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eindore
Githnçar
3-31-25
liuas
나중의

2 vol.

V or wort.

Nicht ohne einige Scheu übergebe ich dieses Werk, mein erstes, der Deffentlichkeit. Zwar habe ich seit mehreren Jahren unausgeseßt meine Mußestunden demfelben gewidmet; aber die Ungewohntheit der Arbeit und die Schwierigkeiten, die fich gerade bei diesem, noch ziemlich allein stehenden Dichter des beginnenden Mittelalters häuften, lassen mich befürchten, daß noch gar Manches in demselben der bessernden Hand bedarf. Die Aufgabe, die ich mir anfänglich gestellt hatte, war eine weit beschränktere. Sie ging aus dem Wunsche her: vor, diesen Edelstein mittelalterlicher Poeste, der noch gar wenig bekannt ist, für weitere Kreise strahlen zu lassen. Ich wollte das Werk daher ins Neuhochdeutsche mes trisch überseben und den Tert zum Studium diefer Ueber: gangssprache mit den nöthigsten sprachlichen und ges schichtlichen Erläuterungen hinzufügen. Durch die auf opfernde Güte meines Freundes, Franz Roth, deffen Name in dem Gebiete unserer sprachlichen Vorzeit icon bekannt ist, und dem ich auch sonst noch gar manchen Winf verdanke, wurde ich in den Stand geseßt, den Tert treu nach der Handschrift, die er in Straßburg aufs genaueste verglich, wiederzugeben und nicht nur an vielen Stellen zu berichtigen, sondern auch ganze Zeis len einzuschalten, die in den früheren Abdrüden fehlen. Dadurch wird freilich die Verszählung fürs erste noch verwirrter, da die früheren Drucke in dieser Beziehung, wie schon von mehreren Seiten gerügt worden, nicht nur nach verschiedenen Prinzipien behandelt, sondern im zweiten Drucke, der die 300 fehlenden Verse mitzählt, auch hundert Zahlen übersprungen sind auf 860 folgt 965). Jedoch habe ich, um diesem unvermeidlichen Mißstande abzuhelfen, die Seitenzahlen der Handschrift und die Verszahlen des ersten und zweiten Abbruds von Maßmann mit ihren Fehlern über die Seiten gefeßt. Bedauern muß ich, daß nicht auch die Seitenzahlen des zweiten Abdruđe angegeben sind, da namentlich in Benede's Wörterbuch öfter darnach citirt wird. Es würde dies freilich leicht wieder zu Jrrungen geführt haben und doch keine Vollständigkeit erzielt worden sein ohne die Seitenzahlen des ersten Druckes, die man auch hie und da noch findet. Als die Ueberfeßung und der Tert schon vollendet waren, erschien der französische Roman von Michelant und bald darauf der

Pseudo-Rallisthenes von Müller. Dadurch wurde meine Arbeit ausgedehnter; ich machte mich sogar daran, den ganzen Sagenkreis Aleranders zu umfassen; aber ich erfannte bald, daß dafür meine wenigen Mußestunden nicht ausreichen würden, und gab dies um so leichter auf, da ich wußte, daß Zacher mit einer fritischen Bearbeitung desselben sich eifrigst beschäftige. So erhielt denn mein Werf die Ausdehnung, in der es nun vors liegt. Es ist nicht für die Meister der älteren deutschen Sprache und Wissenschaft berechnet, sondern hat solche im Auge, die, in dieselbe eingeführt durch das Studium der mittelhochdeutschen Klassiker, auch die Vorläufer derselben kennen lernen wollen. Es feßt also allerdings schon einige Bekanntschaft mit den mittelhochdeutschen Sprachformen voraus, nimmt jedoch in den Anmerkungen, die weniger systematisch als nach Art eines Wörterbuchs eingerichtet sind, auch Manches auf, was zum schnelleren Verständniß herbeizuziehen räthlich erschien.

Was die Ueberseßung betrifft, so habe ich mich bes strebt, die Einfachheit des Urtertes möglichst beizubes halten. Bei der großen Wandlung, die unsre Sprache erlitten hat, war dieses feine leichte Aufgabe und die kurzen Reimpaare erschwerten die Arbeit um ein Bes deutendes. Ich scheute mich daher auch nicht, ungewöhnlichere Worte und Wendungen aufzunehmen,

wo ich zu viel hätte verneuern oder umschreiben müssen. Daß für den vertrauten Renner der älteren Sprache die Ueberseßung weit hinter der llrschrift zurückstehen muß, fühle ich sehr wohl, jedoch hoffe ich, dem schlichten Gewande Lamprechts nicht leichtsinnig Abbruch ges than zu haben. So möge denn dies Werf, wie es mit Liebe für unsre Vorzeit von mir gepflegt wurde, mit Nachficht aufgenommen werden und mein Hauptziel, dem Studium unseres Alterthums neue Freunde zuzuführen, nicht verfehlt sein.

Frankfurt a. M. im Juni 1850.

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