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Die Vorhut endlich unter dem muthigen Fürsten Bagration) – zugleich rechter Flügel — (F, 13.500 Mann) nahm auf der Ebene von Blaschowiß über Kruh, Holubiß und die Kaiserstraße in der Richtung gegen Kowalowiß Stellung.

Die Reserve unter dem Großfürsten Constantin (G, über 8000 Mann Gardisten) stand zwischen Ačenowiß und der Straße, die von Austerlig nach Brünn führt.

Den linken Flügel befehligte General B u rhoevden, das Sentrum der Oberbefehlshaber der Ärmee General Kutuzov und den rechten Flügel Fürst Bagration.

Rienmayer, Befehlshaber der österreichischen Reiterei, schob sein verstärktes Corps (H, 6400 Mann) abends um 9 Uhr vor Aujezd mit der Tête gegen Telnik vor.

Das Hauptquartier befand sich in Ařenow iß.

Die Dispositionen zur Schlacht, verwickelt und schwer zugleich, lauteten:

Das erste Corps (A) bricht aus Aujezd vor und nimmt Telniß.

Das zweite Corps (B) marschiert von der „Zlatá hora“ thalwärts und bemächtigt sich des Thales zwischen Sokolniß und Telniß und des Dorfes Sokolniß.

Das dritte Corps (C) überschreitet beim Schlosse Sokolniß den Goldbach. Ám rechten Ufer des Goldbaches vereinigen sich die Corps, schwenken und

1) Der russische General Bagration, damals 43 Jahre alt, war mittlerer Größe, hager, von harten, unbeweglichen Gesichtszügeit. „Bagration befand sich immer beim Heere und bahnte ihm entweder den Weg zum Siege oder deckte dessen Rückzug, er war der erste im Kampfe und schied als der lebte; dabei war er um andere besorgt, streng gegen sich selbst und theilte Ruhm und Strapazen mit seinen Untergebenen. Bagration verstand es, mit seinen Ansprachen seine Soldaten zu Heldenthaten zu begeistern." Am 7. September 1812 wurde er in der Schlacht bei Borodino schwer verwundet und starb am 7. October.

werfen sich mit aller Wucht in die rechte Flanke Napoleons.

Das vierte Corps (D) hatte die Aufgabe, von Praße aus das sumpfige Defilé bei den Kobelnißer Teichen zu überschreiten, zu den drei Corps zu stoßen und den Sieg des Tages zu vervollständigen.

Nach dem Gelingen dieses Angriffes sollte Bagration (F), dessen nächste Aufgabe darin bestand, das Centrum der feindlichen Armee zu beobachten und zu beschäftigen, den günstigen Erfolg des Klampfes des linken Flügels abwarten und sich am rechten Flügel der Höhen von Boseniß und Schlapanit bemächtigen, wobei ihn die Reiterei Liechtensteins (E“) zu unterstüßen hatte; dann sollten sich sämmtliche Truppen vor Latein, zwischen Lösch und Nennowiß, in eine einzige Schlachtlinie formieren. Im Falle völligen Misslingens war der Rückzug gegen Hodiejiß, Niemtschan und Herspiß — also gegen Austerlig – in A u ssicht genommen.

Treffend bemerkt hiezu Schönhals: „Während man im Hauptquartier den Plan entwarf, den Feind hinter dem Defilé anzugreifen, rückte Napoleon über dasselbe." Verwegen und unbemerkt rückte Napoleon beim Morgengrauen mit seinem linken Flügel, dem Centrum und theilweise auch dem rechten Flügel über den Goldbach. Dichter Nebel begünstigte dieses Vorrücken. Die Verbündeten wussten alfo, ohne sich vor Beginn der Schlacht überzeugt zu haben, eigentlich gar nicht, wo der Feind stehe... und diese Unkenntnis war ihr zweiter Fehler! Ja einzelne Corps sollen nicht einmal Vorposten aufgestellt haben und auch die Fühlung der Corps unter einander war locker und ungenügend.

Außerdem muss an der Disposition bemängelt werden, dass die Stelle, an welcher das vierte Corps eigentlich das sumpfige Defilé bei den Kobelnißer Teichen überschreiten sollte, nicht näher angegeben wurde, obwohl dieser Übergang für ein in Schlachtlinie entwickeltes Corps überhaupt sehr schwer, wenn nicht unmöglich war. Auch war die Stellung der Cavallerie Liechtensteins bei Praße, wie wir später hören werden, durchaus ungünstig gewählt.1)

Übrigens ist es gleich schwer, jene Stellungen anzugeben, auf welche die Verbündeten ihre Artillerie hätten auffahren lassen sollen, damit dieselbe die Infanterie, die erfolgreich über den Goldbach vorgerückt wäre, hätte kräftig unterstüßen können!

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1) Nach anderen Quellen stand die Cavallerie unter Liechtenstein zwischen dem rechten Flügel des dritten Corps und Zbejschow; dann ist es aber ganz unbegreiflich, wie das Corps Przibyszewskis den rechtzeitigen Aufbruch der Cavallerie hätte hindern können.

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Der geniale Napoleon hatte sich entschlossen, aus der Defensive in die Offenfive zu übergehen, den Gold- und Welatißer Bach bei Firzikowiß, Puntowitz und Kobelniß zu überschreiten und die Höhe bei Praße zu beseßen, nachdem sie die Russen geräumt hätten. Er blieb also auch diesmal seinem Grundsaße, den alle großen Feldherrn theilen, getreu: Den Feind in Zeit und Raum zu überraschen und angriffs w eise vorzugehen. Wenn es gelang, diese fühne Absicht zu erreichen, musste die Schlacht mit der Vernichtung des verbündeten Heeres enden; denn dann wurde dasselbe in zwei Theile zerrissen, und der eine gegen Olmüß, der andere gegen die Teiche zurückgedrängt.

Diesen Schlachtplan klügelte Napoleon aus, als er das künftige Schlachtfeld abritt, und lebte ihn in seinem Feldzelte fest, welches ihm die treuen Grenadiere aus Reisig und Stroh hergerichtet hatten. Dasselbe stand auf der Anhöhe bei Schlapaniß zwischen dem Gold- und Welatißer Bache in der Nähe seiner Reserve, von wo sich die beste Übersicht über das Schlachtfeld darbot; von diesem Hügel — Zuran 1) genannt – leitete Napoleon

1) Der Zuran (im Volksmunde „Schoranj“) ist ein merkwürdiger Grabhügel oder eigentlich ein aufgeworfener Hügel, in dem man verschiedene Gegenstände fand, z. B. Knochen von Menschen und Pferden, Überreste eines hölzernen Baues, besonders aber auch den Anfang der Schlacht. In diesem Feldzelte hatte Napoleon ein kleines Soldatenbett aus Eisen, auf dem er auch auf dem Schlachtfelde von Marengo schlief und das er später auch in die Verbannung auf die Insel St. Helena mitnahm. Das Bett war mit grünseidenen Vorhängen umschlossen.

Napoleon war am Tage vor der Schlacht fröhlicher Laune und seines Sieges so gewiss, dass er in einem eigenen Tagesbefehle seinen Truppen offen mittheilte, welchen Plan der Feind verfolge und wie er diesen verfehlten Plan zu seinen Gunsten ausnüßen wolle, ohne im geringsten zu befürchten, dass einer seiner Soldaten zum Feinde überlaufe und zum Verräther werde. Als Napoleon später auf diese Unachtsamkeit aufmerksam gemacht wurde, gab er zıır Antwort: „Ich hegte durchaus feine Besorgnis, dass der Feind von diesem meinem Plane Kenntnis erhalte; wäre es aber auch geschehen, so hätte niemand meinem Plane Glauben geschenkt!“

Cäsar, Condé, Nelson und besonders Napoleon errangen ja ihre Siege gerade dadurch, dass sie in den verzweifeltsten Augenblicken auch die äußersten Mittel anwandten. „Verloren ist jene Schlacht“, bemerkt Suworow, „von der jemand gedacht hat, dass er sie verloren hat."

Der Tagesbefehl Napoleons lautete:

„Soldaten! Die russische Armee kommt, um die österreichische Armee von Ulm z11 rächen. Es sind dieselben Bataillone, welche ihr bei Hollabrunn geschlagen, dann beständig bis hieher verfolgt habt. Die Stellungen, welche wir einnehmen, sind furchtbar; während der

Eisenstangen oder Wurfspieße, die eine ganz seltsame Form hatten. Alle diese Funde unterscheiden sich sehr von Funden in Heidengräbern, die man bisher in Mähren geöffnet hat, und die Vermuthung Ritter von Chlumeckys, dass dieser Hügel aus der Mongolenzeit (1241) herrühre, ist nicht unwahrscheinlich. Es wäre von Interesse, wenn die Durchforschung dieses Hügels, die im Jahre 1850 begonnen wurde, wieder aufgenommen würde.

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