naiser Franz, ein Herrscher milden und ausdauernden Charakters, hatte triftige Gründe dafür, dass die Schlacht hinausgeschoben werde. Allein der voreilige Czar Alexander lechzte nach Kriegslorbeeren und wartete weder die Verstärkung, welche unter Erzherzog Ferdinand aus Böhmen erwartet wurde, ab, noch die aus Italien, von wo Erzherzog Karl mit 80.000 Mann in Eilmärschen gegen Wien heranrückte. Außerdem war die Entscheidung Preußens abzuwarten, welches Napoleon einen Friedensentwurf vorlegen sollte; hätte Napoleon diesen Entwurf abgelehnt, dann hätte sich Preußen der Coalition anschließen müssen.

Czar Alexander, der Strategie unkundig und wenig erfahren, achtete nämlich zu viel auf den Rath seiner ihm schmeichelnden Freunde, welche den jugendlichen, schönen Kaiser bald für ihre Pläne gewannen, was übrigens selbst Napoleon in einem Briefe an Talleyrandi) bestätigt. Die in Furcht versekte und viel schwächere französische Armee gehe einer entscheidenden Schlacht mit den Russen aus dem Wege, darum gelte es, rasch gegen Brünn vorzudringen, wo es genug Vorräthe gäbe, wo ihnen Sieg und Ruhm winke. Napoleon weiche zurück und darum müsse man unverweilt losschlagen, damit er nicht entkomme!

Die vielen guten Eigenschaften des edlen Czaren Alexander, der vom besten Willen beseelt war, wurden in Russland und auch außerhalb Russlands anerkannt; aber auch derjenige, der ihn am besten kannte und am meisten ehrte, musste zugestehen, dass er nicht frei war von Eitelkeit.

Das Haupt dieses kriegslustigen russischen Adels war der redjelige Fürst Dolgorufij, welcher nach dem Scharmüßel bei Wischau über Wunsch Napoleons in das französische Lager gesendet wurde, um zu verhandeln. Vergebens warnten der umsichtige Kutuzov, der nüchterne

1) Minister des Äußern, ehemaliger Bischof von Autun. Fürst Adam Czartoryjski, Fürst Schwarzenberg und andere erprobte Heeresführer vor dem waghalsigen Napoleon, der schon in so vielen Schlachten als Sieger hervorgegangen war, vergebens warnten sie vor dem in so vielen Schlachten abgehärteten und ausgebildeten Heere Napoleons, das vor nichts mehr zurückschrak und das Napoleon selbst „die beste Armee“ genannt hatte ... umsonst, die Berathungen wurden beendet, die jüngere Partei hatte über die ältere den Sieg davongetragen.

Auf einen voreingenommenen Geist üben selbst die triftigsten Gründe keinen Eindruck aus, die Wahrheit der Gründe reizt ihn vielmehr, als dass sie ihn überzeugte. Alles war begeistert für den Ruhm der russischen Waffen und von der Hoffnung und von übermäßigem Vertrauen auf den kommenden Sieg durchdrungen. Die jungen Köpfe ließen sich in ihrer Einbildung und Unvorsichtigkeit ganz gehen. Sie befassten sich gar nicht mehr mit der Frage, wie sie die französische Armee schlagen, sondern wie sie dieselbe einschließen und gefangen nehmen könnten. Kaiser Franz, dessen Widerstand man fürchtete, war zur Berathung nicht einmal eingeladen worden.

Den Operationsplan arbeitete der österreichische General Weyrother aus, ein mehr theoretischer als praktischer Stratege. Da Weyrother, Chef des österreichischen Generalstabes, sich der Gunst des Czaren erfreute, trat er an die Stelle des unerseßlichen Generals Schmidt, der am 11. November im Gefechte bei Dürrenstein gefallen war. Kaiser Franz war tief ergriffen und betrübt, als ihm in Brünn die Nachricht vom Tode Schmidts überbracht worden war.

Es war ein eigenthümlicher Zufall, dass die österreichischen Truppen im Juni des vergangenen Jahres in demselben Terrain, wo sie nun mit den Franzosen zusammenstoßen sollten, manövriert hatten.

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Am 19. und 20. November, sowie an den folgenden Tagen marschierten die französischen Truppen von Brünn und Pohrliß gegen Austerliß und Wischau.

Napoleon blieb einstweilen mit seinen Garden und dem Corps des Marschalls Lannes in Brünn, ritt jedoch häufig gegen Austerliß aus. Er ritt das Hügelland zwischen Praße und Austerlik ab, blieb auf jeder Anhöhe stehen, ließ die Entfernungen abmessen und wiederholte, an seinen Stab gewendet, oft die Worte: „Meine Herren, durchforschen Sie das Terrain genau, hier werden Sie ein Stückchen aufzuspielen haben!"

Die Divisionen des Corps Soult marschierten rechts von der Pohrlißer Straße über Niemtschiß und machten bei Austerlis halt, die Cavallerie unter Murat bei Wischau. Das Hauptquartier dieser französischen Vorhut befand sich in Neu-Kaußniß.

Als am 28. November die vereinigte Armee von Olmüß gegen Wischau vorgerückt war, überraschte sie die Franzosen und drängte sie aus Wischau zurück; bei dieser Gelegenheit wurden 100 Franzosen gefangen. Der österreichische und russische Kaiser kamen in Wischau an und nahmen im Schlosse Absteigequartier. Noch an demselben Tage eroberten zwei russische Bataillone,

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