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Feind marschiert, um meinen rechten Flügel zu umgehen, wird er mir seine Flanke bieten.

Soldaten! Ich werde selbst Euere Bataillone lenken. Ich werde mich fern vom Feuer halten, wenn Ihr mit Eurer gewohnten Tapferkeit Unordnung und Verwirrung in die feindlichen Reihen traget. Wenn aber der Sieg einen Augenblick zweifelhaft wäre, würdet Ihr Eueren Kaiser den ersten in Gefahr sehen, denn der Sieg darf nicht schwanken, an diesem Tage zumal, wo es sich um die Ehre der französischen Infanterie handelt, die von solcher Bedeutung ist für die Ehre der ganzen Nation.

Niemand verlasse die Reihen unter dem Vorwande, Verwundete zurückzubringen. Jeder sei durchdrungen von dem Gedanken, dass wir diese Söldlinge Englands besiegen müssen, welche ein so großer Hass gegen unsere Nation bewegt.

Dieser Sieg wird den Feldzug beenden und wir werden wieder unsere Winterquartiere beziehen können, wo uns die neuen Armeen, die sich in Frankreich bilden, erreichen werden. Dann wird der Friede, den ich schließe, würdig sein meines Volkes, Eurer und meiner. Napoleon.“

Napoleon glaubte unerschütterlich an seinen Glücksstern. Er harrte in den ärgsten Lagen aus und konnte sich beinahe nie eine Niederlage zuschreiben. Aber auch das Heer muss diesen blinden Glauben mit dem Führer theilen und da sehen wir wieder, wie Napoleon es verstand, die Herzen seiner Soldaten zu gewinnen, indem er sich gegen Alle immer freundschaftlich benahm, auf fie stolz war und sich gegebenen Falles selbst an die Spiße stellte, um im Heere neuen Muth zu entflammen.

Den 1. December beobachtete Napoleon den ganzen Tag über die Bewegungen der feindlichen Corps mit der größten W a chfamkeit, der große Sieg vom 2. December sollte ja die Niederlage seiner Flotte bei Trafalgar aufwägen. Dabei ritt er von Regiment zu Regiment, um seine Armee noch zu mustern. Zum Mittagessen kehrte er in sein Lager zurück und ließ alle Marschälle zu sich bescheiden.

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Als dieselben erschienen waren, theilte er jedem die auf ihn für den nächsten Tag entfallende Rolle zu und machte auf alles aufmerksam, was sie am nächsten Tage zu thun hätten und was der Feind internehmen könnte.

Noch im Laufe der Nacht wurde die Aufstellung der französischen Armee durchgeführt. Als Gewehrfeuer hörbar wurde, ritt Napoleon mit dem Marschall Soult gegen 1 Uhr nachts zu seinem rechten Flügel, um bei Sokolniß die Anstalten des Feindes in Augenschein zu nehmen, da der ausgesandte Adjutant Savary gemeldet hatte, dass' sich die Russen daselbst sammeln. Während Napoleon durch das Lager ritt, beobachtete er die Stimmung seiner Soldaten. Bald aber wurde er erkannt. Die Soldaten banden an die Gewehrläufe Strohbündel, zündeten diese dann an und begleiteten mit diesen improvisierten Fackeln den Kaiser, dem sie begeistert zujauchzten: „Vive l'Empereur!“ (Es lebe der Kaiser !) Dieser Ruf wurde immer stärker und verschmolz mit all dem Lärm und Getöse, das nur eine Armee von einigen Tausenden verursachen konnte; auch die Flumination wurde immer ausgedehnter und breitete sich über das ganze französische Lager aus. Das Echo des nächtlichen fubels der französischen Soldaten — man hörte nur das langgezogene „aaa!" und „örr..“ durch die stille N acht erschallen - machte im Lager der Verbündeten auf den gegenüberliegenden Höhen von Praße einen peinlichen Eindruck.

Einer dir Soldaten redete den Kaiser also an:

„Es ist nicht nothwendig, dass Du Dich, Sire, morgen dem Augelregen aussefest. Im Namen der Grenadiere Deiner Armee verspreche ich Dir, dajs Du inr mit den Augen fämpfen wirst, wir aber werden Dir die Fahnen und Kanionen des russischen Heeres bringen, um den Jahrestag Deiner Krönung festlich zu begehen.“ 1)

.1) Napoleon war am 2. Dec. 1804 vom Papst Pius VII. in Paris gekrönt worden.

In sein Zelt schreitend, entgegnete der Kaiser : „Das ist der schönste Abend meines Lebens; aber es schmerzt mich, wenn ich bedenke, dass ich morgen so manchen dieser tapferen Männer verlieren werde. Denn bei dieser traurigen Erinnerung fühle ich ja, dass Ihr meine Kinder seid. Wahrhaftig, ich tadle mich manchmal selbst wegen dieses Mitgefühles, denn ich befürchte, dass mich dasselbe schließlich zur weiteren Kriegführung unfähig machen wird."

Dann unterhielt er sich in seinem Zelte bei einer Tasse Thee noch mit seinen jugendlichen, vortrefflichen Führern über den kommenden Tag und schlief vor dem Schlachttage nur wenige Stunden.

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Die Aufstellung der französischen Armee

vor der Schlacht.

Am 1. und theilweise am 2. December frühmorgens bezogen die französischen Truppen ihre in der Schlachtlinie angewiesenen Stellungen. Sie waren mit hinreichender Munition versehen, in voller Bereitschaft, fröhlichen Mulhes und siegesbewusst. Die Stellung, welche die französische Armee am Morgen Des 2. Decembers unmittelbar vor der Schlacht inne hatte, war — wię beiliegende Karte zeigt folgende:

Den linken Flügel (f). gebildet durch die Divisionen Suchet und Caffarelli, befehligte Marschall Lanne 8.1) „der Tapferste unter den Tapferen“, wie ihn Napoleon gerne nannte. Der linke Flügel zog sich südlich von Welatiß bis über die Kaiserstraße hin und hatte vor seiner Front das Dorf Boseniß, welches gleich dem Santon beseßt war.

General Claparè de hatte Napoleon geschworen, lieber zu sterben, als den steilen Hügel bei Boseniß, Santon1) genannt, zu verlassen. Vor der Schlacht hatten die Franzosen die Marienkapelle daselbst niedergerissen und den Hügel mit einem dreifachen Walie umgeben, dessen Überreste noch zu sehen sind. Dieser Hügel, der die Straße gegen Olmüß und das Welatißer Defilé beherrschte, war mit einem Regimente Infanterie und 18 Geschüßen beseßt und bildete einen starken Stüßpunkt des französischen linken Flügels.

1) Wurde in der Schlacht bei Aspern und Esslingen am 21. und 22. Mai 1809 durch eine Kanonenkugel, welche ihm beide Füße zerschmetterte, tödtlich verwundet und starb am 31. Mai in Wien. Er starb ungern, weil er seinen Kaiser wie einen Freund liebte. 1) Sonton, verkürzt aus Saint Antoine (der hl. Antonius der Einsiedler). So nannten die französischen Soldaten den Hügel bei Bosenitz nach einem ähnlichen Hügel, den sie im Jahre 1798 in Agypten gesehen hatten.

Vom Santon gegen Jirzikowiß und zwar am linken Ufer des Welatißer Baches standen französische S a vallerie-Abtheilungen unter den Generalen Walther, Beaumont und Kellermann.

Rechts rückwärts von Lannes stand Prinz Murata) mit dem Kern seiner Cavallerie (e).

Das Sentrum (d), gebildet von den Divisionen Rivaud und Drouet, befehligte Bernadotte.3) Dasselbe stand weiter rechts vor Firzifowiß. Bernadotte, von Znaim berufen, war mit seinem Corps am 1. December abends noch zu beiden Seiten der Kaiserstraße, in der Hälfte des Weges von Brünn nach Bellowiß, gestanden.

Der rechte Flügel (b) unter Soult, gebildet von den Divisionen. Legrand, St. Hilaire und

mit dem Kern entrum Chciate Ber:11 a Bernade

2) War der Sohn eines einfachen Gastwirtes und Schwager Napoleonz. Dieser ernannte ihn im Jahre 1804 zum Marschall, Großadmiralen und französischen Prinzen, 1808 zum Könige von Neapel, wurde im Jahre 1815, als er den Versuch machte, sein Königreich wieder zu erobern, gefangen, vor ein Militärgericht gestellt und am 13. October erschossen. Er war milden Sinnes und ein Feinidimecker. Als er sich von Brünn nach dem Schlachtfelde begab, wurden ihm die Speisen täglich in einem eigenen Wagen nachgeführt

3) Später König von Schweden unter dem Namen Karl XIV. Johann. Im Jahre 1813 kämpfte er als Oberbefehlshaber der Nordarmee der vereinigten Mächte bei Leipzig gegen Napoleon und starb im Jahre 1844 zu Stockholm.

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