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Am Montag, den 25. November, um 3 Uhr morgens, kamen an 5000 Kosaken von der Olmüßer Seite zur Stadt angerückt; sie forderten die Hauptwache am Olmüßer Thore mit unbändigem Geschrei auf, sich zu ergeben und sie in die Stadt einzulassen; dann schleuderten sie Granaten in die Stadt und schossen mit Kartätschen auf die Pfarrkirche und das Pfarrgebäude. Allein die Franzosen ergaben sich nicht, weil sie ihren Rückzug frei hatten, weshalb die Russen unverrichteter Dinge abziehen mussten.

An demselben Tage noch wurde die Bejapung in der Stadt durch das 10. výusarenregiment und ein Regiment berittener Jägerverstärkt, so dass sich drei berittene Regimenter in der Stadt befanden. Und dieje Menge von Reitern und Pferden musste in der inneren Stadt einquartiert werden, da die Franzosen von einer Einquartierung in den Vorstädten nichts wissen wollten.

Jedermann begreift es wohl, in welcher Lage sich die Stadt befand ! Drei feindliche Regimenter in der Stadt und ihnen verabreichen müssen, was ihnen beifiel ! Jeder Tropfen Wein, jede Kaffeebohne, jedes Körnchen Hafer, Heu, Alles musste abgeliefert werden. Da in die Stadt nichts eingetrieben und eingeführt werden konnte, wurde das gesammte Rindvieh sowie die Schafe der Stadt geschlachtet ; Alles wurde für die feindlichen Truppen geschlachtet. Geflügel und Borstenvieh suchten sich die Franzosen selbst in der Nachbarschaft.. aber Alles musste ihnen in der Stadt gekocht und gebraten werden.

Diese Verhältnisse dauerten bis zum 28. November. An diesem Tage langte die vereinigte österreichisch-russische Armee bei Wijchau ein, überraschte die Franzosen und jagte sie aus der Stadt, wobei sie 100 Franzosen gefangen nahm. Der österreichische und russische Kaiser kamen nach Wischau und nahmen im Schlosse Wohnung.“

Aus dem Hausprotokolle der Pfarre Steini 3:

„Am 22. November morgens kamen aus Archlebau die ersten französischen Officiere — 18 an der Zahl zu uns, unter ihnen General Vandamme, und logierten sich im Schlosse ein. Der herrschaftliche Inspector mit den Beamten gieng den „Gästen“ entgegen und bat um gnädigen Schuß, der wohl versprochen, aber nicht eingehalten wurde. Am Nachmittage desselben Tages traf Infanterie mit zwei Generalen und Officieren ein, welche zum Theile bei uns, zum Theile in Lowtichik und Archlebau lagerte. Sofort wurde der Speiszettel für jeden Tag bestimmt : Morgens Frühstück, bestehend aus Fleisch, um 4 Uhr nachmittags reichliches und gutes Mittagessen mit Wein, hinlänglichem Kaffee und Liqueuren. In der Zwischenzeit zwischen dem Frühstück und dem Mittagefsen wurden verschiedene Geldabgaben auferlegt und gewaltsam eingetrieben. So wurde z. B. der Obrigkeit auferlegt, täglich um 10 Uhr vormittags 660 fl. zu erlegen, um dafür Brod für die Soldaten beschaffen zu können. Aus den herrschaftlichen Kellereien erhielt jeder Soldat täglich eine alte Maß Wein, wobei jener Bein, welcher für den Officierstisch im Schlosse beigestellt wurde, nicht berücksichtigt ist.

Ähnlich ergieng es den hiesigen Bewohnern und dem Ortspfarrer. Außerdem musste die Herrschaft eine genügende Zahl von Gebäck liefern. Die Unterhaltung der Herrn Gäste bestand darin, dass sie den ganzen Tag aßen und tranken; nur General Schenier, der zwölf Jagdhunde hatte, ergab sich mit mehreren Officieren dem Jagdvergnügen. Diese Wohlthäter zogen erst am 28. November abends gegen Austerliß ab.“

Aus dem Gedenkb u che der Pfarr e Niemtsch iß: „Am 19. November trafen 10.000 Franz zosen mit dem Marschall Soult und einigen Generalen in Niemtschiß ein. Der Marschall stieg im Schlosse ab, ein zweiter General mit dem Gefolge in der Pfarre, die übrigen in Privathäusern. Bald nach der Ankunft giengen sie an das Plündern der Keller. Im ersten Keller leerten

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fie in einer Stunde 11 Fass Wein, in einem zweiten in ein einhalb Stunden 25 Fass und wollten eben in den dritten Keller, in den des Pfarrers einbrechen, woran sie jedoch durch den Adjutanten des Generals, der in dem Pfarrgebäude wohnte, verhindert wurden. Es wurde eine Wache aufgestellt, welche für fünf Tage 65 fl. erhielt.

Der Marschall behielt sich selbst die Schlüssel von den Schlosskellern, wo derselbe nach Belieben aus mehr als zwanzig großen Geschirren den einzelnen Soldaten je einen Krug Wein reichen ließ. In Niemtschiß haben sie die vorgefundenen Weinvorräthe gänzlich ausgetrunken, weshalb die Nachbardörfer hernach Wein liefern mussten. Nebst dem Wein stand auch jederzeit gutes Essen bereit. Sie stahlen auch Kleider, Stiefel und Schuhe, und zwar sogar auf offener Straße, so dass die Ortseinwohner zerlumpt herumgehen mussten. Kaum war diese Abtheilung französischer Lotterbuben abgezogen, kam eine andere Abtheilung und trieb es ebenso. Der Pfarrer erlitt einen Schaden von 3000 fl. Die ausgeplünderte Gemeinde musste 75 Pferde, 40 Wagen und viel Vieh verschiedener Gattung beistellen. Die Gemeinde und das Schloss schäkten ihren Schaden auf 105.000 fl. In kurzer Zeit rückte die zweite Abtheilung der ersten gegen Austerlik nach, ließ aber 75 Mann mit einem Capitän und Beamten zurück, welche die Cassen mehrerer Regimenter und 14 Wagen, beladen mit Beute, bewachen sollten. General Vandamme hatte im Pfarrhofe 4 Wagen voll „Gepäck“ stehen. Dies berichteten einige Bürger aus Auspiß den Russen, welche um Pawlowitz und Wrbitz lagerten, und reizten sie an, sich des französischen Schakes im Pfarrhofe zu bemächtigen. Die Russen nahmen diese Einladung bereitwilligst an. Am 2. December, also am Schlachttage, kamen gegen 3 Uhr früh etwa 300 Kosaken und Husaren in Niemtschik angetrabt, geführt von einem gewissen Pudil, Schmieden, und Scholda, Fleischhauer aus Auspitz. Sie erschlugen im Schlosshofe 7 Franzosen und nahmen 23 gefangen, während die übrigen recht

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zeitig geflohen waren. Bei der Pfarre rissen die Russen am Glockenzuge und der Kaplan Johann Dvořáček gieng, da von dem Hausgesinde aus Furcht Niemand öffnete, im Nachtgewande heraus und sprach die Russen, die er für Franzosen angesehen hatte, französisch an. Die Russen schlugen, ohne zu fragen, wer er sei, auf ihn ein und verwundeten ihn an Kopf und Händen tödtlich. Auf das Geschrei hin gieng der Pfarrer gleichfalls im Nachtgewande heraus und sprach zu den Soldaten: „Schlagt nicht, er ist ein Priester, ich bin auch ein Priester !" Allein ein Kusse achtete nicht auf diese Worte und verfeßte, weil er Franzosen vor sich zu haben meinte, dem Pfarrer einen schweren Hieb über den Kopf und den linken Arm. Als sie endlich erkannten, dass der tödtlich verwundete Kaplan Ortsgeistlicher sei, trugen sie ihn in die Kaplanei, wo er ohnmächtig liegen blieb. Nach kurzer Zeit, nachdem der Arzt von Auspiß eingetroffen war, starb der Arme! Der Pfarrer konnte sich nicht einmal rühren, lag fünf Monate und musste wie ein Rind gepflegt und genährt werden, bis er endlich in Pystyán Linderung fand. Als die Russen sahen, was sie angerichtet hatten, ließen sie vom Plündern ab, fesselten die gefangenen Franzosen und zogen ab. Was die Russen bei uns eigentlich wollten, lässt sich schwer errathen; obgleich sie alle Wagen mit der Beute und alle Pferde ohne Hindernis nehmen konnten, thaten sie es dennoch nicht – die kostbaren und seltenen Schäße ließen sie liegen und schleppten nur elenden Kram fort, den sie während des Marsches auch wegwarfen. Die flüchtigen

Franzosen kehrten um 10 Uhr vormittags zurück und führten die übrigen Wagen mit den Cassen nach Brünn.

Am 3. December waren die Franzosen schon wieder da, besonders der goldgierige General Vandamme. Als er den Verlust seines Schatzes bemerkte, begann er zu wüthen und drohte der Gemeinde mit Feuer und Erecution, da er den herrschaftlichen Verwalter Novák als den Urheber seines Verlustes ansah. Dem verwundeten Pfarrer gegenüber benahm er sich milde und ließ bis zum 2. Februar 1806 vier Soldaten zu seinem Schuße zurück, welche ihre Pflichten gewissenhaft erfüllten. Gleichzeitig stellte er dem Pfarrer ein eigenhändig geschriebenes und unterfertigtes Zeugnis aus, dass derselbe von russischen Soldaten verwundet worden sei. Das Städtchen wurde mit Rücksicht auf den Franken Pfarrer nicht angezündet, allein der Verwalter Anton Novák wurde auf einige Tage in den Serker geworfen, dann nach Nikolsburg abgeführt; er kehrte, nachdem man ihn bei Unter-Wisternik entlassen hatte, in Todesangst nach Hause zurück.

Auch Napoleon hatte von diesem Vorfalle Kenntnis erhalten und dictierte den Niemtschißern eine Contribution von 30.000 Francs (12.000 fl.), die bei Strafe der Execution in zwei Tagen zu erlegen waren. Zum Glücke nahm sich der Güterinspector Andreas Hitschmann unser an, der bewies, dass den Niemtschißern keine Schuld beigemessen werden könne und übergab die Angelegenheit dem jüngeren Grafen Moriz Dietrichstein, welcher unsere Sache beim Kriegsminister Berthier ausgezeichnet vertrat. Jeft erst konnte Niemtschig aufathmen, die Franzosen verloren sich und ließen nur ihre Verwundeten zurück.

Dem infolge „eines fürchterlichen Missverständnisses“ verwundeten Pfarrer Franz Jablonský wurde über ausdrücklichen Befehl des Beherrschers aller Reußen durch ein besonderes, in französischer Sprache abgefasstes Decret eine lebenslängliche Pension von 600 fl. Ö. W. zuerkannt, die ihm gegen Quittung vom 1. Jänner 1809 angefangen von der russischen Gesandtschaft in Wien halbjährig ausgezahlt wurde."

Großen Schaden richteten die Franzosen in der Seelowißer Herrschaft an. Der herrschaftlicher Keller in Laaß war mit altem Weine gefüllt, welcher

ganz vermeil die groeide geschoften, als jie to

Weil die großen Gebinde keinen Zapfen hatten, wurde in jedes Gebinde geschossen; aus dem Schussloche fiengen sie nun so viel Wein auf, als sie brauchten, der

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