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„In dem Augenblicke, als die russischen Truppen ihren traurigen, aber geordneten Rückzug (!) über den zugefrorenen Teich antraten, kam Napoleon im Galopp zur Artillerie angeritten. „Ihr verlieret Zeit“, rief er, „schießet in die Massen; ihr müsset sie er: tränken, schießet in das Eis.“ An zehn Minuten lang wollte niemand an die Ausführung dieses Befehles gehen. (2) Vergebens wurden Officiere und ich an den Abhang des Hügels postiert, um das durchzuführen, was er wünschte; ihre und meine Kugeln glitten am Eise hin, ohne es zu durchschlagen. (?) Da erprobte ich eine andere Schussweise. Ich ließ die schwersten Geschüße in die Höhe zielen; die schweren Geschosse fielen nun aus der Höhe und durchschlugen das Eis. Einige andere Batterieen schossen nun in derselben Weise und wir begruben in kürzester Zeit einige Tausend Russen und Österreicher in dem Wasser des Sees.“ (??)

Dem gegenüber wiederholen wir aber unsere bereits früher aufgestellte Behauptung: „Wenn unsere Soldaten über den gefrorenen Teich geradeaus gegen Satschan hätten fliehen können oder wollen, dann brauchten sie den Teich nicht zu umgehen und ihre lekte Zuflucht zum Damme zwischen beiden Teichen zu nehmen!"

Als Beweise der Richtigkeit dieser Behauptung seien hier angeführt:

Karl Beránek, Ehren-Domherr und Pfarrer in Aujezd, der noch mit Zeitgenossen der Schlacht bei Austerliß zu sprechen Gelegenheit hatte, das Pfarr- und Schularchiv von Möniß, besonders aber das gründlich gearbeitete Hausprotokoll der Pfarre Telniß stellen entschieden in Abrede, dass eine große Zahl fliehender Soldaten in den Teichen umgekommen sei. Ja das Telnißer Protokoll erklärt, nachdem die Zahl der in Telniß selbst Gefallenen und Verwundeten genau angegeben worden ist, schließlich ganz bestimmt, dass nur

drei Russen erschossen (!) im Teiche aufgefunden wurden.

Pfarrlinge, die im Jahre 1805 erst 14–16jäh= rige Jünglinge waren, erzählten ihrem Pfarrer Aar I Beránek, dass sie russische Kanonen, die nach der Schlacht im Schlamme am Rande des Teiches an der Reichsmannsdorfer Seite eingesunken waren, mit starken Stricken herausgezogen haben, erwähnten aber mit keinem einzigen Wörtchen, dass auch Soldaten im Teiche umgekommen wären.

Das Hausprotokoll der Pfarre Telnik berichtet:

1,Die Franzosen fielen am 19. (?) November 1805 in Mähren ein, nachdem sich die verbündete russischösterreichische Armee über die Donau zurückgezogen hatte.

Zuerst fam ein Corps von 7000 Mann unter dem Befehle des französischen Generals Marquis le Vasseur an und nahm auf den Mönißer Höhen gegen Telniß hin Stellung; die Vorposten beunruhigten den Pfarrer von Telnik, Peter Ačidlovský, und die ganze Gemeinde während der ganzen Nacht und verlangten am folgenden Tage Fleisch, Brod und verschiedene Speisen, worauf sie alle gegen Austerlik abmarschierten. Von diesem Tage an — 20. November 1805 — zogen französische Truppen ununterbrochen von Raigern, Mönik und Seelowiß durch Telniß. Bei uns lagerten täglich an 2000 Mann, unter anderen auch das 55. Grenadier-Regiment unter dem Befehle des Generals Varré, die sich zwar friedlich benahmen, aber mit allem Nothwendigen versorgt werden mussten. Die Märsche, Verpflegung und Einquartierung der Truppen dauerten bis zum 30. November.

Als man aber am 28. Nov. über die bevorstehende Schlacht zu sprechen anfieng, zeigte sich bei den Truppen eine gewisse Unruhe; wir mussten unaufhörlich für sie kochen und ihnen alles Nothwendige reichlich liefern.

Kaiser Napoleon Bonaparte ruhte im Pfarrhofe, auf Stroh liegend, zwei Stunden

Pfarrhaller Napoi Hothwendige mouthörlich für

lange aus, worauf die gesammten Truppen in das Lager abrückten. Vom Samstag auf den Sonntag sah man in Telniß bis auf die französischen Vorposten keine weiteren Truppen.

Sonntag, den 1. December, um 4 Uhr nachmittags, kam der österreichische Rittmeister Graf Lažanský mit russischer Infanterie, österreichischen Husaren und dem russischen Rittmeister Fürsten Gallicin unter großem Lärme in Telnik an, verjagte die französischen Vorposten, von denen einige erschossen wurden, gegen Brünn und verblieb bis 3 Uhr morgens in Telnitz. Im Pfarrgebäude befanden sich sieben Officiere.

Um 3 Uhr morgens entstand ein fürchterliches Geschrei, dass der Feind nahe, weshalb die genannten russischen und österreichischen Truppen gegen Satschan flüchteten. Es brach nun jene große, denkwürdige Schlacht an, welche in der Geschichte „Schlacht bei Austerlit" genannt wird; sie begann um 6 Uhr früh und endete erst um 4 Uhr nachmittags bei Sokolniß und Telnitz. Besonders sei hier erwähnt, dass die Kussen ins KreuzFeuer geriethen, als sie die Höhen von Praße und Aujezd verlassen hatten, und später gezwungen waren, über den zugefrorenen Teich von Satschan, in dem sie viele Kanonen und Pferde verloren, zu fliehen.

Sie ließen im Schilfrohre des genannten Teiches (also am Rande des Teiches !!) 250 Pferde und viele Wagen zu rücf; von der Mannschaft aber wurden nur drei erschossene R ussen im Teiche aufgefunden, ertrunken ist jedoch niemand. Denn der Teich war zugefror en und die Wagen blieben im Schilfe stecken, allein von der Mannschaft ist niemand ertrunken, wenn auch französische Berichte das Gegentheil behaupten.

Während der Schlacht fam es in Telnitz zu mehreren Scharmüßeln. Die Franzosen benütten die Mauer des neuen Friedhofes als Deckung und fügten den Kussen

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aus dieser Stellung großen Schaden zu. Im Pfarrgarten blieben 8 todte Franzosen; 7 wurden noch in der Nacht weggetragen und beerdigt. Das Pfarrgebäude erlitt bedeutende Beschädigungen, flogen ja die Kugeln durch die Fenster, so dass der Pfarrer mit seinen Hausleuten in eine Ecke des Speisezimmers flüchtete, um das Leben zu retten. Die Kanonenkugeln dagegen fielen zum Glücke auf die Straße neben der Pfarre auf. (Noch ist eine Kanonenkugel in der Thurmmauer der Kirche zu sehen.) Von den Bewohnern Telniß’ wurde mit Ausnahme des Müllers Alerius Haag, der in seinem Zimmer von einer Kugel gestreift wurde, aber bald wieder genas, niemand verwundet.

Während der schauerlichen Schlacht waren bald Russen, bald Franzosen imn Orte; lekteren mussten wir das Pfarrgebäude, weil sich Russen daselbst verborgen hatten, wiederholt öffnen.

Nach der Schlacht lagen bei uns viele Todte, welche von den Telniţern begraben wurden. Auf dem Pfarracker wurden drei Schachte gegraben, in welche 140 Todte gelegt wurden.“

sürzer, aber nicht minder interessant ist der Bericht des Pfarr- und Schularchivs von Mönik:

„Am 2. December 1805 um 5 Uhr früh begann das Plänfeln der Vorposten und zwar zuerst auf den Feldern zwischen Telnitz und Aujezd, womit die Schlacht von Austerlik eröffnet wurde. Bald darauf erdröhnte Kanonendonner und zwar nach dem ersten Schusse, der unweit der St. Antonkapelle bei Aujezd abgefeuert wurde.

Der 72 Jahre alte Seelsorger ließ die Ortsbewohner in die Kirche zusammenrufen, um den Segen für unsere Waffen zu erflehen. Der zitternde Greis las die hl. Messe — seine lebte – unter Kanonendonner, der vom Schlachtfelde herüberdröhnte, und sah sich schließlich mit seinem Ministranten1) allein in der Kirche.

1) Es war dies der spätere Lehrer Franz Záček.

Dieser ehrwürdige Priester, Franz Vysloužil, gebürtig aus Bedihoscht bei Proßniß, starb am 26. Jänner 1806 infolge der von französischen Soldaten erlittenen Misshandlungen.

Der Kirchthurm war mit Mönißern überfüllt. Unter sprachlosem Staunen beobachteten sie, soweit es der Pulverdampf erlaubte, das gegenseitige Vorrücken der Corps, das unter lautem Kriegsgeschrei und betäubendem Geschüß- und Gewehrfeuer vor sich gieng.

Fünfmal brachen die Russen in Telnik, wo sich die Franzosen festgesekt hatten, ein und eben so oft wurden sie gegen Aujezd zurückgejagt. Gegen 9 Uhr trabten einige französische Regimenter von Kaigern heran und nahmen auf den Feldern hinter der Telnizer Mühle Stellung, die sie jedoch verließen, als die Russen auf sie zu feuern begannen.

Bisher sah man nur einzelne verwundete oder gefangene Franzosen, ohne etwas Näheres über den Ausgang der Schlacht zu wissen. Allein um 4 Uhr nachmittags verließen die Russen ihre Stellungen und geriethen in das ihnen vorbereitete Verderben. Beim Sokolnißer Schüttkasten wurden 8000 Russen gefangen, die übrigen flüchteten zum Satschaner Teiche, der wenig zugefroren war und in dem sie viele Kanonen und Bagage verloren; dann kehrten sie um, um durch den Hohlweg und die Weinberge nach Mönik zu gelangen.

Cavallerie, Artillerie, Jäger flohen in bunten Haufen durcheinander. „Rettet euch!" riefen die fliehenden Soldaten, kein Wunder, dass sich ihnen auch die Bewohner von Mönitz anschlossen, obwohl die Franzosen auf sie feuerten.1)

Dass so viele Russen und Kanonen in dem Eise des Teich es einbrach en und zu

1) Der Kirchendiener bedient sich einer großen Kanonenkugel zum Zerstampfen der Weihrauchkörner. Ein höherer französischer Dfficier wollte dieselbe um einen hohen Preis erwerben, den jedoch der Pfarrer nicht annahm, weil die Kugel zum Kirchenbesitze gehört.

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