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Vandamme, erstreckte sich von Jirzifowiß bis gegen Telniz. Die Division Legrand (c) bildete den äußersten rechten Flügel von Telniß gegen Sokolniß und Kobelniß, in der Mitte des rechten Flügels stand die Division St. Hilaire (b) und zwar von den Nobelnißer Teichen gegen Puntowiß am rechten Ufer des Goldbaches, während die Division Vandamme (b)) von Puntowiß gegen firzikowiß zumeist am rechten Ufer des Welatißer Baches stand.

Die starke Reserve (g), bestehend aus den alten, geschulten Garden und den Grenadieren unter Dudinot mit 40 Geschüßen, hatte auf der Höhe nordwestlich von Schlapaniß Stellung genommen und wurde vom Marschall Düroč befehligt.

Die Division Friant unter Davoust (a), welcher mit seinem Corps von Wien über Nikolsburg erst in der Nacht eingetroffen war und in 40 Stunden einen Gewaltmarsch von 113 km zurückgelegt hatte, nahm bei Raigern Stellung.

Die Stärke beider Heere war ungefähr gleich, doch war das französische Heer rund um 10.000 Mann schwächer. Die Stärke des österreichisch-russischen Heeres – 4/6 Russen und 1/6 Österreicher -- betrug annähernd 86.000 Mann, worunter 16.000 Reiter, und an 300 Seschüße; das französische Heer zählte an 74.000 Mann, worunter 14.000 Reiter, und 248 Geschüße.

1) Rücksichtslos, ja gefühllos in der Schlacht; wurde in der Schlacht bei Kulm am 30. August 1813 mit 10.000 Mann ges fangen genommen.

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In Rřen owiß, wo sich das österreichisch-russisdie Corpsquartier befand, trat in der Nacht vom 1. December der Kriegsrath in einer geräumigen Bauernstube, der Wohnung Kutuzovs, zusammen. Man trank Thee und wartete nur auf die Ankunft des unerschrockenen und erfahrenen Fürsten Bagration. Als eine Ordonanz meldete, der Fürst fönne nicht erscheinen, wurde die Berathung sofort begonnen. In einem Nebenzimmer harrten die Ordonanzen der Befehle.

Weyrother, der eigentliche Urheber und Organisator der Schlacht, war bei seiner Lebhaftigkeit und fieberhaften Eile der gerade Gegensap Kutuzovs, der übrigens dem Plane nicht zustim inte, und gegen seinen Willen den Vorsiß bei dieser militärischen Berathung übernehmen musste. Weyrother fühlte es sichtlich, dass er das Haupt der ganzen Action, die sich nicht mehr aufhalten ließ, war.

Der selbstbewusste Weyrother hatte eine sehr genaue Karte der Umgebung Brünns vor sich und las eine ganze Stunde lang vertrauensselig seinen Schlachtplan vor. Kutuzov,1) ein bejahrter und beleibter Mann, aber ein behutsamer und scharfsichtiger Feldherr, saß mit

1) Ein ausgezeichneter Führer, der damals 60 Jahre alt war. Früher hatte er sich in den Türkenkriegen ausgezeichnet und infolge eines Schusses ein Auge verloren.

aufgeknöpfeltem Waffenrocke in einem Armstuhle; er hielt die Augen geschlossen und schwieg. Im ersten Augenblicke meinten die Mitglieder des Kriegsrathes, Kutuzov verstelle sich nur, allein die Töne, die Kutuzov hören ließ, verriethen, dass er wirklich eingeschlafen sei. Die Generale hörten schweigend die schwer verständliche Disposition an. Buxhoev den lehnte an der Wand, Miloradovicz blickte die übrigen Generale bedeutungsvoll an, so oft Weyrother eine Pause machte. Am nächsten saß Graf Langeron, der mit seiner goldenen Dose spielte, während Þrzibyszewski, gegen Weyrother vorgeneigt, mit gespanntester Aufmerkjamkeit zuhörte. Der kleine Doch turov folgte, zur ausgebreiteten Karte gebeugt, gewissenhaft den Ausführungen und suchte sich auf dem ihm unbekannten Terrain zurechtzufinden. Mehrmals ersuchte er deshalb, Weyrother möge einzelne Worte und die schweren Namen der Dörfer, die er nicht gut gehört hatte, wiederholen.

Der einzige, aber zugleich auch größte Fehler des von Weyrother entworfenen Schlachtplanes war – die offensive, das angriffsweise Vorgehen; denn das ganze Terrain eignete sich ganz vorzüglich zur Vertheidigung. Die vereinigte Armee begab sich freiwillig dieser günstigen strategischen Stellung und gerade dieser Umstand war die Hauptursache des traurigen Ausganges der Schlacht. Als Langeron sich eine Einwendung erlaubte und fragte, ob sich alles so erfüllen werde, wie es der Schlachtplan vorausseşte, antwortete Weyrother, dass Napoleon sich bestimmt zurückziehe und gerade deshalb sei dieser Plan der beste. Die Gefahr, welche dem Heere der Verbündeten aus dem Erscheinen der Franzosen in seinem geschwächten Centruin bei Praße erwachsen konnte und die der scharfsinnige Langeron ganz richtig voraussah, unterschäßte Weyrother und diese unterschäßung war gerade für Napoleon von unermesslichem Vortheile.

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,,Das ist alles recht schön“, meinte Langeron, „aber was sollen wir beginnen, wenn uns der Feind zuvorkommt und uns bei Praße überfällt ?"

„Das lässt sich nicht vorausseßen“, entgegnete Weyrother. „Sie kennen ja die Waghalsigkeit Napoleons. Wenn er selbst angreifen wollte, hätte er es heute gethan.“

„Sie halten also Napoleon nicht für stark ?"
„Wenn er viel hat, hat er 40.000 Mann.“

„Ich zweifle, dass er so unvorsichtig sein wird, unseren Angriff abzuwarten. Die Lagerfeuer sind erloschen und aus seinem Lager hört man lautes Getöse.“

Deshalb, weil er sich zurückzieht und seine Stellung ändert. Wenn er aber seine Stellung bei Turas nehmen follte, dann erspart er uns wenigstens Arbeit und Anstrengung.“

Und Napoleon änderte in der That seine Stellung, weil er über den Goldbach vorrückte!

„Meine Herrn", nahm Autuzov das Wort, „die für Morgen bestimmte Disposition kann nicht mehr abgeändert werden. Sie haben dieselbe gehört und wir Alle werden unsere Pflicht erfüllen. Und vor einer solchen Schlacht gibt es nichts Wichtigeres, ... als sich gut auszuschlafen." Mit seiner Miene gab er zu verstehen, dass er aufstehen wolle. Die Generale verneigten sich gegenseitig und giengen um Mitternacht auseinander. Rutuzov hatte den Generalen Abschriften und Überseßungen der Befehle versprochen. Während der Nacht besorgte Oberstlieutenant Tol' dieselben in das Russische, ließ sie aber erst um 8 Uhr früh unmittelbar vor der Schlacht, als sich die Truppen schon auf dem Marsche befanden, einhändigen. .

Bagration, welcher wegen der weiten Entfernung dem Kriegsrathe nicht beigewohnt hatte, erblickte den Schlachtplan früh auf der Post in Bosorziß und rief

aus: „Da haben wir den Befehl, von unserer Stellung aus den Feind erst anzugreifen, bis ihn die Liechtenstein'sche Cavallerie gegen das Löscher Wirtshaus („Mar(owka“) zurückgedrängt hat. Diese kleinen, theilweisen Angriffe wollen mir gar nicht gefallen und wir werden geschlagen werden, wenn wir nicht einen allgemeinen Angriff unternehmen.“ Die gegenseitige Eifersucht der russischen und österreichischen Generale bei dieser militärischen Berathung, die sich auch anderweitig recht offen zeigte, gereichte der gemeinsamen guten Sache nur zum Schaden.

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