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ALS

PHILOSOPHISCHER WISSENSCHAFT

VON

FRIEDRICH JODL
0. ö. Professor der Philosophie an der Universität Wien

I. BAND

Bis zum Schlusse des Zeitalters der Aufklärung

Zweite, neu bearbeitete und vermehrte Auflage

MDCXL

STUTTGART UND BERLIN
J. G. COTTA'SCHE BUCHHANDLUNG NACHFOLGER

1906

University of Wisconsin - Madison
728 State Street
Madison, WI 53706-1494
U.S.A.

Alle Rechte vorbehalten

Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart

DEC 20 1907
BMA
J58

J58
1906

BMA

st

Vorrede

Das andauernde Interesse, welches der Geschichte der Ethik in der neueren Philosophie“ zugewendet blieb, hat die Verlagshandlung veranlaßt, schon vor einigen Jahren an den Verfasser mit dem Antrage auf Veranstaltung einer neuen Auflage heranzutreten. Es verstand sich von selbst, daß eine solche mindestens teilweise eine Neubearbeitung sein mußte. Die rastlose historische Arbeit von zwei Dezennien auf dem Gebiete der Geschichte der Philosophie, die Neubegründung der Ethik als akademischer Disziplin und nicht zuletzt das Ausreifen der eigenen Gedanken des Verfassers, ließen eine bloße Revision untunlich erscheinen.

Ein Doppeltes schwebte mir als Ziel vor: dem Buche seine Anlage und seinen Charakter, durch die es sich Freunde erworben hat, im wesentlichen zu erhalten; anderseits es zu vervollständigen, wo es not tat, und insbesondere in Bezug auf die verwertete Litteratur dem Stande der heutigen Forschung möglichst gleich zu machen. So ist es in gewissem Sinne dasselbe geblieben und doch ein neues Buch geworden. Vollständig neu geschrieben ist das Erste Buch, die Ethik des klassischen Altertums behandelnd, welches an die Stelle des früheren einleitenden Kapitels getreten ist, weil erneutes Studium mich immer mehr von der grundlegenden Bedeutung der antiken Theorien und Lebensauffassungen für die ganze spätere Entwicklung überzeugt hat. Vollständig neu geschrieben sind ferner die ersten Abschnitte des IV. Kapitels über die altchristliche Ethik; das XIII. Kapitel über Spinoza; der Abschpitt über Geulincx im XI. Kapitel; das XII. Kapitel über die französische und das XV. Kapitel über die deutsche Aufklärung. Aber auch in allen übrigen Teilen des Werkes sind zahlreiche Verbesserungen und Ergänzungen vorgenommen worden, welche, zusammen mit den ganz neu gestalteten Teilen, das Buch um die Hälfte seines ursprünglichen Umfangs vergrößert haben. Angesichts der Ausführlichkeit, mit welcher nunmehr auch die antike und die altchristliche Ethik behandelt werden, hielt ich mich für berechtigt, das Werk „Geschichte der Ethik als philosophischer Wissenschaft“ zu nennen.

Denn auch in dieser zweiten Auflage steht die Darstellung der theoretischen Grundprobleme im Vordergrunde, obwohl die Gestaltung der praktischen Lebensideale und der Einfluß der allgemeinen Weltverhältnisse stärker berücksichtigt worden sind. Dem Zusammenhang der ethischen Ideen mit der Religion, der sich gerade in der Gegenwart wieder als ein Zentralproblem der Kultur erweist, ist die sorgfältigste Beachtung geschenkt worden, und ich darf hoffen, meine Leser in den Besitz der weltgeschichtlichen Argumentation für und wider gesetzt zu haben, ohne deren Kenntnis nur leidenschaftliche Parteinahme, aber kein wirkliches Verständnis der streitenden Gegensätze möglich ist.

Die neue Auflage des zweiten Bandes soll in kürzester Zeit nachfolgen.

Wien, im Herbste 1906.

Fr. Jodl.

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